Agrarminister Kupfer, Sachsen und die Schweinepolitik
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Agrarminister Kupfer, Sachsen und die Schweinepolitik

Schwein Was Minister fördern und wie Verbraucher getäuscht werden. MDR strahlt Aufnahmen aus Sachsens Tierfabriken aus.

„Die Tierproduktion ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, der Werte schafft“, so wirbt Sachsens Agrarminister Kupfer intensiv für große industrielle Tierhaltungen mit 10.000 bis 20.000 Schweinen. "Es gelten strenge Auflagen, die peinlichst genau eingehalten werden müssen", erwidert er Kritikern. Was dies in der Praxis bedeutet, zeigen abseits von vorbereiteten Vorzeigeställen und Presseterminen aufgenommene Filmaufnahmen aus 5 beliebig ausgewählten Schweinefabriken in Sachsen, welche Animal Rights Watch vorliegen: Verletzungen, Todesfälle, unhygienische Zustände, Bewegungs- und Beschäftigungslosigkeit: Der normale Alltag in der Schweinehaltung entspricht keineswegs den Versprechungen der Politik, der Märchenwelt der Werbung oder gar den Vorstellungen der Bürger.

verletzte Schweine MDR-Sachsenspiegel und Sachsenspiegel-Extra berichteten am 18.03.09 über die Recherchen. Eine zuständige Amtsveterinärin gab im Sachsenspiegel-Interview bei Betrachtung der Filmaufnahmen an, dass man in großen Tierfabriken „immer was finden würde“. Die Aufnahmen würden „keine sanktionierte Tierquälerei“ darstellen. Fleisch in Mitteleuropa würde nun mal in solchen Betrieben hergestellt. Die Filmsequenzen aus fünf sächsischen Schweinefabriken haben wir unten als 3 Minuten-Zusammenfassung zur Verfügung gestellt.

totes Schwein Die Politik wirbt auf unterschiedlichsten Ebenen für Intensivierung und Expansion der Tierhaltenden Landwirtschaft. Deutschland exportiert jährlich Fleisch und Milch mit einem Warenwert von 13 Milliarden Euro. Ein beachtlicher Wirtschaftszweig, der von der Politik finanziell und ideell gefördert wird. In der Tierindustrie müssen Wirtschaftlichkeit, Rationalisierung und Kostenoptimierung wie in jedem anderen Industriezweig oberste Priorität haben, um gegen die Konkurrenz im In- und Ausland zu bestehen. Die unausweichlichen Folgen zeigen die Bilder aus den Schweinefabriken. Die Anlagen unterscheiden sich kaum; überall das gleiche Bild: Krankheiten, Verletzungen, unerträglicher Gestank und krankmachende Gase aus den Güllegruben, Beschäftigungslosigkeit bis zum psychischen Kollaps. Rund 5% Sterberate im Stall ist der von der Tierindustrie einkalkulierte Normalfall; manchmal ist es mehr.

totes Schwein Währenddessen zieht Agrarminister Kupfer durchs Land und macht sich stark für möglichst große Schweinezucht- und Mastanlagen. Sachsen könnte seiner Ansicht nach weitere größere Schweinemastanlagen mit mehreren tausend Tieren vertragen. Er plädiert für große Schweineställe in seinem Land. Kupfer spricht sich für einen ‚sachlichen Umgang’ bei der Diskussion um die Schweineproduktion aus. Für die Haltung von Schweinen würden strenge Anforderungen gelten.

trauriges Schwein Dem Bürger wird seit Jahrzehnten durch Politik und Werbung ein gänzlich anderes Bild vermittelt, als die Recherchen zeigen. Ihm wird eine Märchenwelt suggeriert, die mit der Realität nichts zu tun hat. Nach einer kürzlich veröffentlichten, repräsentativen Umfrage, die im Auftrag der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt wurde, haben die Menschen eine Bauernidyll-Vorstellung von der Landwirtschaft. Demnach steht artgerechte Tierhaltung an der Spitze der Erwartungen, noch vor Qualitätsgarantien, der Sicherung der Ernährung und nachhaltigen Produktionsmethoden. Über die Hälfte der Bevölkerung sei überzeugt, dass sich die Tierhaltung in den letzten Jahren durch modernere Ställe, mehr Freilandflächen oder andere Maßnahmen deutlich verbessert habe. Generell hätten nach den Angaben des Instituts aber weite Teile der Bevölkerung Mühe, sich die Landwirtschaft als modernen Wirtschaftszweig vorzustellen. Der Präsident der DLG, Carl-Albrecht Bartmer, warnte in diesem Zusammenhang vor einer „Idealisierung von Stillstand“ und sprach auf der grünen Woche laut Redemanuskript von einer „gefährlichen Illusion“. Denn er weiß, dass die Vorstellungen von Bauernhofidylle mit der Realität nichts gemein haben.

Schwein in Tierfabrik Von der Politik erwarten wir statt Augenwischerei ehrliche Information und Stopp der finanziellen und ideellen Förderung der Tierhaltenden Landwirtschaft, die stattdessen den pflanzlichen Alternativen zuteil werden soll. Dazu gibt es wegen Klimawandel, Welthunger, Wasserverschwendung, Umwelt und Moral keine Alternative. Jeder Einzelne kann jetzt schon handeln. Wer guten Gewissens kulinarisch genießen will, hat eine gute gesunde Alternative: Fleisch vom Speisezettel streichen. Wertvolle Tipps zum Umstieg haben wir unter www.vheft.de zusammengestellt.

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