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Schweinezucht und -mastanlage in Haßleben Ein Agroindustrieller plant Europas größte Mega-Schweinemästerei im brandenburgischen Haßleben: Animal Rights Watch (ARIWA) liegen aktuelle Videoaufnahmen aus einer durch den selben Investor bereits in Sachsen-Anhalt betriebenen Anlage vor. Schauspieler Thomas Rühmann und Vereinsvorsitzender Jürgen Foß starteten mit dem Hubschrauber und machten sich ein Bild von den Mega-Schweinemästereien. ARD-Brisant berichtet über die Aktion.

Mai 2008: Immer größer, immer konzentrierter, immer technisierter: die Erzeugung tierischer Produkte in Deutschland und Europa nimmt weiter großindustrielle Züge an. Im brandenburgischen Hassleben soll ganz aktuell die dann größte Schweinezucht- und Mastanlage Europas, ein ehemaliges "Kombinat Industrielle Mast" (KIM) aus DDR-Zeiten, wieder in Betrieb genommen werden. Knapp 85.000 Schweine sollen dort gehalten werden. Die Entscheidung über die Genehmigung für den Betrieb der Anlage wird in naher Zukunft erwartet. Für diverse weitere Anträge auf Neubau von Schweinemästereien ähnlicher Größenordnung wird Hassleben als Präzedenzfall herhalten. Sechs Anlagen dieser Kategorie gibt es derzeit in Deutschland, alle gehören zu den größten Anlagen Europas. Geplant sind mindestens ebenso viele Weitere, die genaue Zahl ist unbekannt, da die Behörden Details zu den Anträgen verschleiern.

Derselbe holländische Agroindustrielle, der in Haßleben die Tierfabrik der Superlative plant, betreibt schon seit Jahren eine ähnliche Schweinemästerei in Sandbeiendorf in der Altmark: Harry van Gennip hat hier die derzeit größte Schweinemast Europas. Als ebenfalls ehemaliges KIM aus DDR Zeiten wurde diese Anlage kurz nach der Wende vom Betreiber aufgekauft und schon Anfang der 90er Jahre wieder in Betrieb genommen. Rund 65.000 Schweine werden dort gehalten. Die Verantwortlichen beteuern, dass dies ein hochmoderner Betrieb sei und auch in der Haßlebener Anlage alles nach dem modernsten Stand der Technik umgebaut würde. Im Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden von Animal Rights Watch, Jürgen Foß, meint der Betriebsleiter in Sandbeiendorf Jan Groen: „Das ist eine ganz normale Anlage, wo Tiere auf dem besten Niveau tierartgerecht gehalten werden.“ Jan Groen weiter: „Ich würde sagen, die Tieren fühlen sich wohl hier“.

Schweine in Sandbeiendorf Aktuelle Filmaufnahmen aus der Mastanlage in Sandbeiendorf, die Animal Rights Watch vorliegen, zeigen genau das Gegenteil: Man sieht Tiere mit unversorgten Verletzungen, eine massive Fliegenplage quält die Tiere, Maden direkt unter den Schweinen. Die Ställe sind dreckig und alt, die Stalleinrichtung stammt mitunter aus den 70er Jahren, als die Anlage gebaut wurde. Bei dem Investor handelt sich um einen Industriellen, der mit geringstem Aufwand den maximalen Profit erzielen will. Behörden haben in Anlagen dieser Größenordnung keine Chance ausreichend zu überwachen. Ist einmal eine Genehmigung erteilt, können die Betreiber praktisch nahezu machen was sie wollen.

Jürgen Foß und Thomas Rühmann im Hubschrauber Die Gigantomanie dieser Anlagen ist vom Boden aus kaum zu erfassen. Daher machte sich Jürgen Foß gemeinsam mit dem Schauspieler Thomas Rühmann auf den Weg diese Anlagen von oben in Augenschein zu nehmen. Mit einem Hubschrauber wurden die Schweinemästereien des Harry van Gennip angeflogen. Ein Team von ARD-Brisant begleitete die Aktion und strahlte die Luftbilder sowie die Videoaufnahmen aus dem Inneren der bereits betriebenen Anlage aus. Die Einblicke von oben ergaben neue Erkenntnisse: Zur Überraschung sind in Haßleben bereits umfangreiche Bauarbeiten zu erkennen. Eine Baugenehmigung liegt jedoch noch nicht vor.

Thomas Rühmann und Jürgen Foß Thomas Rühmann ist bekannt durch seine Rolle als Dr. Heilmann, Chefarzt der Sachsenklinik in der ARD Erfolgsserie „In aller Freundschaft“ und seinen Auftritten im „Theater am Rand“ im Oderbruch an der deutsch-polnischen Grenze. Auch dort engagiert er sich mit dem Theaterstück „Mitten in Amerika“ gegen die industrielle Schweinequal. Als „Bob Dollar“, ein Makler, der in Texas neue Schweinefabriken aufbauen soll, wechselt er letztendlich die Fronten und kämpft gegen die industriellen Schweine-Mästereien. Von den Aufnahmen aus dem Inneren der Tierfabrik in Sandbeiendorf und den Eindrücken aus der Luft zeigt er sich berührt: „Was dort in diesen Ställen wirklich los ist, das weiß keiner, und das ahnt keiner, und das will keiner wirklich wissen. Und dass ich dann zur Theke gehe und mir dort ein Schweinesteak oder sowas nehmen soll, das kann ich zum Beispiel nicht mehr, und das mache ich auch nicht mehr."

Die abwiegelnden und beschönigenden Kommentare des Betriebsleiters kommentiert er mit den Worten: „Wenn ich ein Schweinemäster wäre, würde ich den auch so spielen.(...) Der hat seine Realität und die Politik hat ihre Realität und wir stehen dazwischen und klappern mit den Augen“.

hassleben

Die Gebäude der Schweinezucht und -mast in Haßleben von oben.

Schweinemast Haßleben

Dies könnte Europas größte Schweineanlage werden.

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Größere Baumaßnahmen hinter verschlossenen Toren.

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Rückfront der Schweinezucht und -mastanlage in Haßleben.

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Schweinezucht und -mastanlage in Sandbeiendorf...

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... hier sind etwa 65.000 Schweine eingesperrt.

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ARD Brisant begleitete die Aktion...

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..und berichtete im Mai 2008.

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Schauspieler Thomas Rühmann engagiert sich für die Tiere.

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Bürgerinitiativen gegen und für die Schweineanlage in Haßleben.

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Die Befürworter: ehemalige und potentiell zukünftige Angestellte der Schweinemast- und zucht.

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Ein Argument der Gegner: die riesigen Gülleflächen für die Schweineanlage in Haßleben.

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