Großdemonstrationen für die Schließung aller Schlachthäuser 2018
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Großdemonstrationen für die Schließung aller Schlachthäuser 2018

Großdemonstrationen für die Schließung aller Schlachthäuser 2018

Auch 2018 gingen wieder Tausende Menschen in aller Welt gemeinsam auf die Straße, um für die Schließung aller Schlachthäuser und damit verbunden für die Verbreitung der Tierrechtsidee einzutreten. Die Demonstrationen fanden erstmals 2012 in Frankreich statt, 2018 beteiligten sich weltweit 35 Städte in 15 Ländern. Wie ARIWA die Forderung in sechs Städten in Deutschland auf die Straße gebracht hat, berichten wir hier.

Einen Überblick über alle teilnehmenden Städte weltweit findet ihr auf unserer Übersichtsseite sowie auf der internationalen Kampagnenseite.

Verfügbare Berichte:
Hannover | Münster | Göttingen | Bielefeld | Stuttgart | München

HANNOVER: Nichts muss sein, was immer so war

Mit einer neuen Rekordzahl an Teilnehmenden rüttelte der Demoauftakt in Hannover unzählige Menschen auf. „Viele standen wie vom Schlag gerührt da, viele mit Tränen in den Augen, und haben bewegt das Flugblatt angenommen“, berichtet eine Aktivistin, die am Rande der Demo Flyer verteilte und selbst über eine Schließung-aller-Schlachthäuser-Veranstaltung im Vorjahr zu veganer Lebensweise und Tierrechtsaktivismus kam.

Damit bestätigt sie, was Organisator Manuel Wetzig in seinem Redebeitrag vermittelt: „Wir können bereits heute an die Empathie und Vernunft eines jeden appellieren. Nichts muss sein, was immer so war. Nichts ist zwangsläufig richtig, weil es immer so war. Und nichts ist eine Bereicherung, wenn es auf Kosten von Anderen entsteht.“ Er schlägt damit explizit auch eine Brücke zu Menschenrechten. In Zeiten stärker werdender antiemanzipatorischer Strömungen, sei es wichtiger denn je, Tier- und Menschenrechte als untrennbare Einheit zu denken. Für beides stehe die Demonstration ein.

Ein weiterer Fokus an diesem Tag lag auf Umweltschutz und Klimawandel. Der Demozug für die Schließung aller Schlachthäuser endete auf dem Opernplatz, wo bald darauf die Silent Climate Parade startete. Viele Aktive schlossen sich dieser zweiten Demonstration begeistert an, die eine ganz andere Form des Aktivismus verkörperte, aber ein verwandtes Ziel verfolgte. Die beiden Demos waren in Kooperation organisiert worden und setzten gemeinsam ein Zeichen, dass auch konsequenter Umweltschutz nicht ohne den Ausstieg aus der Tierhaltung denkbar ist.

MÜNSTER: Weil Tiere wichtiger sind als der Geschmack

In Münster lud bereits vor Demobeginn ein buntes Programm zum Mitmachen ein: Im Rahmen einer Vegan Demo präsentierten viele ihre persönlichen Gründe für eine vegane Lebensweise. „Weil Tiere wichtiger sind als der Geschmack“ machte klar, dass es um Prioritäten geht, ein anderes Plakat formulierte mit Blick auf das von der Nutztierhaltung mitbedingte Artensterben: „weil die Welt sonst nicht mehr so bunt aussieht“.

Im Fokus standen aber natürlich die Tiere, die für Fleisch, Eier, Milch und andere Produkte ganz unmittelbar leiden und sterben –Hühner im Besonderen. Weil sie zahlenmäßig die mit Abstand meisten Opfer der Schlachthäuser ausmachen und die Nachfrage nach Hühnerfleisch hierzulande trotz generell stagnierendem Fleischkonsum ungebrochen ist, widmete Vera Hänel von ARIWA Ruhrgebiet ihren Bedürfnissen einen eigenen Redebeitrag. Weitere Redebeiträge thematisierten die allgemeine Notwendigkeit von Tierrechten, das Leid von Kühen in der Milchindustrie oder den Appell an die eigene Bewegung, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen.

Der Demozug endete, wo er begonnen hatte: Auf dem Stubengassenplatz, wo auch aus der umliegenden Außengastronomie alle Durchsagen verfolgt werden konnten, ließ Neo C. die Demo mit satirischen Songs ausklingen. Der Künstler, der auch Aktivist beim Tierrechtstreff Münster ist, welcher die Demonstration mitveranstaltete, nahm unter anderem geläufige Argumente gegen Veganismus wie den Fleischkonsum von Löwen auf die Schippe. Damit unterstrich er auf kreative Weise, was die Vegan Demo schon aufgezeigt hatte: die guten Argumente sind die für Tierrechte.

GÖTTINGEN: The answer is animal rights

Nachdem sich Deutschland 2014 zuerst in Kassel den weltweiten Veranstaltungen für die Schließung aller Schlachthäuser anschloss, tat sich das Kasseler Orgateam 2018 erstmals mit ARIWA Göttingen zusammen und verlegte den Austragungsort. Das Ergebnis ist ein spektakulärer Demotag mit vielfältigen Aktionen. Den Start des Demozuges prägten in Kasseler Tradition die Originalaufnahmen von Tierschreien aus Schlachthöfen. Später übernahmen es die teilnehmenden Menschen, die Not der Tiere unüberhör- und -sehbar zu machen.

Sichtbar wurde die Botschaft der Demonstration vor allem durch die besonderen Aktionen, welche die verschiedenen Redebeiträge mit Plakaten oder Standbildern veranschaulichten. So wurden etwa die Bilder aus der Reihe „Augenblicke des Lebens“ von Meune Lehmann präsentiert, während Kampagnenkoordinator Simon Anhut fragte, ob es nicht des bewussten Wegsehens und der Vermeidung der Begegnung, des Augenkontaktes mit dem Tier bedarf, um es zur Ware werden zu lassen. „Wenn wir hinsehen, und sehen wer sie sind“, so sein Plädoyer, „dann ist die Frage nicht: Wie nutzen wir sie? Dann ist die Frage: Was schulden wir ihnen? Und dann ist die Antwort: Tierrechte.“ Um den weltweiten Charakter der Demonstrationen zu unterstreichen, wurden die Redebeiträge zusätzlich in englisch, französisch, spanisch und türkisch vorgetragen.

Vor McDonalds regten Fleischschalen mit „Menschenfleisch“ zum Nachdenken an und als es um Hühner ging, machte ein blutiges Standbild die Botschaft auch denjenigen verständlich, die keiner der fünf verwendeten Sprachen mächtig waren. Zu guter Letzt vermittelten auch noch Bildschirme und Virtual Reality das Grauen der Tierindustrie. Veganes Essensangebot zeigte Alternativen auf, schließlich ist auch überzeugender Geschmack eine Sprache, die jeder versteht. Die Demonstration fand am selben Tag in London, Buenos Aires, Vancouver, Los Angeles, Pisa, Helsinki, Barcelona und Tokio statt.

BIELEFELD: Wer gibt dir das Recht?

In Bielefeld markierte die Großdemonstration den letzten Tag einer 42-tägigen Aktionsreihe gegen Hühnermast. Über die Dauer eines Hühnerlebens bis zur Schlachtung hatten Aktive täglich Mahnwachen durchgeführt. Die Demo, die zum dritten Mal in Bielefeld stattfand, rief schließlich mehr Menschen zusammen als in den Vorjahren. Einblicke in das Leben und Sterben von Hühner, Schweinen, Fischen und Rindern gaben Interviews mit Aktiven der Bewegung.

Wie bereits im Vorjahr waren die Figuren Justizia und ein Alien mit von der Partie:
Die Gerechtigkeitsgöttin stellte dabei das Recht des Stärkeren infrage, das Alien sollte nachdenklich stimmen, ob höhere Intelligenz mit dem Recht einhergehen darf, andere zu nutzen und zu töten.
Da es keine Notwendigkeit zum Schlachten gibt, wird es aus Gewohnheit und Bequemlichkeit aufrechterhalten – und aus Profitgier. So verurteilte die Demo auch die Expansionspläne des Schlachtgiganten Tönnies.

Auf der ersten Konferenz für die Schließung aller Schlachthäuser am folgenden Tag wurde unterstrichen, dass vegan leben nicht ausreicht, außer Aktivismus wird als Bestandteil des veganen Lebens betrachtet. Aktions- und Ausdrucksmöglichkeiten gibt es vielfältige: auch künstlerische. Das bewiesen Manuel Blaze and his fancy friends auf der Demo auch musikalisch. Wieder mit dabei war auch Liedermacherin NETTE, deren eingängigster Song und zentrale Frage in Bezug auf den menschlichen Umgang mit Tieren lautet: Wer gibt dir das Recht?

STUTTGART: Freiheit für alles, was leiden kann

Erstmals beteiligte sich am 7. Juli 2018 auch Stuttgart an der Demoreihe für die Schließung aller Schlachthäuser. Rund 320 Teilnehmer/innen kamen auf dem Schlossplatz zusammen und zogen von dort lautstark durch die Innenstadt. Angeführt von vier kostümierten Aktiven und einem ARIWA-Infomobil als Lautsprecherwagen, erhielt der Zug viel Aufmerksamkeit. Die Kostüme symbolisierten Kernaussagen, die auf Schildern vertieft wurden: Ausbeutung bedeutet Leid (Huhn), Gerechtigkeit ist keine Frage der Spezieszugehörigkeit (Justitia), mehr Intelligenz bedeutet nicht mehr Rechte (Alien), die Tierindustrie schadet auch den Menschen (Laborantin).

Dass Tier- und Menschenrechte untrennbar zusammengehören, zog sich als roter Faden durch die Demonstration. So forderte Albino, der in einer Video-Grußbotschaft zur Auftaktkundgebung seinen Song „Respekt“ a cappella rappte, „Freiheit für alles, was leiden kann“. Bei der ersten Zwischenkundgebung wurde die Gelegenheit genutzt, den ebenfalls vor Ort versammelten Aktiven vom Bündnis „Seebrücke“ die Solidarität auszusprechen und die Bedeutung ihres Einsatzes für flüchtende Menschen hervorzuheben.

Bei der zweiten Zwischenkundgebung am Kleinen Schlossplatz bildeten rund 20 maskierte Teilnehmer/innen einen symbolischen „Fleischberg“, um den psychischen Mechanismus der Anonymisierung zu veranschaulichen, durch den Individuen zu einer namenlosen Masse degradiert werden. Im Fall der sogenannten „Nutztiere“ heißt das: zu austauschbaren, verfügbaren Objekten und damit zu bloßer Ware. Um das langfristig zu beenden, soll in Stuttgart auch 2019 wieder für die Schließung aller Schlachthäuser demonstriert werden.

MÜNCHEN: Gewalt beginnt mit Schweigen

„Violence starts with silence“, so eines der zahlreichen Demoschilder in München. Um dem Schweigen der Mehrheit etwas entgegenzusetzen, begann „München für die Schließung aller Schlachthäuser“ mit starken Trommelsessions der Gruppe BATERIA Z, die von Anfang an für große Aufmerksamkeit sorgten.
In München wird die Forderung nach der Schließung aller Schlachthäuser seit 2016 jedes Jahr aufs Neue laut.

Während des Demozuges sorgten die Teilnehmenden für Lautstärke. Die Botschaft der Demonstration wurde aber auch in Redebeiträgen und mit Flyern verbreitet, die insbesondere vom Publikum der Außengastronomie entlang des Demozuges mit großem Interesse aufgenommen wurden. Eine ausdrucksstarke Symbolik entfalteten Ohrschilder mit der Aufschrift „Tiere sind keine Ware“ und Stopschilder mit Forderungen, verschiedene Formen der Diskriminierung (Speziesismus, Ableism,…) zu beenden, sowie grüne Abwandlungen von Stopschildern, die aufzeigten, in welche Richtung es weitergehen kann („Go Vegan“).

Die besondere Symbolik des Tages sollte aber erst noch folgen: Den Abschluss bildete am Abend in München eine Lichterkette – Aktive mit Kerzen reihten sich in der Münchner Fußgängerzone zu einer Menschenkette auf. Das ARIWA Infomobil machte dazu in der Dunkelheit das Leid der Tiere auf Videoleinwand sichtbar. Jede Kerze war an diesem Abend ein Symbol der Hoffnung, wie jeder Mensch ein Grund zur Hoffnung ist, der sich der Bewegung für Tierrechte anschließt. Seien auch Sie dabei und gehen Sie mit uns auf die Straße, wenn wir nächstes Jahr wieder fordern: Schließung aller Schlachthäuser!

 

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