Tierwohllabel Januar 2013
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Tierwohllabel Januar 2013

Tierschutzbund-Fleischlabel in der Kritik

demoschwein Das ARD-Magazin REPORT MAINZ berichtet am 05.02.2013 über das Pro-Fleisch-Label des Deutschen Tierschutzbundes: "Greenwashing durch neues Label: Wie Tierschützer der Fleischindustrie ein besseres Image verschaffen". Bildmaterial, welches von Animal Rights Watch (ARIWA) zur Verfügung gestellt wurde, untermauert die Vorwürfe.

Animal Rights Watch kritisiert bereits seit Bekanntwerden der Labelpläne im Juli 2011 diese fleischkonsumfördernde und tierfeindliche Maßnahme des Deutschen Tierschutzbundes (hier die Meldung aus 2011). Im Januar präsentierte der Tierschutzbund in Berlin erneut das sogenannte „Tierschutzlabel für mehr Tierschutz“, welches der Verband gemeinsam mit Europas Schlachtgiganten VION und Wiesenhof umsetzt. Animal Rights Watch kritisiert weiterhin, dass die geforderten Kriterien keine nennenswerten Verbesserungen für Tiere bringen, stattdessen der Konsument durch die Initiative getäuscht, industrielle Massentierhaltung gefördert und der Fleischkonsum angekurbelt wird.

„Der Verbraucher sieht während des Einkaufs ein vom Tierschutzbund mit Tierschutzlabel gekennzeichnetes Produkt und assoziiert damit bei beiden Labelstufen glückliche Tiere. Mit glücklichen Tieren hat der Labelstandard aber nichts zu tun“, kritisiert der Vorsitzende von Animal Rights Watch, Jürgen Foß. Auch sind die tatsächlichen, mit dem Label verbundenen Haltungsvorgaben für den Verbraucher nicht transparent und werden nicht kritisch hinterfragt.

Mastschweine stehen immer noch beschäftigungsarm in engen Betonbuchten mit Spaltenböden über den eigenen Exkrementen. Ihre Mütter müssen ihr halbes Leben als Zuchtsauen in körpergroßen Kastenständen leiden, in denen sie sich nicht einmal umdrehen können, da die Haltungskriterien des Tierschutzbundes selbst für die „Premiumstufe“ keinerlei Vorgaben für die Schweinezucht machen, sondern nur die Mastperiode reglementieren. Unter „Auslauf“ für Mastschweine, wie er in der „Premiumstufe“ vorgesehen ist, versteht der Tierschutzbund in seinem Kriterienkatalog lediglich „Kontakt zum Außenklima“. Dies wird in der Regel durch eine offene, vergitterte Stallseite (Offenfrontstall) realisiert und nicht etwa durch Freilauf auf grüner Wiese, was der Verbrauchervorstellung von „Auslauf“ entsprechen würde.

Masthühner dürfen gemäß Einstiegsstufe des Tierschutzlabels in Massentierhaltungen mit bis zu 60.000 Tieren gehalten werden. „Beschäftigung“ für die Tiere bedeutet gemäß Tierschutzbund in diesen Hallen lediglich, dass sich 2.000 Hühner drei Strohballen teilen und pro 1.000 Hühner ein Pickgegenstand (z.B. Ytongstein) vorhanden sein muss. Auch bei Krankheit und Tod ist der Tierschutzbund großzügig: Bei vorgesehenen Kontrollen dürfen noch 10% der Masthühner eine eingeschränkte Gehfähigkeit aufweisen. „Der Anteil verletzter Tiere aufgrund Haltung, Fang und Transport darf vier Prozent“ betragen, heißt es im Kriterienkatalog weiter. Das sind 2.400 verletzte Tiere bei einem 60.000er Standardstall. 2.160 Masthühner dürfen gemäß Tierschutzbundstandard während der Mast in solchen Betrieben sogar verenden (erlaubte Mortalitätsrate bei 60 Tagen Mastdauer 3,6%).

zuchtschwein Der Tierschutzbund streitet ab, für mehr Fleischkonsum zu werben und betont, dass man mit einem solchen Label den derzeit in der Tierindustrie lebenden Tieren helfen wolle. Jürgen Foß: „Tatsächlich leiden die Tiere aber auch mit Label unvermindert weiter, industrielle Massentierhaltung wird gesellschaftsfähig, zeitgleich werden neue Märkte bei Menschen erschlossen, die bisher aus Tierschutzgründen kein oder wenig Fleisch gegessen haben. Beim Tierwohl-Label fühlen sich nur zwei wohl: Nämlich der Fleischerzeuger, der durch das Siegel seinen Umsatz steigert und der Tierschutzbund, dessen Förderer und Mitglieder nun wieder guten Gewissens das Fleisch toter Tiere konsumieren können, die sie eigentlich vorgeben schützen zu wollen.“

Der Tierschutzbund hat mit dem „Tierschutzlabel“ ein Instrument geschaffen, welches marktgerecht im Sinne der Fleischproduzenten, aber „weder tier- noch artgerecht“ ist. In der Öffentlichkeit tritt der Tierschutzbund „gegen Tierfabriken, Tierleid in Megaställen, gegen tierschutzwidrige Haltungssysteme und für eine ökologische, bäuerliche Landwirtschaft“ auf. So auch zur Großdemonstration anlässlich der „Grünen Woche“ am 19.01. in Berlin unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt“. Dass nun der Tierschutzbund Fleisch aus den Tierfabriken großindustrieller Massentierhalter gegen Zahlung von Lizenzgebühren mit seinem „Tierschutzlabel“ marktfähig macht, ist absolut beschämend.

Erst kürzlich haben die erschreckenden Undercover-Filmaufnahmen von Animal Rights Watch - damals noch unter dem früheren Vereinsnamen "die Tierfreunde e.V." - aus Bioschweine- und Biohühnerställen monatelang für Diskussionen gesorgt. Der Tierschutzbund bleibt nach eigenen Angaben mit seinem Label unterhalb der Bio-Tierhaltungsstandards.

* Hinweis: Die Angaben zu den Kriterien wurden dem „Kriterienkatalog des Deutschen Tierschutzbundes“ vom 12.10.2012 entnommen, der noch Ende Dezember 2012 vom Tierschutzbund herausgegeben wurde. Neuere Kriterienkataloge sind uns nicht bekannt.

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