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Neuer Fleischskandal

Schlachthof Werden Kadaver zu Lebensmitteln verarbeitet?
Im gleichen Betrieb wurden schwere Tierschutzverstöße durch Filmaufnahmen aufgedeckt.

Mainz, 16. April 2007.
Nach Informationen des ARD-Politmagazins REPORT MAINZ, das den Beitrag von Adrian Peter und Nicola Timm in der Sendung am Montag, den 16. April 2007 um 21:45 Uhr ausgestrahlt hat, steht Niedersachsen erneut vor einem ekelerregenden Fleischskandal. Die Oldenburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine Schlachterei, die im Verdacht steht, Kadaverfleisch verarbeitet, also tote Tiere geschlachtet zu haben.  Zudem wurden schwerwiegende Tierschutzverstöße aufgedeckt. Am Donnerstag durchsuchten Polizei, Veterinärbehörden und die Staatsanwaltschaft Oldenburg den Betrieb. Frauke Wilken, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Oldenburg, bestätigte gegenüber REPORT MAINZ: „Es geht um den Verdacht des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Konkret wurde geprüft, ob dort ohne Berechtigung tote Tiere geschlachtet werden.“ Auch wegen der Verstöße gegen das Tierschutzgesetz wird dort ermittelt.

Schlachthof Auslöser für die Ermittlungen sind Filmaufnahmen, die REPORT MAINZ zugespielt wurden und die die Staatsanwaltschaft überprüft hat. "Objektiv - das Rechercheteam" war in Kooperation mit Animal Rights Watch an den Recherchen beteiligt. Die Bilder legen gravierende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und hygienische Missstände in der Firma nahe. Die Aufnahmen zeigen unter anderem, wie bereits tote Kühe übereinander gestapelt aus den Transportanhängern in das Schlachthaus verbracht werden, um dort zu Fleisch verarbeitet zu werden.

lebendiges Schaf Auf den Aufnahmen sieht man weiter, wie festliegende Kühe mitunter länger als 4 Stunden in einem Anhänger auf dem Hof stehen, bevor sie geschlachtet werden. Manche Tiere sind so in Mitleidenschaft gezogen, dass sie noch im Transportanhänger den Bolzenschuss vom Schlachter erhalten, da sie aus eigener Kraft das Schlachthaus nicht mehr erreichen. Auf den Aufnahmen sieht man zudem noch eine lebende Kuh, die mittels Seilwinde bei vollem Bewusstsein aus einem Anhänger in das Schlachthaus gezerrt wird - aufstehen kann sie nicht mehr. Weitere Aufnahmen zeigen, wie Schafe tierschutzwidrig ins Schlachthaus verbracht werden: Die Schlachter schleifen ein Schaf an den Vorderbeinen auf dem Rücken liegend über den Hof, reiten auf einem anderen Schaf, zerren ein weiteres Schaf an den Vorderbeinen liegend über den Hof und singen dabei ein Lied „dance with me“.

Abholung eines Kadavers beim Bauern Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im April 2004 wegen ähnlicher Vorwürfe gegen die Firma ermittelt. Damals hatte ein Fahrer gegenüber der Polizei über ekelerregende Zustände berichtet. Bis zu zehn Stunden habe es gedauert, bis auf dem Bauernhof notgeschlachtete Tiere im Schlachtbetrieb verarbeitet wurden: „Der Gärprozess war da schon so weit fortgeschritten, dass die Tiere schon bald platzten.“ Der Fahrer berichtet auch detailliert über die Verarbeitung von Kadavern: „Es wurden auch Tiere im Betrieb ausgeschlachtet und verwertet, die bei unserem Eintreffen (gemeint ist am Bauernhof) schon tot waren.“

Polizei, Veterinärbehörden und Staatsanwaltschaft durchsuchen den Betrieb. Trotz der Schwere der Vorwürfe stellte die Oldenburger Staatsanwaltschaft das Verfahren aus 2004 gegen die Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 2000 Euro ein. Der Inhaber der Schlachterei wollte zu den Vorwürfen bislang keine Stellung nehmen. Seine Anwälte betonen in einem Schreiben gegenüber REPORT MAINZ, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätten keine veterinärmedizinischen Beanstandungen ergeben. Sämtliche Verarbeitungsvorgänge entsprächen den behördlichen Vorschriften und seien vom Landkreis Oldenburg genehmigt. Frauke Wilken, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Oldenburg, sagte jedoch gegenüber REPORT MAINZ: „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, wir stehen hier erst am Anfang.“

Hunderte Kilometer wurden die Kadaver- und Fleischtransporte verfolgt Der betroffene Betrieb stellt täglich mehrere Tonnen Rindfleisch her und beliefert, neben seinem Direktverkauf vor Ort, auch andere Fleischhändler und Dönerfabrikanten. Trotz aller in den vergangenen Jahren aufgedeckten Fleischskandale reißt diese Serie nicht ab; ein Einzelfall ist dies keinesfalls. Wer guten Gewissens kulinarisch genießen will und überdies etwas gegen Tierquälerei und für die Umwelt tun möchte und auch sich selbst etwas Gutes tun will, dem bleibt nur die eine Alternative, Fleisch restlos vom Speisezettel zu streichen (Tipps zum Umstieg unter www.vheft.de).

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