Schweinemast Giessen
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Bilder aus Gießener
Schweinemast veröffentlicht

Schweinemastanlage Giessen Kreis Gießen, April 2005: Es geht um eine Schweinemastanlage, einen sehr jungen Nachwuchslandwirt mit 2.000 Tieren, verletzte Schweine mit offenen Abszessen, verweste und angefressene Tierleichen, verschwundene Schweine und neue Filmaufnahmen, die Animal Rights Watch vorliegen. Nur kurze Zeit nach der PRO7-Ausstrahlung von Bildern aus einer Schweinemast in Siegen berichtete PRO7 über diese Schweinemast bei Gießen.

Der Bericht eines Augenzeugen, der nicht genannt werden möchte: Wie so oft begann alles mit einer Meldung: „In einer Schweinemastanlage am Rande des Industriegebietes in einem Ortsteils von Grünberg ist alles noch viel schlimmer als in der Anlage in Siegen“. Die Anlage war schnell gefunden: Unerträglicher Gestank, ein seit 2 Jahren nicht mehr geleertes randvolles Güllebecken und Schweinegeschrei aus dem fabrikhallenartigen Mastbetrieb enttarnte die Anlage und verhieß nichts Gutes. Durch breite Schlitze zweier Holztüren konnte man in die Anlage schauen: Eine verdreckte, offenbar mit schimmeligem Kot übersäte Schweinebucht und Schweineleichen in einem fortgeschrittenen Verwesungszustand.

5 tote Tiere am zweiten Tag der Recherche (Text dazu weiter unten) In dem Gebäude stolperte man nach wenigen Metern über 4 tote Schweine. Stark verwest, mit extrem großen Wunden; wie von Aasfressern entstellte Leichen oder wie von jemandem, der sich als Hobbymetzger übte, verstümmelt. Ein paar Meter weiter die erste Schweinebucht: Leer bis auf ein bereits länger totes Tier mit offenem Hals; genauer gesagt war der Hals nicht mehr vorhanden. Der Boden übersäht mit einer Mischung aus Schimmel, Kot und Kalk. Der Gestank der Verwesung unerträglich.

Verletzungen - das Tier kann nicht mehr auftreten Eine Tür weiter: 300 Schweine auf Spaltenböden. Kranke und verletzte Tiere mit offenen Wunden und großen aufgeplatzten Abszessen, nicht separiert; auch bei älteren Verletzungen hatte offensichtlich keine Wundversorgung stattgefunden. Humpelnde Tiere, ständig ausrutschend auf dem mit Kot beschmierten Boden. Ein totes, bereits durch Artgenossen verunstaltetes Tier lag zwischen den Lebenden und wurde angefressen. Obwohl gesetzlich vorgeschrieben, nirgends auch nur eine einzige Beschäftigungsmöglichkeit für die Tiere; vom Rumbeißen auf kranken oder toten Artgenossen einmal abgesehen. Einzelne Tiere abgemagert, andere überfettet.

zerbissenes Schwein Zwei Tage später eine weitere Kontrolle: Das gleiche Bild, verletzte Tiere, die Leichen noch immer nicht entsorgt; das tote Tier aus der belegten Bucht nun bei den anderen 4 Leichen (Bild oben). Am nächsten Tag wurde die Staatsanwaltschaft und die Veterinärbehörden eingeschaltet und Fotos aus der Anlage vorgelegt. Noch am selben Nachmittag wurde eine amtliche Kontrolle mit Hausdurchsuchungsbefehl im Betrieb durchgeführt. Das Filmmaterial wurde der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt, die Ermittlungen aufgenommen.

Unstrittig sind die von den Behörden aufgefundenen toten Tiere. Die Betreiber mussten zugeben, dass sie die Leichen über vier Wochen nicht entsorgt hatten. Einige der vorgefundenen stark verletzten Tiere waren jedoch weder unter den toten, noch unter den lebenden Tieren aufzufinden. Der Betreiber streitet ab, diese Tiere jemals im Bestand gehabt zu haben. Doch das Beweismaterial ist erdrückend: Eidesstattliche Versicherungen, Ohrmarkennummern, ungeschnittenes Filmmaterial mit eindeutiger Datumsdokumentation und unverkennbaren Merkmalen der besagten Anlage liegen dem Staatsanwalt vor. Neben den Vorwürfen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und Schweinehaltungshygienevorschriften (Tierkörperaufbewahrung und deren Beseitigung, Desinfektion, usw.) ist nun unter anderem zu prüfen, wo die verschwundenen Tiere geblieben sind, die die Augenzeugen in der Anlage gefilmt hatten und der Mäster nie besessen haben will – sowie er unter anderem auch angab, keine Tiere mit solchen Verletzungen gehabt zu haben.

Schwein mit offenem Abszess In krassem Widerspruch dazu fanden sich in der Mastanlage gleich mehrere Kilogramm Antibiotika. Die Schweinemästerin erklärte, was man mit solchen Tieren (Bild links) machen würde [Zitat]: „entweder sagen Sie dann gut ok ich mach’s in eine separate Bucht dann wär’s noch da oder Sie sagen ich schlag’s tot dann kommt’s zum Abdecker“ – separiert war zumindest keins der Schweine. Der Verbleib der kranken verschwundenen Schweine ist nach wie vor unklar.

Ein anderes Verfahren läuft bereits seit 2003 gegen den ursprünglichen Betreiber der Anlage, den Vater des derzeitigen Betriebsleiters. Mittlerweile betreiben die Ehefrau und der Sohn die Tierhaltung in den familieneigenen Betrieben mit insgesamt etwa 2.000 Tieren. Ohne Angestellte, nur die Familie ist für die Betreuung des gesamten Tierbestandes zuständig - dem Familienvater soll 2003 ein Tierhalteverbot auferlegt worden sein.

totes Kalb (Quelle: Gießener Anzeiger) Seinerzeit waren mehrere Kälber tot auf der Weide aufgefunden worden, die mitunter bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren (Bild rechts). Auch sollen damals Plastiktüten zusammen mit Speiseresten geschreddert und an die Schweine verfüttert worden sein, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Die Plastikschnipsel sollen mit dem Futter aufgenommen, ausgeschieden und mit der Gülle auf den Feldern ausgebracht worden sein. Kunststoffschnipsel seien „durch die Schweine durchgewandert“. Nach Angaben in einem Bericht der Lokalpresse lagen Plastikschnipsel „dicht wie Schnee auf Weiden, auf denen Schweinegülle ausgebracht wurde“. Auch derzeit finden sich in der Gülle dieses Betriebes: Plastikschnipsel geschredderter Müllsäcke.

Der Betreiber (oder die Familie des Betreibers) unterhält zusätzlich zur Schweinemast und Mutterkuhhaltung ein Entsorgungsunternehmen für Speisereste. Diese Speisereste werden aufbereitet und an die Schweine verfüttert. Dieses Vorgehen wurde EU-weit ab 2002 verboten; nur Ausnahmeregelungen lassen dies noch für Altanlagen (wie diese Anlage) bis 2006 zu. Welche fatalen Folgen sich für die Tiere aus der Speiseresteverfütterung ergeben, lesen Sie hier in einem ausführlichen Hintergrundbericht.

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Weitere Bilder aus der Anlage:

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