FAQ-Tierrechtsrecherchen
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FAQs: Tierrechts-Recherchen

AktivistInnen Regelmäßig werden Animal Rights Watch und den (öffentlich-rechtlichen) Medien Vorwürfe gemacht, wenn es um die Veröffentlichung von Recherchevideos aus Tieranlagen geht. Um Missverständnissen und Unterstellungen vorzubeugen, beantwortet Animal Rights Watch hier die gängigsten Fragen zum Thema Tierrechts-Recherchen.

Werden die Aufnahmen verkauft?

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Filmaufnahmen wird häufig behauptet, es ginge ARIWA nicht um den Schutz der Tiere, sondern um finanzielle Einnahmen. Tatsächlich stellt ARIWA sein Material jedoch grundsätzlich kostenfrei zur Verfügung. Unser satzungsgemäßes Ziel ist es, das Leid fühlender Lebewesen zu beenden, nicht uns an diesem Leid zu bereichern. Aus diesem Grund wird auch die Arbeit in unserem Verein zum allergrößten Teil ehrenamtlich erbracht. Im Gegensatz dazu haben die Menschen und Organisationen, die uns finanzielle Motive unterstellen, in aller Regel ein direktes wirtschaftliches Interesse daran, dass sich an den dokumentierten Zuständen nichts ändert. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Wie können wir sicher sein, dass die Aufnahmen authentisch sind?

Die Originalaufnahmen aus jedem Betrieb bestehen aus einer ungeschnittenen Filmsequenz, an deren Beginn ein eingeschaltetes GPS-Gerät und eine tagesaktuelle Zeitung abgefilmt werden. Dadurch sind Ort und Tag der Aufnahme belegt. Hinzu kommt die professionelle Prüfung durch die TV-Redaktionen. Selbstverständlich veröffentlicht beispielsweise die ARD nichts, ohne sich vorher akribisch von der Authentizität des Materials überzeugt zu haben. Mit vielen Redaktionen arbeiten wir seit Jahren zusammen. Dabei sind wir auf das Vertrauen der Journalistinnen und Journalisten angewiesen. Schon deshalb sind Transparenz und Nachvollziehbarkeit für unsere Arbeit eine absolute Selbstverständlichkeit.

Anders die Tierhalter/innen: Für sie entscheidet nicht, dass sie stets die Wahrheit sagen oder alles genau belegen können. Sondern einfach nur, dass die Menschen ihre Produkte kaufen. Und das geht wesentlich besser und profitabler, wenn man so tut, als läge hinter den Betonmauern der hunderttausenden deutschen Tierhaltungsanlagen das Tierparadies. Durch Falschbehauptungen, wie das Videomaterial sei gefälscht, oder wurde an die Presse verkauft, werden so erfolgreich öffentliche Zweifel gesät und gekonnt von seiner tierquälerischen Branche abgelenkt.

Wieso dauert es manchmal Wochen oder Monate bis zur Veröffentlichung?

Recherchen bringen oftmals viele Stunden hochauflösenden Materials, das erst gesichtet und für die Presse aufbereitet werden muss. Da diese Arbeit komplett ehrenamtlich erfolgt, dauert das oft seine Zeit. Die Journalist/innen selbst benötigt dann wiederum einige Zeit, um das Material zu bewerten, wasserdicht auf seine Authentizität und Bedeutung zu überprüfen sowie selbstverständlich auch den beschuldigten Beitreiber/innen vorher die Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.

Werden die Betriebe angezeigt?

Die Erfahrung aus mehr als zehn Jahren zeigt, dass auch nach detaillierten Anzeigen mit belegendem Filmmaterial und der Nennung von Zeug/innen die Ermittlungen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz (TierSchG) fast immer eingestellt werden. Zudem widerspricht aus Sicht von ARIWA auch die formal gesetzeskonforme Tiernutzung eindeutig dem in § 1 TierSchG formulierten Grundsatz, das Leben und Wohlbefinden der Tiere um ihrer selbst willen zu schützen. Wir fokussieren unsere begrenzten Ressourcen deshalb darauf, einer breiten Öffentlichkeit immer wieder zu zeigen, dass Tierhaltung in Deutschland – ob formal gesetzeskonform oder nicht – in keiner Weise den ethischen Ansprüchen unserer Gesellschaft genügt. Wer sich mit der Branche auskennt, weiß, dass dieses Handeln System hat. Fast jeder tierhaltende Betrieb ließe sich wegen Verstößen gegen die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung anzeigen. Daher wollen wir auch nicht durch Anzeigen gegen wenige einzelne vom wahren Problem ablenken und die Diskussion auf angebliche ‚schwarze Schafe' verkürzen. Es steht aber jeder und jedem offen, sich die frustrierende Arbeit zu machen und Betriebe, aus denen wir Material veröffentlicht haben, selbst anzuzeigen. Wir unterstützen die Behörden natürlich, wenn sie Informationen von uns anfordern; wir sind aber kein Ersatz für lokale Veterinärämter, die ihrer Aufgabe nicht nachkommen.

Ist das Filmen in den Anlagen illegal?

Für die Erstellung von Filmaufnahmen werden Wirtschaftsgebäude ohne Zustimmung der Eigentümer betreten. Dazu werden jedoch weder Türen noch Fenster aufgebrochen, nichts wird verändert oder beschädigt. Rechtlich entspricht dies einem milden Hausfriedensbruch. Dem gegenüber steht regelmäßig die Aufdeckung von Tierschutzverstößen, darunter häufig schwere, lang andauernde Leiden. Das Recht der Tiere auf physische und psychische Unversehrtheit und auf ein Leben ohne Qual und Bedrängnis überwiegt unseres Erachtens das Hausrecht der Anlagenbetreiber und deren wirtschaftliche Interessen. Dieser Einschätzung folgen auch einige Gerichte. Im Februar 2018 wurden drei Recherche-Aktivist/innen in der dritten Instanz vom Oberlandesgericht Naumburg freigesprochen. Das Gericht erkannte den Tatbestand des Hausfriedensbruchs zwar an, begründete den Freispruch aber mit rechtfertigendem Notstand, da die zuständigen Behörden nicht anders dazu gebracht werden konnten, einzuschreiten und die gravierenden Missstände abzustellen. Im April dieses Jahres urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) in einem anderen verfahren, dass die Ausstrahlung von schockierenden Bildern selbst dann erlaubt sein kann, wenn in den Ställen alle Gesetze eingehalten werden.

Rechtlicher Hinweis