Schweinemast Krämer - Schweinemast-Komplott
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Das Schweinemast-Komplott

schweinemast_kraemer_komplott Wir kämpfen seit Jahren gegen die unhaltbaren Zustände in der Schweinemastanlage Krämer. Nicht nur die katastrophalen Verhältnisse in der Mastanlage selbst, sondern vor allem das skandalöse Vorgehen der zuständigen Behörden sind erschreckend. Ein Schweinemast-Komplott bis auf Ministerebene.


Siegen/NRW, Februar 2007:
Während über zwei Jahre hinweg unzählige drastische Verstöße in der Schweinemast Krämer gegen das Tierschutzgesetz dokumentiert wurden, tritt der zuständige Amtsveterinär an die Medien und erklärt ungeniert, „man habe nicht ansatzweise Mängel feststellen können“, es gäbe „keine Beanstandungen“ und „keine Verstöße gegen das Tierschutzgesetz“. Es folgte die Einstellung sämtlicher Anzeigen von Animal Rights Watch gegen den Schweinemäster und das Veterinäramt durch die Staatsanwaltschaft Siegen unter Missachtung aller Beweise. Nicht sehr verwunderlich war danach, dass auch das 2006 eingeschaltete Landwirtschaftsministerium sich an der Vertuschung der wahren Zustände in der Mastanlage beteiligte: die Ortsbegehung durch den Ministeriumsangehörigen Bottermann nur eine Farce.

schweinemast kraemer verletzung NRW-Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg ließ schriftlich mitteilen, dass die Schweinehaltung im Schweinemastbetrieb Krämer in Siegen „den tierschutzrechtlichen und tierseuchenrechtlichen Vorschriften in Deutschland“ entspricht. Die vorgelegten gerichtsfesten Beweise grausamster Tierquälerei in Form von Fotos und Filmen bezeichnet das Ministerium ungeniert als „Vorwürfe“, welche „durch Kontrollen des Veterinäramtes widerlegt“ seien. Die Bemühungen um ein rechtliches Vorgehen gegen die katastrophalen Zustände in der Schweinemast nennt man „Stimmungsmache gegen den Schweinemäster“, deren Scheitern aus „fehlenden rechtlichen Gründen“ von Ministerseite aus als korrekt angesehen wird. Das ministerielle Fazit: „Zu keinem Zeitpunkt waren die Mängel so schwerwiegend, dass ein Ordnungswidrigkeitsverfahren oder gar ein Strafverfahren eingeleitet werden musste“.

Unvorstellbar: ein kleiner Amtsveterinär hat den kompletten behördlichen Apparat auf seiner Seite. Seine Behauptungen ohne Wahrheitsgehalt haben auf Justitias Waagschale bedeutend mehr Gewicht als Beweise. Die Zustände im Mastbetrieb, welche von Behördenseite immer wieder als „befriedigend“ und „ohne schwerwiegende Mängel“ bezeichnet wurden, empfindet jeder „normale Mensch“ als katastrophal: oder wie sollte man es sonst nenne, wenn die Schweine ein Leben in Dunkelhaft, liegend in den eigenen Exrementen, ohne genügende Frischluftzufuhr, ohne Trinkwasser, auf glitschigen defekten Spaltenböden hinfallend und sich verletzend verbringen müssen, nicht angemessen tierärztlich behandelt und einfach krank liegen gelassen werden, bis sie jämmerlich sterben?

schweinemast kraemer Auch das Veterinäramt erkannte diese Mängel – benannte sie jedoch öffentlich wenn überhaupt maximal als „Kleinigkeiten“ - und machte dem Schweinemäster gleich nach der ersten Anzeige und aufgrund der Veröffentlichungen von Animal Rights Watch (seinerzeit noch "die Tierfreunde") im Jahr 2004 zahlreiche Auflagen. Das Veterinäramt bemängelte exakt die gleichen Missstände, welche Animal Rights Watch vorgefunden und zur Anzeige gebracht hat (hier die Auflagen des Veterinäramtes).

Die Auflagen, welche auch größere Umbaumaßnahmen wie den Austausch fast aller Spaltenböden beinhalteten, hatten allesamt eine Umsetzungsfrist von sofort bis zu wenigen Wochen. Doch immer wieder musste bei Besuchen in der Schweinemastanlage festgestellt werden, dass Auflagen nicht erfüllt wurden – und jede weitere Bau- oder andere Maßnahme wieder einen „öffentlichen Tritt“ erforderte, damit die alten Auflagen zumindest endlich umgesetzt würden. So ist man in der Schweinemast Krämer Ende 2006 endlich dabei, eine Krankenstation zu bauen. Was aber noch lange nicht heißt, dass man damit auch auf tierärztliche Behandlung erkrankter Tiere hoffen darf. Und der Veterinär hat bei all dem die Hände in den Hosentaschen und „macht das so wie er es für richtig hält“. „Richtig“ in den Fall wäre nur eins gewesen: die Schweinemast Krämer ein für allemal zu schließen.

schweinemast kraemer Äußerst bedenklich, wenn immer wieder erst Veröffentlichungen stattfinden und TV-Beiträge laufen müssen, damit der Veterinär die Hände mal aus den Hosentaschen nimmt und offenbar nur unter öffentlichem Zwang dafür sorgt, dass im Schweinemastbetrieb Krämer auch nur die nötigsten allgemeinen Wartungsarbeiten und der Austausch von Verschleißteilen wie z.B. der Spaltenböden stattfinden.

biogasbaustelle

Im November 2006 war es an der Zeit, Justitia die Augenbinde abzunehmen. Auch für Schweinemäster Krämer sollte ab dem 1.11. das EU-weite Verbot der Speiseresteverfütterung an Schweine gelten. Der Krämersche Speiseresteentsorgungsbetrieb musste also eine andere Möglichkeit der Müll-Entsorgung und eine alternative Schweinefütterung haben – Zeit genug für eine Umstellung hatte das seit vielen Jahren bekannte Gesetz gegeben. Einige Wochen vor dem 1.11. begann Familie Krämer mit den Vorbereitungen für den Bau einer Biogasanlage, welche zukünftig die Entsorgung der Speisereste gewährleisten soll. Doch Anfang November, einige Tage nach dem 1.11. - am Tag, wo die Biogasanlage allerspätestens ihren Betrieb hätte aufnehmen müssen - zeigte sich dem Betrachter nur eine chaotische Baumaßnahme. Ein auf der Weide liegender Edelstahltank und ein schweinerosanes monströses Güllebecken zwischen Kuhhalle und Schweinebunker: kann vielleicht einmal eine Biogasanlage werden, aber das sollte offensichtlich noch dauern.

biogasbaustelle Auch Ende November war die zukünftige Biogasanlage nichts als eine unfertige Baustelle und noch sehr weit entfernt vom Zustand der Betriebsbereitschaft. Eine Nachfrage beim Veterinäramt, welches auch für den Betrieb der Biogasanlage zur ordnungsgemäßen Beseitigung der Speiseabfälle zuständig ist, ergab Anfang November „die Anlage sei fast fertig, es fehle nur noch ein Regler – in etwa zwei Tagen sei alles fertig“. Doch hier mangelte es nicht nur an einem Regler, sondern vor allem am Wahrheitsgehalt der Aussage des Amtsveterinärs.

Amtsveterinär Dr. Pelger, auf dessen „Glaubwürdigkeit“ sich die Einstellung der Verfahren im Siegener Schweinemastprozess stützte, besaß tatsächlich die Dreistigkeit, am 30. November, unterstützt vom Landrat des Kreises, vor dem Umweltausschuss auf eine Anfrage der Grünen hin zu behaupten, die Entsorgung der Krämerschen Speisereste erfolge über eine Biogasanlage. Man habe die Anlage begutachtet und alles sei in Ordnung, ein Testlauf habe schon im Oktober stattgefunden und die Anlage sei bereits am Stromnetz. Und selbstverständlich würden an die Schweine auch keine Speisereste mehr verfüttert, sondern „Fertigfutter, welches aus dem Handel bezogen würde“. Diese unfassbaren Lügen lagen dem Umweltausschuss schriftlich als Tischvorlage vor.

schweinemast kraemer futtersuppe Zu diesem Zeitpunkt standen noch die Farbeimer in der tatsächlich zukünftigen, laut Dr. Pelger aber bereits in Betrieb befindlichen, Biogasanlage – und in den Futterrinnen der Schweine schwamm der gleiche stinkende Brei wie immer: Speisereste. Was auch sonst: im Betrieb gab es zu diesem Zeitpunkt weder Lagermöglichkeiten für den anfallenden Speisemüll, noch anderes Schweinefutter.

Ob die Justiz nun endlich den „Wahrheitsgehalt“ der Aussagen des Amtsveterinärs Dr. Pelger überprüft, zu Recht anzweifelt, ihren Job macht und Recht spricht? Oder geht die Geschichte zusätzlich noch als „Biogas-Komplott“ weiter – und die Schweinemast Krämer verfüttert auch in 20 Jahren noch verbotener Weise Speisereste an die Tiere? Mit freundlicher Unterstützung des Veterinäramtes Siegen-Wittgenstein, von der Justiz für korrekt befunden, vom Landwirtschaftsminister abgesegnet?

infostand Wir machen also weiter, halten die Augen und Ohren offen und informieren die Öffentlichkeit darüber, wie es in Deutschland in behördlich kontrollierten Schweinemastanlagen zugeht. So wie am 24.02.2007 (Bild links - Infostand in Siegen mit Filmvorführung) werden wir weiterhin die Bilder aus der Schweinemast Krämer unzensiert an die Öffentlichkeit bringen und jedem zeigen, wie Behörden in Sachen Tierschutz arbeiten.

„Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf.
Wer sie aber kennt und sie eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher.“

Galileo Galilei

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