Speiseresteverfütterung in der Schweinemast
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Aktuell

Die Folgen der Speiseresteverfütterung
in der Schweinemast

In Großküchen, Kantinen und Restaurants fallen Speisereste, so genannte „biogene Abfälle“ an, die über das in Privathaushalten anfallende Maß hinausgehen. Diese biogenen Abfälle müssen gebührenpflichtig entsorgt werden. Unter anderen ist in diesen Speiseresten auch Schweinefleisch enthalten. Verschiedene Schweinemastbetriebe unterhalten gleichzeitig ein Entsorgungsunternehmen für diese biogenen Abfälle. Sie entsorgen es, indem sie es nach entsprechender Erhitzung, an die Schweine verfüttern. Der Vorteil für die Mäster: Sie erheben Gebühren für die Entsorgung der Abfälle und sparen gleichzeitig erhebliche Futterkosten für die Schweinemast.

Problem Tierseuchen

Das Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie schreibt dazu: "Die Verfütterung von Küchen- und Speiseabfällen ist aber auch mit einem Risiko der Übertragung schwerer Tierkrankheiten verbunden, wie z. B. Maul- und Klauenseuche oder klassische Schweinepest. Angesichts des enormen Schadens, den die jüngsten Ausbrüche dieser Seuchen verursacht haben, ist das Beharren der EU-Mitgliedstaaten auf einem sehr hohen Schutzniveau verständlich." Das Landesamt weiter: "Die Fortsetzung der Verfütterung von Küchen- und Speiseabfällen an Schweine ist nach derzeitiger Auffassung der EU-Kommission außerdem nur schwer mit dem Ziel der vollständigen Rückverfolgbarkeit von Futtermittelzutaten und mit dem Verbot der Wiederverwendung (Verfütterung) innerhalb ein- und derselben Tierart (Kannibalismus) zu vereinbaren. In der Schweinepestrichtlinie der EU wurde deshalb ein generelles Verfütterungsverbot zum 01.07.2002 vorgesehen". Dieses Verfütterungsverbot ist aber noch bis 2006 unter bestimmten Randbedingungen ausgesetzt. Danach wird für eine Übergangszeit für Altanlagen von 4 Jahren (bis Nov. 2006) die weitere ‚Verwendung bestimmter Arten von Küchen- und Spezialabfällen in Futtermitteln unter streng kontrollierten Bedingungen zugelassen’.

Problem Tierschutz

Die Folgen der Speiseresteverfütterung sind in Punkto Tierschutz aber viel eklatanter als das Tierseuchenproblem:

Rutschige Böden: Das Flüssigfutter mit Speiseresten hat einen etwa doppelt so hohen Fettgehalt wie herkömmliches Futter. Oberflächlich gesehen kein Problem, da überschüssiges Fett ausgeschieden wird. Durch den fettigen Kot sind aber Stallböden erheblich rutschiger als bei herkömmlich gefütterten Schweinen. Dazu kommt, dass das Futter salzhaltiger ist als herkömmliches. Dadurch wird (entweder durch die Futtersuppe oder externes Trinkwasser) mehr Flüssigkeit aufgenommen. Dies führt zu mehr Urin und weicherem Kot; wieder ein Faktor für rutschige Böden. Rutschige Böden sind im Schweinestall ein erhebliches Problem, da die Tiere kaum festen Stand haben und die Gelenke erheblich belastet werden. Dies hat oftmals entzündliche Gelenkkrankheiten zur Folge.

Stallklima/Feuchtigkeit: Durch die erhöhte Feuchtigkeitsausscheidung ist das gesamte Stallklima feuchter als bei herkömmlicher Fütterung. Feuchtes Stallklima bereitet den Nährboden zur Verbreitung von Krankheiten. Die Tiere liegen zudem unweigerlich auf feuchtem Boden, was die Heilung äußerlicher Verletzungen behindert.

PH-Wert: Der PH-Wert des Futters und damit auch des Kots von mit Speiseresten gefütterten Schweinen liegt im säuerlichen Bereich. Dadurch werden Betonspaltenböden stark belastet. Bereits nach kurzer Zeit sind die Böden angegriffen und die Spalten werden breit und ausgetreten. Ausgetretene, breite Spalten sind für die Tiere eine Qual: Sie knicken auf dem unebenen Boden um, bleiben in Spalten stecken. Die Gelenke werden zusätzlich belastet; scharfe Kanten führen zu äußeren Verletzungen. Die Verletzungen heilen wie oben bereits angesprochenem kaum; so entstehen die typischen großen eitrigen Abszesse. Das Liegen im sauren Kot ätzt zusätzlich in den offenen Wunden.

Reizgase: Der Ammoniakgehalt in der Luft übersteigt in den meisten Anlagen erträgliche Werte. Auch die veraltete Schweinehaltungsverordnung, die immer noch gern als Richtlinie für die Schweinehaltung herangenommen wird, schreibt einen Maximalwert für Ammoniak in der Stallluft von 20ppm vor. Auch dieser von Menschen vorgegebene Wert ist für die Tiere eine absolute Qual. Die Schweine leben in den Reizgasen aus ihren eigenen Exkrementen, denn durch die Betonspaltenböden werden die Ausscheidungen der Schweine in die direkt darunter liegenden Güllebecken gedrückt. Die Belüftung ist in den meisten Hallen unzureichend. Die sensiblen Tiere, deren Geruchssinn vergleichbar mit dem von Hunden ist, sind trotz Belüftung dem Gestank und giftigen Gasen aus der Gülle ausgesetzt. Die permanente Reizung der Augenschleimhäute kann schnell zu einer chronischen Augenentzündung bei den Schweinen führen. Noch schlimmer für die Tiere ist der konstante Husten auf Grund der Reizgase wie Schwefelwasserstoff, Kohlendioxid und vor Allem Ammoniak. Ammoniak ist leichter als Luft und steigt dadurch aus dem anfallenden Flüssigmist (Gülle) unterhalb des Spaltenbodens in den Tierbereich auf. Die Ammoniakfreisetzung ist dabei unter Anderem abhängig vom PH-Wert der Gülle. Da diese im konkreten Fall durch die Fütterung der Schweine mit Speiseresten besonders sauer ist, ist automatisch auch der Ammoniakgehalt der Luft besonders hoch.

Kannibalismus/Verwesung: Mit Speiseresten gefütterte Schweine sind fett, ihr Gewebe ist schlaff. Tote Schweine, die von Speiseresten ernährt wurden, scheinen deutlich schneller als Schweine, die herkömmlich gefüttert wurden, zu verwesen. Die Leichen nehmen rasch einen „gammeligen“ Geruch an. Schweine, die durch die Speiseresteverfütterung das Essen von Schweineaas aufgezwungen bekommen, sind das Essen von toten Schweinen gewohnt. Liegen Kadaver auch nur kurz zwischen den Lebenden, fangen die Tiere schnell an, an den toten Artgenossen herumzukauen: Sie fressen sie teilweise regelrecht auf.

Das Verfüttern von Speiseresten ist daher aus Tierschutzgründen abzulehnen.

HINWEIS (2012): Seit einigen Jahren ist das Verbot durchgesetzt - uns sind keine Betriebe mehr bekannt, welche Speisereste verfüttern.