Mega-Schweinefabriken in Ostdeutschland
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Die Mega-Schweinefabriken in Ostdeutschland

sandbeiendorf Dezember 2006, ARD-Brisant berichtet über die Mega-Schweinefabriken in Ostdeutschland und strahlt unser Bildmaterial aus den Ställen aus.

Ein hoher, stabiler Zaun, oben auf zusätzlich mit Stacheldraht verbrämt. Dahinter viele Hallen, mal mehr mal weniger gepflegt. Nur wenige kennen das Geheimnis dieser Industriegebäude, von denen meist nur ein leises Säuseln der Lüftungssysteme zu hören ist.Es riecht unangenehm streng: Ein Mischung aus Sickergrube und Biomülltonne liegt in der Luft. Fabriken nicht für Kunststoffprodukte, keine Metallverarbeitung, keine Lagerhallen: Es sind Fabriken mit Tieren. Kühe, Hühner, Schweine, jeder der potentiell gegessen werden kann wird in solchen Tierfabriken zur Produktionseinheit reduziert. Einzelne Individuen zählen nichts, das „Tiermaterial“ wird verbraucht, verarbeitet, zerteilt und verkauft.

Megamast

Man kennt die großen Tierfabriken vor allem aus Niedersachsen, dem nördlichen NRW und Bayern. Größenordnungen von jeweils einigen tausend Tieren sind dort schon lange keine Seltenheit mehr. In Ostdeutschland hat man sich seit einigen Jahren jeglicher Begrenzungen entledigt und nahm Tierfabriken unglaublichen Ausmaßes in Betrieb. Eine der größten derzeit bestehenden Schweinefabriken vereint 65.000 Tiere unter einem Dach. Sie steht in Sandbeiendorf und wird von dem holländischen Investor Harry van Gennip betrieben. Bei der Anlage handelt es sich um ein ehemaliges Kombinat industrieller Mast (KIM) aus DDR-Zeiten, wo man Ende der 60er Jahre begann die Industrialisierung der Tierhaltung zentral umzusetzen und dabei unfassbar große Anlagen aus dem Boden stampfte. Diese Mega-Tierfabriken wurden und werden von Großinvestoren wieder in Betrieb genommen oder ähnlich große Projekte auf brachliegendem Land in Ostdeutschland neu errichtet. Die neuen Bundesländer werden dadurch immer mehr weiter Spielball der Agroindustrie.

grenze Oftmals sind die Investoren Schweinemäster und -züchter aus Holland, die sich in den neuen Bundesländern gerne ansiedeln. In Holland fuhr man Ende der 90er Jahre den Schweinebestand um mehr als ein Drittel zurück und fror ihn 2001 bei 11 Millionen Tieren ein. Grund: Die Böden in Holland haben die Gülle der vielen Schweine nicht mehr aufnehmen können. In Ostdeutschland ist alles anders: Hier locken Subventionen aus dem Solidarpakt II. 35 Prozent der gesamten Investitionskosten werden übernommen. Für die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen: bis 35 Prozent. Für Mitarbeiterschulungen: 50 Prozent. Und für Forschungsprojekte: bis 65 Prozent. Mit ein paar Tricks bekommt man auch die begehrte 50% Förderung für die Investitionskosten. Und wenn man Schweine aus der EU heraus exportiert, gibt’s obendrauf noch die EU-Förderung pro Tier.

Haßleben 85.000 Schweine, Allstedt 55.000 Schweine, Mahlwinkel 87.000 Schweine, Gerbisbach 28.000 Schweine, Alkersleben 22.000 Schweine, Klein Wanzleben 20.000 Schweine, in Alt-Tellin soll die größte Schweinezucht Europas entstehen in der jährlich 250.000 Ferkel erzeugt werden sollen - das ist die derzeitige Spitze des Eisberges der Planverfahren. Verschiedene Bürgerinitiativen wehren sich gegen diese Entwicklungen und arbeiten daran, dass die Genehmigungen nicht erteilt werden. Animal Rights Watch will helfen, diese Anlagen zu verhindern und haben im Rahmen einer Veranstaltung in Querfurt den Bürgerinitiativen „Kontra Industrieschwein Hassleben“ und „Initiative Ziegelrodaer Forst“ Filmaufnahmen übergeben die zeigen, was im Inneren solcher Mega-Tierfabriken stattfindet.

kastenstand

kastenstand Über Monate dokumentierte "Objektiv - das Rechercheteam" in Ostdeutschland das Innere der gigantischen Schweinefabriken. Die Aufnahmen zeigen den grausamen Alltag, das Schicksal der einzelnen Tiere in den High-Tech Tierfabriken der Großinvestoren. Nichts gegen das man gerichtlich klagen könnte - es wird der gesetzlich legitimierte Irrsinn der Tierindustrie dokumentiert: Ein Leben im engen Kastenstand - kein Umdrehen möglich, Monotonie ein Leben lang, schwere Verhaltensstörungen sind die natürliche Folge. Tiere als Gebärmaschinen eingebaut in Stahlgestelle, Mastschweine auf Spaltenböden über ihrem eigenen Kot lebend - sie alle sehen nur ein einziges Mal das Tageslicht, nämlich auf dem Weg nach ihrem kurzen qualvollen Leben zum Schlachter. Die Verbrechen an diesen Tieren sind schlichtweg unerträglich. Die Verbreitung der Bilder soll dabei helfen, der Öffentlichkeit und den Entscheidern klar zu machen, um was es hier geht: Unmoralische Gigantomanie auf Kosten wehrloser Lebewesen.

ARD Brisant Am Rande einer Veranstaltung gegen die Schweinefabrik im Ziegelrodaer Forst zeigte Jürgen Foß von Animal Rights Watch dem engagierten Schauspieler Thomas Rühmann, einem Vertreter der Bürgerinitiative „Kontra Industrieschwein Haßleben“ und einem Team von ARD-Brisant eine solche bereits in Betrieb genommene Schweinefabrik vor Ort, um einen Eindruck von der Dimension und der angsterfüllten Stimmung zu vermitteln.

Bühne in Querfurt Am Abend führte Thomas Rühmann, gemeinsam mit der Charakter-Darstellerin Ursula Karusseit, Schauspieler Jens-Uwe Bogadtke und Bühnenmusiker Tobias Morgenstern in der ausverlauften Querfurter Schützenhalle das Theaterstück „Mitten in Amerika“ von Annie Proulx auf. Das Stück handelt vom ersten Stacheldraht und Schweinfabriken in Texas, in dem der von Schweinemast-Investoren entsandte Makler „Bob Dollar“ zu guter letzt die Fronten wechselt und selbst gegen die Tierfabriken ankämpft. Im Foyer liefen während der Pausen die Bilder aus dem Inneren der Mega-Schweinefabriken in Ostdeutschland.

schweinemast Das ARD-Magazin Brisant berichtet über die gemeinsamen Anstrengungen von Animal Rights Watch, Bürgerinitiativen und Prominenten gegen die Mega-Tierfabriken. Neben Bildern der Abendveranstaltung und Interviews werden die Filmaufnahmen aus den Anlagen gezeigt. Helfen auch Sie: Das Effektivste, was Sie gegen Tierfabriken tun können, ist keine Tiere zu essen (mehr Infos unter vheft.de). Werden Sie zusätzlich selbst aktiv, und unterstützen Sie unsere Arbeit (Hilfe).

Sendetermin: 12.12.2006, 17:15 Uhr, ARD. Wiederholungen in verschiedenen Dritten.

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