Totschlagen kleiner Ferkel ist Standard
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Totschlagen kleiner Ferkel ist Standard:

Umfangreiche Filmrecherche beweist grausamen Alltag in der deutschen Schweinezucht

Totschlagen kleiner Ferkel 12.07.2014: Ferkel, die im Vorbeigehen an den Hinterbeinen von ihren Müttern weggerissen und auf die Boxenwände oder den Betonboden geschlagen werden, bis sie tot sind. Noch lebende Ferkel, die achtlos in Kadavereimer geworfen und durch den Raum geschleudert werden. Bereits im Dezember 2013 waren diese erschreckenden Bilder bei Report Mainz zu sehen. Das Material stammte aus drei Zuchtbetrieben in drei Bundesländern. Nun veröffentlicht Animal Rights Watch (ARIWA) aktuelles und umfassenderes Undercovermaterial aus zehn weiteren deutschen Schweinezuchtbetrieben in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Darunter einige der größten Anlagen Europas, die den Marktstandard definieren.

Die neuen Aufnahmen belegen: Dies ist eindeutig gängige Praxis in Deutschland. Reihenweise zeigen die mittels versteckter Kamera gedrehten Bilder den äußerst brutalen Umgang mit Ferkeln und Sauen in deutschen Zuchtfabriken. Darüber hinaus dokumentieren nächtliche Aufnahmen zahlreiche Verstöße gegen die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und lassen das unvorstellbare millionenfache Leid der Sauen im Kastenstand erahnen. Die ARD-Sendung „Exclusiv im Ersten“ berichtet am 14. Juli 21:35 Uhr.

Sau mit Ferkeln Aus insgesamt zehn Betrieben liegt ARIWA Videomaterial, das 2012 bis 2014 mittels versteckter Kamera gedreht wurde, vor. Einschließlich des im Dezember 2013 veröffentlichten Materials wurde davon in acht Betrieben das systematische Ferkeltotschlagen dokumentiert. Dass in zwei der zehn Anlagen kein Ferkeltotschlagen zu sehen war, bedeutet nicht einmal, dass dies dort nicht stattfindet, weil die fest installierten Kameras nur einen beschränkten Bereich und eine kurze Zeit aufnehmen können.

Sau mit Ferkeln Aufgrund der Fülle des Materials kann hierbei nicht mehr behauptet werden, dass es sich um Einzelfälle handelt. Es bestätigt sich der Verdacht, dass die Tötung von kleinen, schwachen und damit "unrentablen" Ferkeln in den meisten Schweinezuchten Deutschlands systematisch und tagtäglich erfolgt. Eine ausreichende Untersuchung, ob die Ferkel noch überlebensfähig gewesen wären, erfolgt vorher nicht. In Sekundenbruchteilen wird diese Entscheidung über Leben und Tod getroffen. Die Zucht auf immer höhere Ferkelzahlen ist der Grund, dass vermehrt auch kleine und schwache Ferkel geboren werden, die deshalb aber noch lange nicht pauschal lebensunfähig sind.

Ferkel Die zeit- und damit kostenintensivere Betreuung dieser Ferkel wäre für die Betriebe aber nicht rentabel. Das ist Grund genug, sie totzuschlagen. Der routinierte Ablauf zeigt, dass dieses Vorgehen standardmäßig in den Betrieben erfolgt, was der jeweiligen Geschäftsführung natürlich bekannt ist. Animal Rights Watch schätzt, dass jährlich in deutschen Zuchtbetrieben Millionen von Ferkeln aus rein ökonomischen Gründen erschlagen werden, obwohl sie überlebensfähig wären.

Säugende Sauen Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium reagierte bereits auf die grausamen Bilder vom Dezember 2013 und verbot noch einmal explizit per Erlass Anfang Juli 2014 die Tötung „unrentabler“ Ferkel sowie die gängigen Tötungsmethoden „nicht überlebensfähiger“ Ferkel. Nordrhein-Westfalen schloss sich sofort an. Es ist lobenswert, dass das noch einmal klargestellt wurde, aber diese Verbote ergeben sich ohnehin schon lange aus bestehenden Gesetzen und Verordnungen – bundesweit! Eine effektive Überprüfung durch die Veterinärämter durch Vor-Ort-Kontrollen wird aller Voraussicht nach auch in Zukunft praktisch nicht möglich sein.

Ferkel Die Qualen der Tiere in der Schweinzucht geht weit über die Ferkeltötungen hinaus: Die legale Praxis der Fixierung von Zuchtsauen in sogenannten Kastenständen und Abferkelgittern bedeutet unermessliches Leid für die Tiere. Kastenstände sind körpergroße Käfige, in denen die Sauen gerade mal genug Bewegungsspielraum haben, um sich mit angezogenen Beinen hinzulegen. Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) schreibt zwar vor, dass die Sauen ihre Beine ausstrecken können müssen, in der Praxis werden aber 60 bis 70 Zentimeter breite Käfige als legal durch gewunken, und diese ermöglichen bei Belegung der Nachbarkäfige mitnichten das Ausstrecken der Gelenke. enger Kastenstand Jede und jeder von uns kann mal nachts probieren, nur mit angezogenen Armen und Beinen zu schlafen – die ganze Nacht, den ganzen nächsten Tag, die ganze restliche Woche, den ganzen Monat. Ohne nennenswerte weitere Bewegung zwischendurch. Dies ausgewachsenen Schweinen anzutun, ist in unserer Gesellschaft nicht nur legal, sondern die unangefochtene Praxis bei der Erzeugung von fast 100 Prozent des deutschen Schweinefleischs.

„Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Bilder wie diese der Vergangenheit angehören. Lassen wir Produkte tierischen Ursprungs in Zukunft einfach im Regal stehen und ernähren uns lecker vegan. Nehmen wir wieder ernst, dass wir in einer Demokratie leben, und sorgen wir zusammen dafür, dass dieses sinnlose Leiden ein Ende findet.“

Trog Laut TierSchNutztV ist diese Fixierung der Sauen immer wieder neu für etwa einen Monat am Stück erlaubt, insgesamt fast die Hälfte ihres Lebens. Die Tiere werden ausschließlich deshalb im Kastenstand fixiert, um Rauschigkeitstests, Befruchtung und Trächtigkeitsuntersuchungen möglichst einfach und damit kosteneffizient durchführen zu können. Die in Abferkelgittern eingesperrten Tiere müssen mit ansehen, wie ihren Kindern ohne Betäubung die Schwänze abgeschnitten, die Eckzähne abgeschliffen und den männlichen Ferkeln die Hoden herausgeschnitten werden. Auch dies ist ein völlig legales und vom Tierschutzgesetz legitimiertes Vorgehen.

Sau mit Ferkeln Das aktuell vorliegende Material weist zusätzlich zu dem legalen Leiden auch noch massive Verstöße gegen die TierSchNutztV in sieben der zehn Anlagen nach. Systematisch wurden trächtige Sauen mit deutlicher Fristüberschreitung im Kastenstand eingesperrt, es wurden noch kürzere und schmalere Kastenstände als ohnehin schon erlaubt sowie Kastenstände und Buchten ohne Beschäftigungsmaterial und ohne ständig vorhandenes sauberes Wasser vorgefunden. Schwein Damit bestätigt sich erneut, dass eine effektive behördliche Kontrolle von Tieranlagen nicht möglich ist, beziehungsweise dass Verstöße nicht sanktioniert werden. Aufgrund persönlichen Eingebunden seins in die ländlichen Strukturen, aufgrund der Normalität bestimmter illegaler Praktiken, und um sich vom Vorwurf der eigenen bisherigen Untätigkeit zu befreien, werden Verstöße gegen die TierSchNutztV von Veterinären oft nicht gemeldet und Anzeigen nicht ernsthaft verfolgt (über einen besonders eklatanten Fall lesen Sie hier die Details).

Die Schweinezucht ist eine tierverachtende Industrie. Davon zeugen unter anderem die völlig legale Praxis der Fixierung der Zuchtsauen in Kastenständen und das aufgedeckte systematische Totprügeln von Ferkeln. Wieder bestätigt sich: Das Leben einzelner Individuen ist zwangsläufig nichts wert, wo es in einer Marktwirtschaft letztlich lediglich um die wirtschaftlichen Interessen einer ganzen Branche geht.

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