Außer Kontrolle: Circus Universal Renz
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Außer Kontrolle: Circus Universal Renz

Bär Ben von Universal Renz April 2009: Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) ruft zur Demonstration gegen den Zirkus Universal Renz am 29.04.2009 in Gütersloh auf. Der Protest richtet sich gegen die Tierhaltung des Zirkus, der wegen Unfällen mit Zirkustieren immer wieder in die Schlagzeilen gerät. Tragisches Ende nahm vergangene Woche der Ausbruch der Zirkusbären in Kassel: nach einem Angriff auf einen Polizisten wurde Bärin „Nena“ durch Schüsse aus dessen Dienstwaffe getötet.

Animal Rights Watch erhebt nach dem Tod der Bärin „Nena“, die durch die Schüsse aus der Dienstwaffe eines Polizisten in Kassel ums Leben kam, schwere Vorwürfe gegen den Zirkus „Universal Renz“ und dessen Chef Daniel Renz. Während der Polizist versuchte, die aus dem Zirkus  ausgebrochenen Bären zu sichern, um Gefahren für die Bevölkerung abzuwehren, griff die Bärin den Beamten an, woraufhin dieser sie in Notwehr erschoss. Während der gebissene Beamte zur stationären Behandlung ins Krankenhaus kam, suchte der Nachrichtenleser vergeblich nach Worten des Bedauerns von Daniel Renz, öffentliche Stellungnahmen bedauerten lediglich den „sinnlosen Tod der doch so harmlosen Bärin“ und den Verlust, den Danny Renz, Sohn des Zirkuschefs, durch den Tod der Bärin erleiden müsse.

Bär bei Zirkus Universal Renz„Die alleinige Schuld am Tod der Bärin trifft den Circus Universal Renz“, so die Organisation Animal Rights Watch. Mitschuldig jedoch seinen die Behörden, die trotzt aller Fakten seit Jahren im Fall Renz, der nicht einmal im Besitz einer Erlaubnis nach §11 des Tierschutzgesetzes zur Zurschaustellung und „Nutzung“ der Bären im Zirkus ist und immer wieder durch Verstöße gegen die Zirkusleitlinien und das Tierschutzgesetz auffällt, trotzdem ungehindert mit ihnen von Stadt zu Stadt ziehen kann. Auch die Kasseler Ordnungsbehörde wurde erst tätig, als es zu spät war: ein Verbot der Anreise mit den Bären wurde demnach schlicht von Renz ignoriert. Doch erst nach dem Ausbruch der Zirkusbären und Nenas Tod verfügte man, die Bären nicht länger in Kassel zu dulden und  ordnete die Unterbringung im Quartier des Zirkus in Friedberg an. Laut Renz geschah dies jedoch nicht auf behördliche Anweisung, sondern „um den verbliebenen zwei Bären den Presserummel zu ersparen“. Eine schlüssige Erklärung, wie die Bären überhaupt aus dem Zirkus entkommen konnten, gab er bislang nicht.

Schon in den Vorjahren bekannt gewordenen Vorfälle in Form von Angriffen der Zirkustiere auf Zirkusmitarbeiter zeigten ein klares Bild des angeblich so harmonischen Zusammenlebens von Tieren und Dompteuren, so Tanja Günther, Vorstandsmitglied von Animal Rights Watch: „Während Zirkuschef Renz seinen von einem Krokodil abgebissenen Daumen noch pressewirksam als Berufsrisiko zu vermarkten wusste, waren die Angriffe eines Braunbären im Jahr 2007 auf den minderjährigen Zirkusjunior und im Februar 2008 eines Elefanten, der in Köln seinen Dompteur angriff, nur eine logische Konsequenz der mangelhaften Haltungs- und brutalen Trainingsmethoden der Zirkustiere.“ Braunbärin Katja, eine von drei Zirkusbären, griff den 13jährigen Sohn des Zirkuschefs an, als dieser sie „unsanft an Fell zerrte“, um ihr einen Maulkorb anzulegen. Für den Zirkusjunior endete dieser Griff ins Fell der Bärin mit massiven Bissverletzungen im Krankenhaus. Ebenfalls im Krankenhaus landete gleich zu Beginn der 2008er Tournee einer der Elefantendompteure: laut Kölner „Express“ gingen einem der drei Renz-Elefanten „die Nerven durch“. Glimpflich ging ein Zwischenfall Ende März 2008 in Wesel aus: Elefantenkuh „Maja“ brach aus dem Zirkus aus und rannte an der Rheinpromenade herum. Sie hatte sich nach Angabe einer Zirkussprecherin beim Vorbeigehen am Tigerkäfig erschreckt, ein Gitter niedergetrampelt und war geflüchtet. Selbst die Zirkushunde hat Universal Renz nicht im Griff: zwei Tage vor Bärin Nenas Ausbruch und Tod bissen zwei vom Zirkusgelände entkommene Schäferhunde den Hund einer Spaziergängerin tot; die Hundehalterin wurde dabei ebenfalls verletzt.

Elefanten bei Zirkus RenzAnimal Rights Watch warnt bereits 2007 vor der vom Zirkus Universal Renz ausgehenden Gefahr: bei Recherchen im Zirkus zeigten sich vor allem die drei Elefanten, bei denen es sich um Wildfänge handelt, als unberechenbares Risiko. „Die Elefantenkühe „Maya“, „Mausi“ und „Baby“ zeigten bei Proben extremes Droh- und Fluchtverhalten, waren nervös und verstört und auch mit hohem personellen Einsatz kaum kontrollierbar“, stellte Tanja Günther fest. Die Trainingsmethoden während der Proben seien von Gewalt beherrscht gewesen: der ständige Einsatz von Elefantenhaken und Peitschen spreche nicht für Vertrauen zwischen Zirkustieren und Dompteuren, sondern zeuge davon, dass hier mittels Gewalt die Tiere gefügig gemacht werden sollen, um zweifelhafte „Kunststücke“ in der Manege aufzuführen. Zudem sei die Haltung der Tiere, die Universal Renz selbst wahrheitswidrig als „vorbildlich und über die Leitlinien hinausgehend“ bezeichnet, katastrophal und verursache starke Verhaltensstörungen. „Den Elefanten stand bei unserem Besuch außer einem kleinen Stallzelt kein Freiraum zur Verfügung. Das nach Zirkusleitlinien vorgeschriebene Freigehege suchten wir vergebens. Alle drei Elefanten zeigten enorme Verhaltensstörungen in Form von Stereotypien, waren massiv am Weben.“

Auch den Bären im Zirkus Universal Renz geht es nicht besser: sie sind einen großen Teil ihres Lebens in einem engen Transportwagen eingepfercht und zur Beschäftigungslosigkeit verdammt, das Außengehege hat offenbar nur „Alibi-Funktion“ und würde kaum genutzt. „Wie sich die Bärinnen ohne Maulkorb während des sogenannten Trainings und in der Manege verhalten würden, hatte Bärin Katja, die genervt ins Bein des Zirkusjuniors biss, ja bereits eindeutig demonstriert“, so Tanja Günther. „Wer weiterhin an das Märchen der Sanften Dressur und die Ungefährlichkeit von Wildtieren glauben möchte, sollte niemals den Zirkus Universal Renz besuchen“, lautet das Urteil der Organisation Animal Rights Watch, die ein sofortiges behördliches Einschreiten in diesem Zirkusbetrieb sowie die Beschlagnahmung der betroffenen Tiere fordert. „Wir verlangen, dass die Behörden nun endlich handeln – im Interesse der Tiere und zum Schutz weiterer potenzieller Opfer von lebensgefährlichen Angriffen durch verhaltensgestörte, gefährliche Zirkustiere“, so die Tierrechtler abschließend.

Wer auch etwas gegen Circus Renz unternehmen möchte, kann dies durch Teilnahme an der Demonstration am 29.04.2009 ab 17.30 Uhr auf dem Gütersloher Marktplatz tun. Die Demonstration wird durch die Ortsgruppe Ostwestfalen-Lippe ausgerichtet.

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