Großdemonstrationen für die Schließung aller Schlachthäuser 2018
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Großdemonstrationen für die Schließung aller Schlachthäuser 2018

Auch 2018 gehen wieder Tausende Menschen in aller Welt gemeinsam auf die Straße, um für die Schließung aller Schlachthäuser und damit verbunden für die Verbreitung der Tierrechtsidee einzutreten. Die Demonstrationen fanden erstmals 2012 in Frankreich statt, 2017 beteiligten sich weltweit mehr als 30 Städte, für 2018 sind rund 40 Demos angekündigt. Wie ARIWA die Forderung in Deutschland auf die Straße bringt und wie die Veranstaltungen ankommen, berichten wir hier.

Dieser Artikel wird stetig um neue Berichte aus den teilnehmenden deutschen Städten ergänzt. Alle Termine für 2018 findet ihr für Deutschland auf unserer Übersichtsseite und weltweit auf der internationalen Kampagnenseite.

HANNOVER: Nichts muss sein, was immer so war

Mit einer neuen Rekordzahl an Teilnehmenden rüttelte Demoauftakt in Hannover unzählige Menschen auf. „Viele standen wie vom Schlag gerührt da, viele mit Tränen in den Augen, und haben bewegt das Flugblatt angenommen“, berichtet eine Aktivistin, die am Rande der Demo Flyer verteilte und selbst über eine Schließung-aller-Schlachthäuser-Veranstaltung im Vorjahr zu veganer Lebensweise und Tierrechtsaktivismus kam.

Damit bestätigt sie, was Organisator Manuel Wetzig in seinem Redebeitrag vermittelt: „Wir können bereits heute an die Empathie und Vernunft eines jeden appellieren. Nichts muss sein, was immer so war. Nichts ist zwangsläufig richtig, weil es immer so war. Und nichts ist eine Bereicherung, wenn es auf Kosten von Anderen entsteht.“ Er schlägt damit explizit auch eine Brücke zu Menschenrechten. In Zeiten stärker werdender antiemanzipatorischer Strömungen, sei es wichtiger denn je, Tier- und Menschenrechte als untrennbare Einheit zu denken. Für beides stehe die Demonstration ein.

Ein weiterer Fokus an diesem Tag lag auf Umweltschutz und Klimawandel. Der Demozug für die Schließung aller Schlachthäuser endete auf dem Opernplatz, wo bald darauf die Silent Climate Parade startete. Viele Aktive schlossen sich dieser zweiten Demonstration begeistert an, die eine ganz andere Form des Aktivismus verkörperte, aber ein verwandtes Ziel verfolgte. Die beiden Demos waren in Kooperation organisiert worden und setzten gemeinsam ein Zeichen, dass auch konsequenter Umweltschutz nicht ohne den Ausstieg aus der Tierhaltung denkbar ist.

MÜNSTER: Weil Tiere wichtiger sind als der Geschmack

In Münster lud bereits vor Demobeginn ein buntes Programm zum Mitmachen ein: Im Rahmen einer Vegan Demo präsentierten viele ihre persönlichen Gründe für eine vegane Lebensweise. „Weil Tiere wichtiger sind als der Geschmack“ machte klar, dass es um Prioritäten geht, ein anderes Plakat formulierte mit Blick auf das von der Nutztierhaltung mitbedingte Artensterben: „weil die Welt sonst nicht mehr so bunt aussieht“.

Im Fokus standen aber natürlich die Tiere, die für Fleisch, Eier, Milch und andere Produkte ganz unmittelbar leiden und sterben –Hühner im Besonderen. Weil sie zahlenmäßig die mit Abstand meisten Opfer der Schlachthäuser ausmachen und die Nachfrage nach Hühnerfleisch hierzulande trotz generell stagnierendem Fleischkonsum ungebrochen ist, widmete Vera Hänel von ARIWA Ruhrgebiet ihren Bedürfnissen einen eigenen Redebeitrag. Weitere Redebeiträge thematisierten die allgemeine Notwendigkeit von Tierrechten, das Leid von Kühen in der Milchindustrie oder den Appell an die eigene Bewegung, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen.

Der Demozug endete, wo er begonnen hatte: Auf dem Stubengassenplatz, wo auch aus der umliegenden Außengastronomie alle Durchsagen verfolgt werden konnten, ließ Neo C. die Demo mit satirischen Songs ausklingen. Der Künstler, der auch Aktivist beim Tierrechtstreff Münster ist, welcher die Demonstration mitveranstaltete, nahm unter anderem geläufige Argumente gegen Veganismus wie den Fleischkonsum von Löwen auf die Schippe. Damit unterstrich er auf kreative Weise, was die Vegan Demo schon aufgezeigt hatte: die guten Argumente sind die für Tierrechte.

GÖTTINGEN: The answer is animal rights

Nachdem sich Deutschland 2014 zuerst in Kassel den weltweiten Veranstaltungen für die Schließung aller Schlachthäuser anschloss, tat sich das Kasseler Orgateam 2018 erstmals mit ARIWA Göttingen zusammen und verlegte den Austragungsort. Das Ergebnis ist ein spektakulärer Demotag mit vielfältigen Aktionen. Den Start des Demozuges prägten in Kasseler Tradition die Originalaufnahmen von Tierschreien aus Schlachthöfen. Später übernahmen es die teilnehmenden Menschen, die Not der Tiere unüberhör- und -sehbar zu machen.

Sichtbar wurde die Botschaft der Demonstration vor allem durch die besonderen Aktionen, welche die verschiedenen Redebeiträge mit Plakaten oder Standbildern veranschaulichten. So wurden etwa die Bilder aus der Reihe „Augenblicke des Lebens“ von Meune Lehmann präsentiert, während Kampagnenkoordinator Simon Anhut fragte, ob es nicht des bewussten Wegsehens und der Vermeidung der Begegnung, des Augenkontaktes mit dem Tier bedarf, um es zur Ware werden zu lassen. „Wenn wir hinsehen, und sehen wer sie sind“, so sein Plädoyer, „dann ist die Frage nicht: Wie nutzen wir sie? Dann ist die Frage: Was schulden wir ihnen? Und dann ist die Antwort: Tierrechte.“ Um den weltweiten Charakter der Demonstrationen zu unterstreichen, wurden die Redebeiträge zusätzlich in englisch, französisch, spanisch und türkisch vorgetragen.

Vor McDonalds regten Fleischschalen mit „Menschenfleisch“ zum Nachdenken an und als es um Hühner ging, machte ein blutiges Standbild die Botschaft auch denjenigen verständlich, die keiner der fünf verwendeten Sprachen mächtig waren. Zu guter Letzt vermittelten auch noch Bildschirme und Virtual Reality das Grauen der Tierindustrie. Veganes Essensangebot zeigte Alternativen auf, schließlich ist auch überzeugender Geschmack eine Sprache, die jeder versteht. Die Demonstration fand am selben Tag in London, Buenos Aires, Vancouver, Los Angeles, Pisa, Helsinki, Barcelona und Tokio statt.

 

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