Exotenhandel
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Wildtiere gehören in die Wildnis, nicht ins Wohnzimmer!

Animal Rights Watch (ARIWA) für Verbot von Haltung und Handel mit exotischen Tieren!

Vor nicht langer Zeit nur im spezialisierten Großstadt-Zoogeschäft und in den wenigsten Wohnungen zu finden: Exoten. Heute boomt das Geschäft mit Reptilien, Amphibien, Vogelspinnen und exotischen Säugern. Über den Zoohandel werden mittlerweile jedoch die wenigsten dieser Tiere vertrieben.

p8270085 Fachkundige „Liebhaber“ sowie unversierte Neulinge decken sich auf den ständig in jeder größeren Stadt stattfindenden Reptilienbörsen mit Schlangen, Skorpionen, Schildkröten, Echsen, Spinnen, Chamäleons, Fröschen, Salamandern und anderen „Terrarientieren“ ein – viele Arten sind zu Spottpreisen zu erwerben. Preise, die so manche Käufer, die zwar keine Ahnung von den betreffenden Tieren haben, “so was“ aber ganz chic finden, geradezu herausfordern, sich „mal eben“ unüberlegt Schlange und Co anzuschaffen. 10 Euro für eine Schlange, fünf für einen Frosch, für 15 gibt es eine Schildkröte - und noch den guten Rat vom Händler dazu „da können Sie nix falsch machen“.

p8270038 Leben und Sterben in deutschen Wohnzimmern: der unbedarfte Neu-Terrarianer ist allzu oft mangels grundlegender Kenntnisse nicht in der Lage, sein Tier so zu halten, dass es überlebt. Die traurige Konsequenz: ein langes und stilles Sterben der Reptilien und anderen Exoten. Die Tiere, die überleben, werden oft z.B. durch ihr enormes Wachstum zur ungeahnten Last, in der Folge häufen sich die Meldungen über herrenlos aufgegriffene Riesenschlangen, die von ihren überforderten Besitzern in freier Wildbahn entsorgt wurden. Nicht nur vergleichsweise harmlose Tiere landen so in der Freiheit: von Schnappschildkröte über Kaiman und Giftschlange bis zum hochgiftigen Skorpion tummelt sich so einiges auf den Straßen – meist unentdeckt.

p8270062_b Auf den Exoten-Verkaufsveranstaltungen sollen Börsenrichtlinien den Verlauf regeln und ein Minimum an Tierschutz gewährleisten. Die Richtlinien des Bundesministeriums zur Durchführung von Tierbörsen jedoch sind nicht verbindlich und bilden somit keine von den Veterinärbehörden durchsetzbare Rechtsgrundlage. Die Reptilienbörsen finden nach den Richtlinien der Veranstalter statt – mehr oder weniger streng in die Tat umgesetzt.

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Ein Beispiel: die Richtlinien von Börsenveranstalter Rolinski verlangen Behältnisse für die Tiere, welche nur von einer Seite eingesehen werden können. Alle Tiere (bzw. deren Behälter) sollen ausgezeichnet sein mit Namen (deutsch/wissenschaftlich), Herkunft (Nachzucht/Wildfang), Alter, Geschlecht, Artenschutzstatus, Lebensweise, Fütterung, Endgröße etc. – und Namen und Anschrift des Verkäufers. Allen Tieren soll eine Rückzugsmöglichkeit zur Verfügung stehen, auf das Anbieten von Wildfängen soll „möglichst“ verzichtet werden. Behälter sollen z.B. „halbe Schlangenlänge“ groß sein und so, dass Tiere, zu deren Verhalten es gehört, sich aufzurichten, sich aufrichten können. Selbst die Stapelhöhe der Heimchen-, Schaben- und sonstiger „Futtertier“-Dosen ist wegen Einsturzgefahr beschränkt – zumindest in der Theorie.

p8270042 Auf einer dieser Börsen im August 2006 bot sich ein gänzlich von den Richtlinien abweichendes Bild. Die Unterbringung der meisten Tiere war ähnlich der eines Schnitzels in der Supermarkt-Selbstbedienungstheke und bot ebenso wenig Bewegungs- und Rückzugsmöglichkeiten. Die Unterbringung der Tiere war in den meisten Fällen auch nicht für die vergleichsweise kurze Dauer der Börse zu akzeptieren. Die vorgeschriebene Beschriftung der Tierbehälter gab in vielen Fällen lediglich eine Information her: die des Kaufpreises. Nur eine Chamäleon-Händlerin war so mutig, ihren Namen nebst Anschrift auf den Tierbehältnissen anzugeben und somit dem Käufer die Möglichkeit einer späteren Kontaktaufnahme zu ermöglichen, was Erwerbern von „Schlange, 10 Euro“ im Nachhinein schwer fallen dürfte.

p8270060 In den Endlos-Reihen der Tiere fanden sich auch Wildfänge – die Frage nach dem Warum stellt sich auch vor dem Hintergrund, dass diese Börsen angeblich vor allem dazu dienen sollen, Züchtern die Möglichkeit zu geben, ihre Nachzuchten untereinander auszutauschen (und an „interessierte Terrarianer“ weiterzugeben). Selbst einfachste Richtlinieninhalte wie „maximale Heimchendosenstapelhöhe“ konnten von verschiedenen Anbietern nicht in die Praxis umgesetzt werden, so dass zu befürchten ist, dass andere Bestimmungen wie z.B. artenschutzrechtlicher Art, ebenso lax gehandhabt werden.

p8270043 Da der Trend zu immer exotischeren Tieren abzusehen ist, und „Einsicht“ von Seiten von Händlern und Käufern kaum zu erwarten ist, müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden: angefangen von Sachkundenachweisen und behördlichen Genehmigungen zum Halten von Exoten, ein sofortiger Stopp der Einfuhr und des Handels von Wildfängen und sogenannten Farm- und Ranchtieren (angebliche „Nachzuchten“ aus den Herkunftsländern, die im Grunde nichts anderes als Wildfänge sind), ein sofortiges und generelles Verbot zumindest der Haltung von schwierigen, großwüchsigen und/oder gefährlichen Exoten bis hin zu dringend notwendigen rechtsverbindlichen Börsenregeln – welche so streng sein müssen, dass sie einem Börsenverbot gleichkommen.


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