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Pulverfass Tierindustrie

Pulverfass Tierindustrie: Die Vogelgrippe-Viren kommen aus dem Stall

Behörden zeigen sich machtlos – ökonomische Interessen werden über Tier- und Menschenschutz gestellt.

pute gesicht 18.12.2016: Seit mehr als sechs Wochen grassiert in Deutschland nach 2009 und 2014 erneut die Vogelgrippe. In zahlreichen Bundesländern wurde die Stallpflicht für Vögel angeordnet. Bereits hunderttausende, meist gesunde Tiere wurden getötet. Das zuständige Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Löffler-Institut) geht davon aus, dass Wildvögel das Virus von Asien nach Europa transportieren und hier verbreiten. Diese Theorie wird in Fachkreisen jedoch zunehmend infrage gestellt, da sie erhebliche Lücken aufweist und mit den derzeitigen Befunden nicht vereinbar ist. Die sehr viel wahrscheinlichere Ursache für die regelmäßigen Vogelgrippe-Epidemien ist die kommerzielle Tierhaltung selbst.

Das Friedrich-Löffler-Institut setzt seit 2006 blind auf die Theorie, dass Wildvögel als Krankheits-Überträger das Virus von Asien nach Europa und innerhalb Europas verbreiten. Diese Theorie wird von unabhängigen Experten jedoch als unschlüssig eingestuft. Denn sie kann weder die Verbreitungswege der Vogelgrippe erklären noch die Frage beantworten, wie die Erreger in geschlossene Ställe gelangen. Tatsächlich müssen ganz andere Mechanismen eine Rolle spielen. Das bestätigen auf Anfrage auch Fachleute aus maßgeblichen Behörden.

masthuhn Sicher ist, dass die Vogelgrippe unter Wildvögeln schon immer vorkommt. Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass die hoch-pathogenen, tödlichen Keime erst in den industriellen Vogelställen entstehen. Aus diesen Ställen, in denen 10.000e Vögel, dicht gedrängt auf engstem Raum, auf ihren eigenen Exkrementen stehen, gelangt das Virus – trotz erhöhter Hygienestandards, trotz Stallpflicht und der Massentötung ganzer Herden, trotz des Verbots der Ausbringung von Kot – wieder ins Freie, wo seiner weiteren Verbreitung durch Kot auf den Feldern sowie durch Transporte von Tieren, Futter, Einstreu und Abfall Tür und Tor geöffnet ist. Der internationale Handel mit Geflügel und Geflügelprodukten erhöht das Risiko, dass sich die Krankheitserreger global ausbreiten.

Realitätsverleugnung und Schutzlücken gefährden das Leben von Menschen und Tieren

Mit der weiteren Ausbreitung der Vogelgrippe steigt auch die Gefahr von Zoonosen, also der Krankheitsübertragung von Tieren auf Menschen. Besonders gefährdet sind zudem Wildvögel, darunter auch seltene Arten. Solange die tatsächlichen Ursachen und Übertragungswege nicht detailliert erforscht werden, einschließlich der Schlüsselrolle der industriellen Tierhaltungen, bleiben die Risiken bestehen und die Behörden reine Verwalter der Epidemie.

Selbst dann aber werden zwangsläufig Schutzlücken bestehen bleiben. Aufgrund der mehrtägigen Inkubationszeit bleibt etwa eine Infektion mit hochpathogenen Viren unentdeckt, wenn sie eine Herde erst kurz vor dem Ende der Mastperiode befällt. Die infizierten Tiere landen unerkannt im Schlachthof und in den Tiefkühltruhen, ihr Kot landet mitsamt den pathogenen Keimen auf den Feldern, von wo sich die Viren weiter durch Wildvögel verbreiten oder über das dort angebaute Futter im nächsten Stall landen. Angesichts der kurzen, nur etwa 30-tägigen Mastperiode von Hühnern und einer Inkubationszeit von zwei Tagen bleibt rechnerisch jeder fünfzehnte Fall von Vogelgrippe unentdeckt.

masthuehner-elterntiere Ebenso kann beim Befall einer Elterntierhaltung die anschließende Verbreitung durch „Eintagsküken", die zu Tierfutter verarbeitet oder direkt an andere Tiere verfüttert werden, nicht mehr effektiv verhindert werden. So gibt es Hinweise darauf, dass der Ausbruch der Vogelgrippe in Israel im Herbst dieses Jahres auf den Export deutscher „Eintagsküken" zurückzuführen sein könnte. Und selbst die direkte Übertragung auf Menschen durch rohe Eier oder Rohwurst aus Geflügelfleisch hält das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für denkbar, auch wenn es dafür bisher keine belegten Fälle gibt.

Aufgrund der Unwissenheit über die Verbreitungswege können die Behörden keine geeigneten Maßnahmen ergreifen, um das Problem zu lösen. Ihre Hauptaufgabe ist im Augenblick das Management der Epidemie. Die Tötung von gesunden oder mit niedrig pathogenen Viren infizierten Tieren stellt dabei blinden Aktionismus dar, der ausschließlich ökonomisch motiviert ist: Einfuhrverbote für deutsches Geflügel in andere Länder soll verhindert und die Konsumentinnen sollen beruhigt werden. Ein Stopp von Epidemien aus der Tierhaltung und der Schutz von Mensch und Tier können unter Beibehaltung der kommerziellen Tierhaltung schlicht nicht gewährleistet werden. Das Pulverfass Tierindustrie lässt sich nur entschärfen, indem es stillgelegt wird.

Update (16.01.2017)

Aufgrund der Vogelgrippe-Epidemie in Deutschland ist der Export von Putenküken in die Nachbarländer gestoppt. Diese verweigern die Einfuhr. Die Folge: Hunderttausende gesunde Putenküken wurden bereits in niedersächsischen Brütereien getötet, da in deutschen Ställen kein Platz für sie ist.

Update (27.01.2017)

Innerhalb weniger Tage hat sich die neue Vogelgrippe-Variante H5N5 im größten Putenmastbetrieb Schleswig-Holsteins ausgebreitet. Mittlerweile sind alle vier Haltungen des Betriebs betroffen. Knapp 34.000 Puten werden getötet.

Das wirft Fragen auf: was bringt die Stallpflicht, die seit November in Schleswig-Holstein gilt? Das alle Haltungen dieses Betriebs fast zeitgleich betroffen sind, spricht dafür, dass das Virus nicht von außen in die einzelnen Hallen eingeschleppt wurde. Wahrscheinlicher ist, dass es entweder betriebsintern durch Mitarbeiter/innen und Equipment weitergegeben wurde oder durch z.B. Futter oder Einstreu übertragen wird.

Update (15.02.2017)

Laut dem Landwirtschaftsministerium wurden seit November 2016 bis Mitte Februar 622.398 Vögel in Beständen mit nachgewiesener Vogelgrippe und weitere 154.000 Tiere vorsorglich getötet.

Diese offiziellen Zahlen klingen so, als wären die meisten getöteten Tiere krank gewesen und die „sicherheitshalber" getöteten gesunden Tiere die Minderheit. Aber auch innerhalb der befallenen Bestände war mit Sicherheit ein Großteil der Tiere (noch) nicht krank. Der Anteil gesunder Vögel, die „vorsorglich getötet" wurden, ist also deutlich höher, als hier geschätzt wird.

Auch fließen weitere Tötungen im Zusammenhang mit der Vogelgrippe nicht mit in diese Rechnung ein. In Niedersachsen wurden mehr als 500.000 gesunde Putenküken getötet, da sie wegen der Epedemie nicht ins Ausland exportiert werden konnten. Wir gehen davon aus, dass allein in Deutschland über eine Millionen Vögel seit Ausbruch der Epidemie im November 2016 getötet wurden, darunter hauptsächlich Puten.

Update (02.03.2017)

Seit dem 1. März ist es amtlich: Der Vogelgrippevirus hat alle deutschen Bundesländer erreicht. Die Epidemie breitet sich weiter aus, immer mehr Vögel fallen ihr zum Opfer. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium wurden seit Anfang November mehr als eine Million Puten, Hühner und Enten getötet. Darunter waren 803.000 Tiere in 78 Beständen mit nachgewiesener Vogelgrippe und 254.000 Tiere in elf Beständen, die vorsorglich getötet wurden.

Baden-Württemberg wählt eine kreative „Strategie" gegen die Vogelgrippe: die Stallpflicht wurde für einen Tag aufgehoben. So können die Landwirte die Eier der seit 12 Wochen im Stall eingesperrten Hühner weiter als Freilandeier und nicht als billigere Bodenhaltungseier verkaufen.

Hier finden Sie eine (sicher unvollständige) Auflistung von Presseberichten über die Tötung von Vögeln im Zusammenhang mit der Vogelgrippe-Epidemie 2016/17. Wenn wir einen Bericht übersehen haben, schicken Sie ihn uns gerne zu an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

 

Bayern

Geiselhöring (LK Straubing-Bogen, 13.02.2017): 10.000 Puten


Brandenburg

Kyritz, Ganz (LK Ostprignitz-Ruppin, 11.01.2017): 11.000 Puten

Alt Zauche (LK Dahme-Spreewald, 19.01.2017): 45.000 Puten

Neuhardenberg (LK Märkisch-Oderland, 27.01.2017): 27.000 Enten

Alt Tucheband (LK Märkisch Oderland, 07.02.2017): 22.000 Puten

 

Niedersachsen

Im Zusammenhang mit der Vogelgrippe-Epidemie in 2016/2017 wurden in den Landkreisen Oldenburg und Cloppenburg insgesamt 557.771 Putenküken getötet.

2015-puten-amputierte-schnabelspitze-02 Damme (LK Vechta, 14.12.2016) : 8.400 Puten

Barßel (LK Cloppenburg, 14.12.2016): 108.000 Puten

Dötlingen (LK Oldenburg, 24.12.2016):10.000 Puten

Stadt Vechta (LK Vechta, 25.12.2016): 2 x 10.500 Puten

Garrel/Bösel (LK Cloppenburg, 25.12.2016): 21.000 Puten

Hude (LK Oldenburg, 25.12.2016): 22.300 Puten

Hude (LK Oldenburg, 30.12.2016): 13.500 Puten

Garrel (LK Cloppenburg, 31.12.2016): 8.200 Puter

2015-puten-amputierte-schnabelspitze-01 Wardenburg (LK Oldenburg, 31.12.2016): 18.800 Puten

Garrel/Bösel (LK Cloppenburg, 31.12.2016): 14.000 Puten

Garrel (LK Cloppenburg, 03.01.2017):14.000 Puten

(LK Oldenburg, 03.01.2017): 3.100 Puter

Hude (LK Oldenburg, 07.01.2017): 7.300 Puten + 13.800 Puten in 2tem Betrieb

Eydelstedt (LK Diepholz, 17.01.2017): 10.000 Enten

Gersten (LK Emsland, 24.01.2017): 3.000 Gänse

Frisoythe (LK Cloppenburg, 07.02.2017): 9.500 Puten

Frisoythe (LK Cloppenburg, 27.02.2017): 13.000 Putenhennen und 18.000 Putenküken

 

Nordrhein-Westfalen

Bis zum 15. Januar 2017 wurden in NRW vorsorglich oder nach Funden des H5N8-Virus über 100.000 Tiere getötet, darunter Legehennen, Puten, Küken und Enten.

Anröchte (LK Soest, 18.12.2016): 21.000 Puten

Rietberg-Westerwiehe (LK Güthersloh, 23.12.2016):2.800 Legegänse

Rees (LK Kleve, 26.12.2016): 16.000 Puten

Haldern und Mehrhoog (LK Kleve, 13.01.2017): 21.000 Puten

Delbrück (LK Paderborn, 15.02.2017): 200.000 Junghennen

 

Mecklenburg-Vorpommern

Tribsees (LK Vorpommern-Rügen, 27.01.2017): 40.000 Puten

Schwanheide (LK Ludwigslust-Parchim, 31.01.2017): 106.000 Hennen


Sachsen-Anhalt

Möser (LK Jerichower Land, 16.12.2016): 9.500 Enten

Brumby (LK Salzlandkreis, 05.01.2017): 33.000 Legehennen


Sachsen

Rackwitz (LK Nordsachsen 31.01.2017): 6.500 Puten

 

Schleswig-Holstein

Grumby (LK Schleswig-Flensburg, 09.11.2016): 30.000 Hühner

Süderau und Grevenkop (LK Steinburg, 26.01.2017): 34.000 Puten

 

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