Missbrauch von Kindermobbing für Lobbyarbeit
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Missbrauch von Kindermobbing für Lobbyarbeit

Agrarverbände missbrauchen Mobbing von Kindern für Lobbyarbeit

kindtraurig In der Presse werden vermehrt Bauernkinder als Mobbing-Opfer dargestellt. Verantwortlich machen Bauernvertreter dafür hauptsächlich Tierschutzverbände, die Videos aus Tierfabriken veröffentlichen, sowie angebliche Falschdarstellungen in Lehrbüchern. Tatsächlich gibt es für das Mobbing von Bauernkindern jedoch keine belastbaren Zahlen und kaum belegbare Beispiele. Die wenigen bekannten Zahlenangaben unterscheiden sich nicht signifikant von der allgemeinen Mobbing-Statistik an Schulen. Wenn Kinder gemobbt werden, ist das in jedem einzelnen Fall schlimm, und die Ursachen dafür müssen analysiert und bekämpft werden. Anstatt aber Bauernkinder zusätzlich zu Opfern zu machen, indem sie dafür missbraucht werden, die Kritik an tierquälerischen Praktiken auszusitzen, sollten Agrarlobby und Bauernschaft daran mitarbeiten, Lösungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu finden.

Mobbing von Kindern und Jugendlichen ist ein ernstzunehmendes Problem. Seit geraumer Zeit beklagen Bauernverbände, dass vor allem Bauernkinder Opfer von Mobbing werden. Doch belastbare Zahlen dafür gibt es nicht, belegbare Beispiele ebenfalls kaum. Die einzigen Zahlen stammen aus brancheneigenen Befragungen der Eltern. So hat der Infodienst „agrarheute" 2017 in einer Umfrage unter 811 Landwirt/innen ermittelt, dass 17 Prozent der befragten Eltern über Mobbing gegen ihre Kinder klagen. Ob der Beruf der Eltern der Mobbing-Grund war oder andere Ursachen vorlagen, blieb offen. In einer Umfrage des Landfrauenverbands Württemberg-Hohenzollern Ende 2017 beklagen 27 Prozent der knapp 150 teilnehmenden Eltern das Mobbing ihrer Kinder.

Diese Zahlen entsprechen recht genau dem Prozentsatz von Schulmobbing insgesamt. Laut einer Sonderauswertung der PISA-Studie 2015, für die 10.000 Schulkinder in Deutschland befragt wurden, wird hierzulande fast jede/r sechste 15-Jährige (15,7 Prozent) regelmäßig Opfer von Mobbing an der Schule. Eine Studie der Leuphana Universität mit fast 2.000 teilnehmenden Schüler/innen kommt zu dem Ergebnis, dass fast ein Drittel aller Schüler/innen Mobbingopfer werden.

Slider-Schweine-genügend-Platz-1000x500 Auffallend ist auch, wie die Agrarlobby ein emotional besetztes Thema wie Mobbing als Einfallstor für Propaganda benutzt, um vermehrte Einflussnahme auf Unterrichtsinhalte einzufordern. So beklagen Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied und NRW-Agrarministerin Christina Schulze Föcking, vormals selbst Schweinemästerin, angebliche Falschdarstellungen der Tierhaltung in Schulbüchern. Dabei wird von der Agrarseite gerne verschwiegen, in welch hohem Maße sie selbst Einfluss auf Schulinhalte nimmt. Der vom Bauernverband getragene Verein i.m.a. zum Beispiel gibt selber Materialien heraus, in denen die Tierhaltung eindeutig beschönigend und teilweise schlicht falsch dargestellt wird. Beispiele dafür sind etwa Aussagen, Schweine in Mastanlagen hätten „in den großen Buchten genug Platz" und Muttersauen würden nach der Besamung in Gruppen gehalten. (Richtig ist: Die Sauen verbringen die folgenden vier Wochen in körperengen Kastenständen).

Unbenannt-1000x500 Es ist perfide, wie die Bauernlobby und Bauernfamilien ihre Kinder zu Opfern machen, um der anhaltenden gesellschaftlichen Debatte auszuweichen. Millionen Rinder, Schweine und Hühner leiden in der Nutztierindustrie. Die landwirtschaftliche Tiernutzung zählt bei allen großen gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit zu den Hauptursachen. Vom Regenwald- und Artensterben über die Schädigung von Wasser und Boden bis hin zum Klimawandel sind die Folgen bereits jetzt zu spüren.

Einen gesamtgesellschaftlichen Wandel hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft ohne Tierleid schaffen wir nur gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern. Landwirt/innen können ihr Geld mit der Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen pflanzlichen Lebensmitteln verdienen. Die Politik kann Tierhaltungssubventionen stoppen und den bio-veganen Landbau fördern. Und wir alle können uns lecker und gesund rein pflanzlich ernähren. So können wir gemeinsam an der nötigen Entwicklung arbeiten und dabei dem verständlichen Wunsch der Bäuerinnen und Bauern nachkommen, die Anerkennung zu bekommen, die sie für unser aller Ernährung eigentlich verdienen.