bio-vegane SoLaWi PlantAge
Animal Rights Watch auf Facebook Animal Rights Watch auf Instagram Animal Rights Watch auf Twitter Animal Rights Watch auf Flickr Zum YouTube-Kanal

Aktuell

bio-vegane SoLaWi PlantAge

"Bei Berlin gibt es noch keine bio-vegane Landwirtschaft, deshalb nehmen wir das selbst in die Hand!"

solawi-plantage-bio-vegan-berlin-10 Gerade gründet sich bei Berlin die bio-vegane solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) PlantAge. Soweit wir von ARIWA wissen, wäre das die vierte bio-vegane SoLaWi in Deutschland. Was die Gründer/innen genau vorhaben und was bio-vegan und solidarische Landwirtschaft überhaupt heißen, das erklären sie uns im Interview.

Hallo Judith und Frederik. Vielen Dank, dass Ihr Euch Zeit nehmt, mit uns zu sprechen.

Ihr seid dabei, eine bio-vegane solidarische Landwirtschaft bei Berlin aufzubauen. Könnt Ihr kurz erklären, was das ist und was Ihr vorhabt?

Bio-vegan bedeutet biologisch, ohne Nutztiere und ohne tierische Dünger zu wirtschaften. Diese Form der Landwirtschaft ist noch wenig bekannt, aber gerade im Ökolandbau wird auch viel Mist eingesetzt. Zudem kommen noch Schlachtabfälle zum Einsatz. Als vegan lebende Menschen wollen wir dieses Wirtschaften so nicht unterstützen. Bei Berlin gibt es noch keine bio-vegane Landwirtschaft, deshalb nehmen wir diese Entwicklung selbst in die Hand, anders wäre eine regionale und saisonale bio-vegane Versorgung nicht möglich. Im März 2018 haben wir den Verein plantAge e.V. gegründet. Momentan sind wir 25 Menschen im Kernteam, die an verschiedenen Themen wie Hofgründung, Stadtgarten, Vortragsreihen und Marketing arbeiten. Ab Mai 2019 soll es das erste Gemüse in der SoLaWi geben, darauf arbeiten wir hin.

Warum wollt Ihr bio-vegan wirtschaften?

Unser Ziel ist es, in der Landwirtschaft nicht auf Nutztiere angewiesen zu sein, und so der Tierindustrie die Argumente zu entziehen, dass wir anderenfalls auf tierischen Abfall angewiesen sind. Wir wollen die Lebensmittelproduktion im gesamten Kreislauf vegan gestalten. Was heute als vegan im Supermarkt deklariert wird, ist noch lange nicht vegan angebaut worden. Außerdem entziehen wir der tiergestützten Landwirtschaft die Nachfrage. Bei dutzenden veganen Restaurants und tausenden von Veganer/innen in Berlin können wir schon was bewegen. Neben tierethischen Motiven spielen aber auch Gründe der Welternährung eine Rolle, denn wenn wir im Jahr 2050 bereits 11 Milliarden Menschen sein werden, wird für weitere Nutztiere praktisch kein Platz mehr sein. Wir wollen schon heute Lösungen für dieses aufkommende Problem aufzeigen und umsetzen.

Es wird immer wieder behauptet, eine Landwirtschaft ohne tierischen Dünger funktioniere nicht. Was sagt Ihr dazu?

solawi-plantage-bio-vegan-berlin-1

Momentan produzieren wir zu viel an tierischen Düngern. Das Bundesministerium für Landwirtschaft forciert den Aufbau einer Fleisch exportierenden Industrie. Eines der Probleme ist, dass dabei nur wenige Großbetriebe Gewinn erwirtschaften, am Ende aber kleine Bäuer/innen, die Umwelt und vor allem die Tiere dafür zahlen müssen. Die Nährstoffe in tierischen Düngern sind oft keimbelastet, wasserlöslich und gelangen so in unser Grundwasser, in Flüsse und in die Meere, wo Algenblüten und Fischsterben die Folgen sind. Der Verband der Wasserwirtschaft rechnet mit Mehrkosten von bis zu 4 Milliarden Euro jährlich für die Säuberung des Trinkwassers mittels neuer Technologien. Bei Nutztierhaltung wird viel Pflanzenenergie in den Aufbau des Organismus der Tiere gesteckt, viel Energie geht durch Wärmeabgabe verloren und befeuert über die Atmung in Form von CO2 und Methan den Klimawandel.

Und diesen Wahnsinn wollt Ihr nicht mitmachen?

Genau. Ziel ist es, gesunde Böden aufzubauen, die nicht auf eine jährliche Gülleflut angewiesen sind. Dies geht nur, indem wir mit der Zeit den Böden mehr Nährstoffe hinzufügen, als sie verlieren. So kann die Landwirtschaft zur Reduzierung des Klimawandels beitragen, statt ihn zu befeuern. Dazu müssen die Nährstoffe im Boden so gebunden werden, dass sie nicht auswaschbar sind. Organisches Material wird angebaut, entzieht der Luft Kohlen- und Stickstoff, der dann in den Boden eingearbeitet und dort gebunden wird. Eine Methode, um die Nährstoffe im Boden zu fixieren, ist für uns eine spezielle Art der Kompostdüngung. Wir nehmen die Futterpflanzen und kompostieren diese über sehr lange Zeiträume, bis daraus Humuserde entsteht, die wir dem Boden zurückgeben. Nur, wenn wir uns auf den Boden als Zentrum einer nachhaltigen Landwirtschaft fokussieren, werden wir langfristig gesunde Pflanzen anbauen können, intakte Ökosysteme fördern und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Warum gründet Ihr eine SoLaWi und macht nicht einfach einen „normalen" Hof auf?

solawi-plantage-bio-vegan-berlin-3

Ein normaler Hof hat neben der landwirtschaftlichen Tätigkeit auch immer die Aufgabe der Vermarktung. Entweder ist die Preiskonkurrenz im Handel zu hoch oder es muss viel Arbeit investiert werden, um eine Direktvermarktung aufzubauen. In der solidarischen Landwirtschaft schließen sich Verbraucher/innen und Hof zusammen, um für ein Jahr gemeinsam die Risiken und Erträge der Landwirtschaft zu teilen. Dieser Gedanke gefällt uns, da wir als Verbraucher/innen so in den Prozess des Anbaus mit einbezogen werden. Zwei Mal im Jahr wird jedes Solidar-Mitglied auf dem Hof mit anpacken, dafür gibt es aber auch die Möglichkeit, mitzubestimmen, was angebaut wird. Eine Hofgründung stand auch deshalb außer Frage, weil wir keine gelernten GemüsegärtnerInnen sind. Mittlerweile sind einige GemüsegärtnerInnen unserem Verein beigetreten, sodass wir uns mit professioneller Unterstützung auf die Suche eines Hofes machen können.

Ihr sucht eine Gärtner/in. Ist es schwer, jemanden zu finden, der_die sich auf bio-veganen Anbau einlässt oder da bereits Erfahrung hat?

Wir bekommen viele Bewerbungen, teilweise von Menschen, die schon viel Erfahrung im bio-veganen Anbau gesammelt haben. Dabei reicht die Bandbreite von ausgebildeten Gärtnermeistern mit jahrzehntelanger Erfahrung hin zu ungelernten Hilfskräften. Das Interesse an bio-veganer Landwirtschaft ist groß. Schließlich wird ja jetzt schon im Gartenbau mit Gründüngung, Mulch, langen Fruchtfolgen, Untersaaten und Zwischensaaten gearbeitet. Es gibt auch viele GemüsegärtnerInnen, die sich vegetarisch/vegan ernähren und eine nutztierhaltende Landwirtschaft nicht unterstützen möchten. Zudem kommt noch die Art der Schädlingsbekämpfung, bei der wir auf Artenvielfalt und Nützlinge setzen. Andere Betriebe zerschneiden schon mal Schnecken oder setzen Mäusefallen ein. Das wird bei uns nicht passieren.

Seid Ihr mit anderen bio-veganen Landwirt/innen und anderen SoLaWis vernetzt? Gibt es gegenseitige Unterstützung?

Wir sind eng mit dem Biozyklisch-Veganen Anbau e.V. in Kontakt, mit dem wir in Berlin regelmäßig gemeinsame Vorträge organisieren. Beim bio-veganen Landwirt Daniel Hausmann bestellen wir regelmäßig Gemüse oder arbeiten an Wochenenden schon mal mit. Die SoLaWi Wildwuchs in Hannover hat uns auch sehr bei der Vereinsgründung unterstützt. SoLaWis sind generell sehr kooperativ und unterstützen sich gegenseitig. In Berlin haben wir bereits Kontakt mit fast allen SoLaWis aufgebaut und wertvolle Unterstützung erhalten.

Was sind Eure nächsten Schritte?

solawi-plantage-bio-vegan-berlin-7

Im Mai und Juni werden wir gemeinsam mit den Prinzessinnengärten einen Stadtgarten auf dem alten St. Jakobi Friedhof an der Hermannstraße aufbauen, damit wir auch in der Stadt in die Vorzüge von gärtnerischer Tätigkeit kommen. Zentrale Aktivitäten sind natürlich auch die weitere Mitgliedergewinnung und der Aufbau der Landwirtschaft. Dazu können wir uns vorstellen, mit Betrieben zusammenzuarbeiten, die bio-vegan wirtschaften wollen. Alternativ sind wir bereits in Verhandlungen, um Ackerflächen und einen Hof zu kaufen. Wir können uns auch vorstellen, GemüsegärtnerInnen einzustellen oder GemüsegärtnerInnen dabei zu unterstützen, eine eigene Existenz aufzubauen.

Welches Feedback und Unterstützung bekommt Ihr aus der veganen Bewegung und Tierrechtsbewegung ?

Das Feedback ist durchweg positiv. Unterstützung erfahren wir von allen Seiten durch Bewerben unseres Vorhabens auf Veranstaltungen oder durch Hinweise, wo Ackerflächen zu erwerben sind. Die Mitglieder bei plantAge sind ja auch so unterschiedlich wie die vegane Bewegung selbst. So sind unsere Mitglieder fast alle in noch anderen Vereinen, Parteien und Aktionen der veganen Bewegung aktiv. So entsteht eine starke Vernetzung und gegenseitige Unterstützung.

Wie kann man Euch unterstützen?

Entweder dadurch, direkt unserem Verein beizutreten, durch die Mitarbeit in der Orgagruppe oder durch Spenden. Für nur 1 € pro Monat kann die Fördermitgliedschaft erworben werden und man landet somit automatisch auf der Warteliste für eine Solidarmitgliedschaft, durch die dann Gemüse bezogen werden kann. Wie schon gesagt, im Orga-Team freuen wir uns über jede Unterstützung! Im Plenum und durch verschiedene Arbeitsgruppen wollen wir die Entwicklung von plantAge gleichberechtigt und basisdemokratisch vorantreiben. Mögliche Arbeiten sind das Beantragen von Fördergeldern und das Unterstützen an Infoständen. Uns ist dabei ganz wichtig, dass wir uns gegen jede Form von Rassismus, Sexismus und Homophobie aussprechen.

Wo kann man Euch als nächstes kennenlernen?

solawi-plantage-bio-vegan-berlin-8

Wir planen Informationsstände auf dem Tierschutzfestival, Umweltfestival, Greenmarket und dem veganen Sommerfest in Berlin. Zudem machen wir bei Offenes Neukölln mit und veranstalten eigene Infotreffen, um die SoLaWi und unsere Gruppe ausführlich vorzustellen. Wer Interesse an der SoLaWi hat, schaut am Besten auf www.plantage.farm vorbei. Dort gibt es den Mitgliedsantrag zum Download, und auch über weitere Termine wird dort informiert. Eine weitere gute Möglichkeit ist unser Newsletter, die Eintragung kann auch über die Homepage geschehen. Wir schicken ca. einmal im Monat ein Update zum Stand der Planung und eine Übersicht über anstehende Termine raus. Auf instagram sind wir auch ganz aktiv und erfreuen viele Menschen mit tollen Bildern aus der bio-veganen Landwirtschaft.

Mehr zum Thema: