Bundeslandwirtschaftsministerium verordnet millionenfache Kaninchenquälerei
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Bundeslandwirtschaftsministerium verordnet millionenfache Kaninchenquälerei

Bundeslandwirtschaftsministerium verordnet millionenfache Kaninchenquälerei

Kaninchen hinter Lochgitter Kaninchen, die sich weder aufrichten noch herumlaufen, hoppeln, rennen oder springen können, keinerlei Rückzugsmöglichkeiten haben, Tiere mit entzündeten Augen, Verletzungen oder abgebissenen Ohren, eingepfercht in kleinste Käfige: das ist das Bild, was sich so oder ähnlich beim Blick in eine der 58 größeren gewerblichen deutschen Kaninchenzucht- und Mastanlagen und die Ställe von ca. 60.000 „erwerbsmäßigen Hobby- und Rassekaninchenzüchter“ bietet. Geschätzte 20-40 Millionen Kaninchen werden so jährlich produziert, um auf den Tellern der Verbraucher zu landen – sofern sie die Tortur überhaupt bis dahin überleben. Bislang wird die Kaninchenhaltung in Deutschland wie „rechtsfreier Raum“ behandelt, wo zu Lasten der Tiere alles möglich ist. Mit einer neuen Verordnung aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium soll nun Unrecht zu Recht werden.

Bei der 914. Sitzung des Bundesrates am 20. September 2013 will die Bundesregierung per „Tierschutz“-Verordnung nicht nur das Tierschutzgesetz, sondern auch ihr Grundgesetz außer Kraft setzen. Es steht die „Fünfte Verordnung zur Änderung der „Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung““ auf der Tagesordnung, welche die Haltungsvorgaben für erwerbsmäßig gehaltene Kaninchen erstmals verbindlich regeln soll. Derzeit gelten für die Haltung von Kaninchen grundsätzlich die allgemeinen Vorschriften des Tierschutzgesetzes sowie der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, spezifische Vorschriften für die Kaninchenzucht und -haltung zu Erwerbszwecken existieren bislang nicht.

Foto: VIER PFOTEN / farmwatch Animal Rights Watch warnte bereits vor solchen „spezifischen Vorschriften“, bevor im März 2012 der Entwurf zur Änderung der Nutztierhaltungsverordnung in Bezug auf die gewerbliche Kaninchenhaltung auf dem Tisch lag. „Schon der erste Entwurf war eine Farce, die mit „Tierschutz“ nichts gemein hat. Er legalisiert millionenfache extrem tierquälerische Kaninchenzucht und –mast in kleinsten Käfigen“, so Tanja Günther von Animal Rights Watch. „Zuchthäsinnen sollen in Gitterkäfigen von 60 mal 100 Zentimetern ihr Leben verbringen - und diesen „Platz“ mit einem Dutzend ihrer Kinder bis zum Absetzen teilen. Vorgesehene Käfigfläche pro Mastkaninchen bei Gruppen mit mehr als 10 Tieren: 700 cm² - geringfügig mehr als die Größe eines DinA4-Blattes. Da von „tiergerechtem Bewegungsverhalten“ zu sprechen, ist schlicht unverschämt.“ Die nun vorgelegten Änderungen zur Verordnung sehen noch einmal eine Verschlechterung zum 1. Entwurf vor: noch weniger „Platz“ und lange Übergangsfristen für die Umsetzung von bis zu 10 Jahren. Bis dahin sollen die Tiere also noch enger zusammengepfercht werden dürfen, obwohl es dem Tierschutzgesetz widerspricht.

Foto: VIER PFOTEN / farmwatch Animal Rights Watch fordert den Bundesrat auf, der Verordnung am 20.9.2013 nicht zuzustimmen, sondern stattdessen ab sofort die allgemeinen Vorschriften des Tierschutzgesetzes endlich auch für Kaninchen Anwendung finden zu lassen: „Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen und darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.“ Käfighaltung auf engstem Raum führt ohne Zweifel immer zu „vermeidbaren Leiden oder Schäden“ – und artgemäße Bewegung funktioniert nicht auf dem Blatt Papier. „Für uns gilt das gleichermaßen für „erwerbsmäßige“ wie auch die insgesamt über 400.000 „Hobby- und Rassekaninchenzüchter“ im Land sowie private Kaninchenhaltungen in Ställen und Käfigen, da diese Haltungen allein aufgrund der „üblichen“ räumlichen Einschränkung Leiden und Schäden verursacht und somit sofort zu unterbinden ist“, so Tanja Günther. Die neue Verordnung würde das Tierschutzgesetz außer Kraft setzen und Käfighaltung von Kaninchen erstmals legalisieren.

Auch die hessische Landestierschutzbeauftragte Dr. Madeleine Martin kritisiert den 2. Entwurf zur Kaninchenhaltungsverordnung: „Käfigsysteme mit so geringen Abmessungen und perforierten Böden wie in dem Entwurf vorgesehen sollten eigentlich der Vergangenheit angehören. Sie berücksichtigen die biologischen Eigenschaften und das natürliche Verhalten der Tiere völlig unzureichend, werden weiterhin zu Schäden und Verhaltensstörungen führen. Insbesondere das Bewegungsbedürfnis der Kaninchen wird unverhältnismäßig stark zurückgedrängt. Offensichtlich hat die Bundesregierung aus ihrem Debakel mit der Legehennenhaltung nicht gelernt“, so ihr Fazit. Der Entwurf zur Kaninchenhaltung stehe dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Legehennenhaltung vom 06.07.1999 eindeutig entgegen und werde über kurz oder lang ein Normenkontrollverfahren nach sich ziehen.

Animal Rights Watch warnt grundsätzlich vor dem Erlass „konkreter Haltungsanforderungen“ wie die der „Nutztierhaltungsverordnung“. Solche Verordnungen würden nicht einmal Minimalanforderungen erfüllen und sicherten vor allem die möglichst wirtschaftliche „Nutz“tierhaltung, jedoch nicht den Schutz der Tiere. Sei eine Verordnung einmal erlassen, bedürfe es jahrzehntelanger Bemühungen, um kleinste Verbesserungen der Lebensbedingungen der betroffenen Tiere herbei zu führen - in der Regel vollkommen aussichtslos, selbst wenn es nur um einige wenige Zentimeter mehr Platz geht. Animal Rights Watch empfiehlt Tierschützern und Tierfreunden, nicht den Erlass von Verordnungen zu verlangen oder zu unterstützen, sondern die Einhaltung des Tierschutzgesetzes zu fordern und selbst auf den Konsum tierischer Produkte zu verzichten.

Fotos: Animal Rights Watch (Bild 1), VIER PFOTEN/farmwatch (Bilder 2 und 3)

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