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Der Grundgedanke der Tierrechte (II)

Rehe von Dr. Tom Regan

10 Gründe für Tierrechte und deren Erläuterung

1. Die Philosophie der Tierrechte ist rational.

Erläuterung: Es ist nicht rational, willkürlich zu diskriminieren. Und eine Diskriminierung der nichtmenschlichen Tiere ist willkürlich. Es ist nicht richtig, schwächere Wesen, besonders solche, denen nicht die normale menschliche Intelligenz gegeben ist, als „Werkzeuge“ oder „ersetzbare Ressourcen“ oder „Modelle“ oder „Waren zu behandeln, als wären sie „Werkzeuge“, „Modelle“ u.ä., wenn ihre Psyche doch ebenso reich ist wie die der Menschen (oder gar reicher). Anders darüber zu denken wäre irrational.

„Ein Tier als ein physisch-chemisches System von enormer Komplexität zu beschreiben, ist ohne Zweifel vollkommen korrekt, nur dass dabei das „typisch tierische“ des Tieres vergessen wird.“
E.F. Schumacher

2. Die Philosophie der Tierrechte ist wissenschaftlich.

Erläuterung: Die Philosophie der Tierrechte respektiert allgemein das Beste, was unsere Wissenschaft zu bieten hat und besonders die Evolutionsbiologie. Die letztere lehrt, dass, um mit Darwin zu sprechen, der Unterschied zwischen den Menschen und vielen anderen Tieren nur ein Unterschied „des Grades und nicht der Sache“ ist. Lassen wir das Ziehen von Grenzen einmal beiseite, so wird es offensichtlich, dass die Tiere, die beispielsweise in Labors benutzt, zu Nahrungszwecken aufgezogen, zum Vergnügen gejagt oder für den Profit in Fallen gefangen werden, in phsychischer Hinsicht unsere Verwandten sind. Das ist keine Phantasie, es ist eine Tatsache, bewiesen von unseren besten Wissenschafltlern.

„Was ihre mentalen Fähigkeiten angeht, so besteht zwischen den Menschen und den höher entwickelten Säugetieren kein Fundamentaler Unterschied.“
Charles Darwin

3. Die Philosophie der Tierrechte ist frei von Vorurteilen.

Erläuterung: Rassisten sind Menschen, die glauben, dass die Mitglieder ihrer Rasse denen anderer Rassen überlegen sind, einfach weil die Ersteren zu ihrer eigenen (der „höherwertigen“) Rasse gehören. Sexisten glauben, dass die mitglieder ihres Geschlechts denen des anderen Geschlechts überlegen sind, einfach weil die Ersteren zu ihrem eigenen (dem „höherwertigen“) Geschlecht gehören. Sowohl der Rassismus als auch der Sexismus stellen Beispiele einer Selbstgerechtigkeit dar, die nicht unterstützt werden darf. Es gibt weder Geschlechter noch Rassen, die „höherwertiger“ oder „minderwertiger“ sind. Die Unterschiede zwischen den Rassen und Geschlechtern sind biologischer und nicht moralischer Art.

Dasselbe gilt für den Speziesismus – der Meinung, dass die Mitglieder der Spezies Homo Sapiens denen aller Übrigen Spezies überlegen sind, einfach weil die Menschen ihrer eigenen (der „höherwertigeren“) Spezies angehören. Denn es gibt keine „höherwertigere“ Spezies. Anders darüber zu denken hieße, ebensolche Vorurteile zu haben, wie die Rassisten oder Sexisten sie haben.

„Wenn man das Töten zum Zwecke des Fleischessens rechtfertigen kann, dann kann man auch die Bedingungen in einem Ghetto rechtfertigen. Ich kann beides nicht rechtfertigen.“
Dick Gregory

4. Die Philosophie der Tierrechte ist gerecht.

Erläuterung: Die Gerechtigkeit stellt den höchsten Grundsatz der Ethik dar. Wir dürfen nicht, um etwas Gutes zu erreichen, Ungerechtigkeiten ausüben oder zulassen; wir dürfen nicht, um Vielen zu nützen die Rechte Weniger verletzen. Die Sklaverei hat dies zugelassen. Die Kinderarbeit hat es zugelassen. Die meisten Arten der sozialen Ungerechtigkeit lassen es zu. Nicht so die Philosophie der Tierrechte, deren höchster Grundsatz die Gerechtigkeit ist: niemand hat das Recht, Nutzen zu ziehen aus der Verletzung der Rechte anderer, seien diese „anderen“ nun Menschen oder andere Tiere.

„Die Gründe für das rechtliche Vorgehen im Sinne der Kinder gelten nicht weniger im Falle dieser unglücklichen Sklaven – der (anderen) Tiere.“
John Stuart Mill

5. Die Philosophie der Tierrechte ist eine Philosophie des Mitgefühls.

Erläuterung: Ein erfülltes menschliches Leben verlangt Einfühlungsvermögen und Mitleid – in einem Wort, Mitgefühl – gegenüber den Opfern von Ungerechtigkeit, seien diese Opfer nun Menschen oder andere Tiere. Die Philosophie der Tierrechte fordert die Tugend des Mitgefühls, und die Anerkennung dieser Philosophie fördert diese Tugend. Diese Art der Philosophie ist in den Worten Lincolns „das, was einen vollkommenen Menschen ausmacht“.

„Gelebtes Mitgefühl ist vielleicht diese wundervolle Möglichkeit, unseren überfüllten, verschmutzten Planeten zu schützen...“
Victoria Moran

6. Die Philosophie der Tierrechte ist uneigenützig.

Erläuterung: Die Philosophie der Tierrechte fordert ein Engagement im Dienste der Schwachen und Verletzlichen – im Dienste derer, die, seien es nun Menschen oder andere Tiere, nicht die Möglichkeit haben, für sich selbst sprechen oder sich selbst verteidigen zu können, und die des Schutzes vor der menschlichen Gier und Gefühllosigkeit bedürfen. Diese Philosophie fordert ein solches Engagement, und sie tut dies nicht, weil es in unserem eigenen Interesse wäre, sondern weil es richtig ist. Diese Art der Philosophie fordert daher eine uneigennützige Unterstützung, und die Anerkennung dieser Philosophie fördert eine ebensolche Art der Unterstützung.

„Wir brauchen eine moralische Philosophie, in der das Konzept der Liebe, welches heutzutage von den Philosophen so selten erwähnt wird, wieder ein zentrales Thema darstellt.“
Iris Murdoch

7. Die Philosophie der Tierrechte ist etwas, das den Einzelnen erfüllt.

Erläuterung: All die großen Traditionen der Ethik, sowohl der sekularen als auch der religiösen, unterstreichen die Bedeutung der folgenden vier Dinge: Wissen, Gerechtigkeit, Mitgefühl und Selbstbestimmung. Die Philosophie der Tierrechte macht dabei keine Ausnahme. Diese Philosophie lehrt, das unsere Entscheidungen auf Wissen beruhen, dem Mitgefühl und der Gerechtigkeit Ausdruck verleihen und freiwillig getroffen werden sollten. Es ist nicht leicht, diese Tugenden zu erreichen und den menschlichen Hang zu Gier und Gleichgültigkeit zu steuern. Ein vollkommenes menschliches Leben ist jedoch ohne sie nicht möglich. Die Philosophie der Tierrechte fordert die Selbstverwirklichung für den Einzelnen, und die Anerkennung dieser Philosophie fördert eine solche Selbstverwirklichung.

„Menschlichkeit ist kein totes, von aussen erteiltes Gebot, sondern ein lebendiger Impuls, der von innen kommt; sie bedeutet nicht Selbstaufopferung, sondern Selbstverwirklichung.“
Henry Salt

8. Die Philosophie der Tierrechte ist sozial fortschrittlich.

Erläuterung: Das grösste Hindernis für das Florieren der menschlichen Gesellschaft stellt die Ausbeutung anderer Tiere durch die Hand des Menschen dar. Dies gilt für die ungesunde Ernährung, für das gewohnheitsmässige Vertrauen auf das „ganzheitliche Tiermodell“ in der Wissenschaft und für die vielen anderen Formen, die die Ausbeutung der Tiere annimmt. Und es gilt ebenso für beispielsweise die Erziehung und die Werbung, die mit dazu beitragen, die menschliche Psyche gegenüber den Forderungen der Vernunft, der Unvoreingenommenheit, des Mitgehühls und der Gerechtigkeit abzustumpfen. Auf all diese (und weitere) Arten bleiben die Nationen zutiefst rückständig, weil sie es versäumen, den wahren Interessen ihrer Bürger zu dienen.

„Die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt.“
Mahamatma Ghandi

9. Die Philosophie der Tierrechte ist eine Philosophie im Sinne der Umwelt.

Erläuterung: Die Hauptursache für die Schädigung der Umwelt, einschliesslich beispielsweise des Treibhauseffektes, der Wasserverschmutzung und des Verlustes an sowohl Ackerland als auch Mutterboden, besteht in der Ausbeutung der Tiere. Dasselbe gilt für das gesamte breite Spektrum an Umweltproblemen, vom sauren Regen und der Einleitung giftiger Abfälle in die Ozeane bis hin zur Luftverschmutzung und der Zerstörung der natürlichen Lebensräume. Für all diese Fälle gilt, das ein Handeln zum Schutz der betroffenen Tiere (die schliesslich die Ersten sind, die leiden und durch diese Umweltprobleme ihr Leben verlieren) ein Handeln zum Schutz der Erde ist.

„Solange wir nicht ein Gefühl der Verwandtschaft zwischen unserer eigenen Spezies und jenen anderen Sterblichen entwickeln, die mit uns die Schatten- und die Sonnenseiten des Lebens auf diesem gequälten Planeten teilen, gibt es keine Hoffnung für andere Spezies, keine Hoffnung für die Umwelt und keine Hoffnung für uns selbst.“
Jon Wynne-Tyson

10. Die Philosophie der Tierrechte ist friedliebend.

Erläuterung: Die Grundlegende Forderung der Philosophie der Tierrechte ist die nach einer Behandlung der Menschen und der anderen Tieren mit Achtung. Um dies umzusetzen, ist es erforderlich, dass wir niemanden einfach nur deshalb schaden, um für uns selbst oder andere einen Nutzen daraus ziehen. Diese Philosophie lehnt daher militärische Agressionen vollkommen ab. Es ist eine Philosophie des Friedens. Doch es ist auch eine Philosophie, die die Forderung nach Frieden über die Grenzen unserer eigenen Spezies hinausträgt. Denn täglich wird ein Krieg geführt, ein Krieg gegen zahllose Millionen nicht-menschlicher Tiere. Aufrichtig für den Frieden einzustehen, heisst, entschlossen den Speziesismus abzulehnen. Zu glauben, dass es „Frieden auf der Welt“ geben könnte, wenn wir es nicht schaffen, uns friedlich gegenüber den anderen Tieren zu verhalten, ist bloses Wunschdenken.

„Sollte durch irgendein Wunder in all unseren Kämpfen der Erde der nukleare Holocaust erspart bleiben, wird nur Gerechtigkeit gegenüber allen lebenden Wesen die Menschheit retten können.“
Alice Walker

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