Der Widersinn der Jagd in Zahlen
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Der Widersinn der Jagd in Zahlen

Jagd im Visier Jährlich werden etwa 5 Millionen Tiere in deutschen Wäldern von Jägern getötet. Diese Zahl ist riesig, doch was verbirgt sich im Einzelnen dahinter?

Animal Rights Watch nahm daher die sogenannten "Streckenzahlen" eines einzelnen Kreisgebietes genauer unter die Lupe. Im Kreis Siegen-Wittgenstein bewegt sich die offizielle Zahl der jährlich durch die Jägerschaft getöteten Tiere zwischen 12.000 und 13.000. Das bedeutet, dass jeden Tag 36 Tiere durch Jägerhand in Siegen-Wittgenstein sterben müssen.

Bei Betrachtung der Zahlen im einzelnen stellt man fest, dass diejenigen Tierarten, die für den Jäger in irgendeiner Form einen nutzbaren Wert darstellen, am meisten getötet werden. So steigt die Zahl des Rotwilds von 479 Tieren im Jagdjahr 1992/93 kontinuierlich auf 706 Tiere im Jagdjahr 2003/04 an. Rehe werden jährlich etwa 4.000 in Siegerländer Wäldern erschossen. Beim Schwarzwild steigt die Zahl von 986 Tieren (1992/93) auf 3.500 Tiere (2003/04). Alle diese Tiere sind für den Jäger eine besondere Beute. Zum einen werden deren Leichen gegessen oder insbesondere für diesen Zweck verkauft, zum anderen fallen begehrte Trophäen an. Die Leichen von Rotwild und Rehwild liefern den Jägern die Geweihe, die auf "hübsche" Bretter befestigt werden, um sie anschließend als Dekoration aufzuhängen. Bei den Wildschweinen werden die Zähne als Trophäe verwendet, allerdings werden sie in der Jägersprache nicht als Zähne sondern als "Gewaff" bezeichnet. Klingt ja irgendwie auch bedeutender wenn ich mir ein "Gewaff" an die Wand hänge als wenn ich sage, ich hänge mir ein Gebiss an die Wand

Am dritthäufigsten fällt der Fuchs den Jägern zum Opfer. Die Todesrate bewegt sich um etwa 2000 Tiere jährlich. Das bedeutet umgerechnet, jeden Tag werden 5 Füchse von Siegerländer Jägern umgebracht. Sie gelten unter den Jägern als Konkurrenten, da jagdbares Wild zu ihren Beutetieren zählt. Bei der Tötung von Feldhasen ist in den letzten 3 Jagdjahren ein stetiger Anstieg zu beobachten (205, 255, 369 Tiere).

erschossener Fuchs Diese Angaben erscheinen in besonderem Licht, wenn man den Artikel "Rotwildkonzept trägt erste Früchte" aus der Siegener Zeitung vom 02.04.04 heranzieht. Dort heißt es: "Meister Lampe macht sich in der Region weiterhin rar und wird eigentlich gar nicht mehr bejagt." Außerdem ist der Feldhase in der Roten Liste der gefährdeten Arten und Tiere als gefährdet eingestuft. Wie passt das mit steigenden Streckenzahlen zusammen? Pikant ist in diesem Zusammenhang ein Aufruf auf der Internetseite des Hegerings Bad Berleburg. Dort ist zu lesen: "Seit Mitte April führt der Deutsche Naturschutzring (DNR) im Internet eine Abstimmung zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes durch. ...Soll die Jagd auf Rote-Liste-Arten weiterhin erlaubt sein? ....Bekunden auch Sie bitte Ihre Solidarität mit dem bestehenden Bundesjagdgesetz und stimmen Sie mit Ja".

Wie können Jäger so etwas tun? Will jeder noch mal einen Hasen schießen, bevor diese von der Bildfläche verschwunden sind? Warum wird nicht alles für eine Bestandserholung bei den Hasen getan? Lieber jagt man den Fuchs weil er angeblich den Bestand der Hasen gefährdet. Besser wäre es Wiesen und Felder vor dem Mähen nach Jungtieren abzusuchen. Jährlich fallen so viele Tiere (Hasen, Rehkitze) den Mähmaschinen der Bauern zum Opfer. Man hat den Eindruck es geht in Deutschland nach dem Motto "schießen statt schützen" wohingegen es in anderen Ländern "schützen statt schießen" heißt. Es kann und darf nicht sein, dass gerade einmal 0,4% der Bevölkerung weiterhin in Sachen Jagdrecht das sagen haben. Helfen Sie mit, dass gefährdete Arten eine Chance zum Überleben haben!

Verwunderlich ist auch folgendes. Im Artikel "3500 Stück Schwarzwild erlegt", SZ 13.07.04 heißt es: "Die Bemühungen, durch Schwarzwild verursachte Schäden in Wald und Flur einzudämmen, sind erfolgreich...

Strecke blasen Das zeige das Streckenergebnis im Bereich des Schwarzwildes für 2003/04." Ihren Erfolg sehen die Jagdverantwortlichen in dem Rekordergebnis von 3.500 getöteten Schweinen. Gleichzeitig liest man auf der Internetseite des Hegerings Bad Berleburg: "Bachen mit großen Frischlingszahlen werden überall beobachtet. Überläuferbachen mit zehn, zwölf Frischlingen sind keine Seltenheit. Wenn sich diese Bachen zusammenrotten, ergibt das leicht Rottenstärken von 30, 40 Sauen. Sich vorzustellen, dass diese Rotten auf Wiesen und Äcker einfallen, treibt einem jetzt schon den Angstschweiß unters Hemd. Schwarzwildkenner befürchten zum Herbst hin eine Schwarzwildexplosion und raten, bereits jetzt auch kleinere Frischlinge im Feld und auf den Wiesen "zur Abschreckung" zu erlegen."

Selbst in Jägerkreisen ist aber unstrittig, dass bestimmte Bejagungsarten zu Überpopulationen führen. Durch die Jagd werden intakte Familienverbände auseinander gerissen, was zu einer vermehrten Fortpflanzung führt. Bei frei lebenden Wildtieren hängt die Populationsdichte im wesentlichen von Umweltfaktoren, wie Platz- und Futterangebot, klimatischen Verhältnissen, usw. ab. Diese Faktoren wirken sich auf innere biologische Mechanismen aus, die dann die Populationsdichte bestimmen. Diese natürlichen Mechanismen werden durch die Eingriffe der Jägerschaft außer Kraft gesetzt. Die Wildschweine sind nur noch darauf bedacht, ihre Art zu erhalten. Dies bedeutet vermehrten Nachwuchs. Ein Teufelskreis beginnt. Je mehr Wildschweine die Jäger schießen, um so mehr Nachwuchs wird produziert. Dies wiederum hat eine noch stärkere Bejagung zur Folge. Es wird Zeit, dass endlich umgedacht wird. Andere Länder machen es vor. Wo ist der Jagdpächter, der den Mut hat, der Natur freien Lauf zu lassen, um so der Überpopulation entgegen zu wirken?

Auch unsere Haustiere werden von Jägern getötet. In der Streckenstatistik tauchen sie als "wildernde Hunde" und "wildernde Katzen" auf. Die Zahl (zumindest die offizielle Zahl) der getöteten Hunde hat sich im betrachteten Kreisgebiet von 8 Tieren im Jagdjahr 1992/93 auf jeweils 1 Tier in den letzten 3 Jagdjahren eingependelt. Bei den Katzen sinkt die Zahl der getöteten Tiere von 320 im Jagdjahr 1992/93 über 114 (2001/2002), 83 (2002/03) auf 61 (2003/04). Haustiermord ist aber durch nichts gerechtfertigt. Dies belegt auch das jüngste Beispiel wo ein Jäger in Siegen-Niederschelden eine Katze in einem Wohngebiet in einer Falle gefangen und anschließend erschossen hat. Dieses Verhalten ist unverantwortlich und gebietet selbst nach dem Jagdgesetz eine Entziehung des Jagdscheins.

Jagd ist eine ökologische Katastrophe und durch nichts zu rechtfertigen. 13.000 Tiere sterben jährlich allein im Kreisgebiet Siegen-Wittgenstein einen sinnlosen und mitunter qualvollen Tod. Helfen Sie mit. Unterstützen Sie Animal Rights Watch. Werden Sie noch heute Fördermitglied, damit wir unsere Aktionen gegen die Jagd ausweiten und diesen Tieren helfen können.

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