Kunstfleisch
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Kunstfleisch

In den verschiedensten Teilen der Welt wie Australien und den Niederlanden forschen Wissenschaftler seit einigen Jahren mit Hochdruck daran, lebende Zellen eines Organismus außerhalb des Zielgewebes zu kultivieren und so im Labor wachstumsfähige Gewebe und Organe zu erzeugen. Dieser Forschungszweig heißt „Tissue Engineering“ - zu deutsch Gewebezüchtung - und ist einer der bestbezahlten Forschungszweige weltweit.

„Tissue Engineering“ wird vor Allem mit dem Ziel betrieben, eines Tages funktionsfähige Organe aus körpereigenen Stammzellen für die Transplantation zu züchten.

Die Produktion von „tissue-engineered meat“, also essbarem Fleisch aus der Gewebezüchtung, ist im Vergleich zur Produktion lebensfähiger Organe fast trivial, und die Technologien fallen quasi als Nebenprodukt der medizinischen Forschung an. Neben Fleisch von Schweinen, Rindern, Hühnern, Kängurus, Walen oder Langusten könnten auf diesem Wege auch andere tierische Produkte wie Wurst oder Eier leidfrei hergestellt werden. Rindersteak, Kalbshaxe und Schweinebauch, Hähnchen-Nuggets oder Fisch, Frikadelle, Salami, Putenwurst und Leberpastete - tierische Produkte, für die kein Tier sterben musste. Damit wäre das Ende von Legebatterien und Kälbermast, Kastenständen für Schweine, Tiertransporten und Schlachthöfen eingeläutet.

"Das Produkt hat die Struktur und den Geschmack von magerem Fleisch, ohne dass die Tiere leiden müssen oder religiöse und ethische Bedenken oder Umweltprobleme auftreten, wie das bei heutigen Fleischprodukten der Fall ist", heißt es in der Patentschrift für das von Wiete Westerhof an der Universität Amsterdam entwickelte Verfahren. In den Niederlanden wird bereits die industrielle Produktion von Kunstfleisch erforscht. Mit 2 Millionen Euro unterstützt das Wirtschaftsministerium in Den Haag ein zunächst vierjähriges Forschungsvorhaben der Universitäten in Eindhoven, Utrecht und Amsterdam. Projektpartner aus der fleischverarbeitenden Industrie schießen weitere 2,3 Millionen Euro zu. Dennoch ist die Entwicklung in diesem Bereich viel zu langsam - Deutschland beispielsweise unternimmt keinerlei Anstrengungen in diese Richtung.

Strukturierte Fleischstücke wie Nackensteak oder Rindsrouladen sind noch Zukunftsmusik - künstliches Formfleisch, das ohne weiteres zu Wurst oder Convenience-Produkten wie Fischstäbchen oder Hähnchen-Nuggets verarbeitet werden könnte, ist dagegen nahezu praxisreif. Die Politik ist gefragt diese Alternative zu fördern, statt alten Zöpfen wie der Subventionierung von tierischen Produkten nachzuhängen.


Pressebericht über das Erste Internationale In Vitro Fleisch Symposium:

Ist Laborfleisch das neue Gemüse für Unbelehrbare?

Thomas Pany 12.04.2008

Wissenschaftler gehen der Frage nach, ob die In-vitro-Produktion von essbarem Fleisch in naher Zukunft ökonomisch lohnenswert sein kann

Gestern ging in Norwegen eine weitgehend unbeachtete Tagung zuende: das Erste Internationale In Vitro Fleisch Symposium. Von Mittwoch bis Freitag debattierten internationale Forscher Fragen, die um ein großes Zukunftsthema kreisen: Kann die Herstellung von Fleisch im Labor die herkömmliche, in den allermeisten Fällen brutale Fleischproduktion irgendwann ersetzen – und wenn ja, kann sie das zu Preisen, die bezahlbar sind?

Für 1961 wird der weltweite Nachschub an Fleisch auf 71 Millionen Tonnen beziffert, die Fleischproduktion des letzten Jahres schätzt man auf 284 Millionen Tonnen. Der Pro-Kopf- Konsum hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt und bis zum Jahre 2050 soll sich der weltweite Fleischverbrauch nochmals verzweifachen. 30 Prozent der eisfreien Flächen der Erde werden laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) direkt oder indirekt für Aufzucht von Tieren, die geschlachtet werden sollen, gebraucht. Die Fleischproduktion soll für insgesamt mehr als ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sein, berichtete die New York Times Ende Januar. Eine japanische Studie, die von der Zeitung zitiert wird, schätzt, dass etwas mehr als 1 Kilo Fleisch ungefähr für die Menge an CO2-Emissionen verantwortlich ist, die ein durchschnittliches europäisches Auto auf etwa 220 Kilometern ausstößt.

Ist das von Wind-oder Sonnenenergie gespeiste Unternehmen, das Laborfleisch herstellt, eine realistische alternative Vision, die einerseits dem Mästen und Morden von Tieren ein Ende setzen könnte und zum anderen die Energiebilanz deutlich verbessert – oder doch nur Science Fiction? Wie der niederländische Wissenschaftler Edelmann mit Kollegen 2005 demonstriert, ist die In-Vitro-Herstellung von "essbarem, animalischem Muskelfleisch" möglich, der US-Biologe Jason Matheny wurde von der taz vor kurzem mit dem Satzzitiert, dass man "aus einer einzigen Zelle (..) den weltweiten Fleischbedarf für ein ganzes Jahr herstellen könne."
Ein Forschungspapier, das gestern auf dem internationalen In-Vitro-Symposium diskutiert wurde, ist nun der Machbarkeit einer groß angelegten Labor-Produktion von tierischem Muskelfleisch auf der Spur. Der Modellrechnung des norwegischen Professors Stig William Omholt zufolge wäre es nach derzeitigem Stand der Forschung wahrscheinlich möglich, Laborfleisch in größeren Mengen für 3000 bis 3500 Euro pro Tonne zu produzieren. Diesem Schätzwert stellt Omholt den Preis von nicht-subventioniertem Hühnerfleisch gegenüber, den er mit 1800 Eurp pro Tonne angibt.

Günstig genug, so Omholt, um an der notwendigen Technologie, die aus Stammzellen Muskelfleisch in großen Mengen produziert, weiterzuforschen. Allerdings muss er einräumen, dass es "die Welt erhebliche Investitionen" kosten wird, auf die In-Vitro-Produktion umzustellen. "Signifikante Kosten" für Forschung und Entwicklung hat Omholt für seine Studie völlig ignoriert, wie er selbst angibt. Er setzt in diesem Zusammenhang auf eine ziemlich idealistisch und etwas weltfremd angesetzte Kostenbeteiligung und Zusammenarbeit von Regierungen und wohltätigen Organisationen, welche die entwickelte Technologie dann "frei verfügbar" machen würden – zum Wohl aller. An dieser Stelle ignoriert Olmholt nicht nur das notwendige Finanzkapital für die Investitionen in die Technologie, sondern auch das Kapital an Haifisch-Skills, über das große Nahrungsmittelhersteller, Agrarproduzenten, Lebensmittel-und Restaurantketten in keinem geringen Ausmaß verfügen.

Was Olmert, dessen Papier ungleich genauer auf die im Einzelnen nötigen Fortschritte in der Forschung selbst eingeht, aber mitbedacht hat, sind die Kosten für PR, die hier anfallen, um die Konsumenten vom neuen Produkt zu überzeugen. Eine kurze Umfrage, die der New York-Times-Blogger Andrew C. Revkin, unter Persönlichkeiten durchgeführt hat, die für ihr Engagement für "Tierrechte" bekannt sind, zeigt, dass man möglicherweise auf einen ethisch begründeten Grund zum Wechsel bauen könnte: Wenn es für die Menschen schwieriger ist, aus ethischen Gründen auf Fleisch zu verzichten, als einen nachhaltigen Ersatz zu produzieren, dann sei er für den Ersatz, meinte beispielsweise der Ethiker Peter Singer („Die Befreiung der Tiere“).

Quelle: Heise online

 

Warten Sie nicht auf Kunstfleisch

Warten Sie nicht auf Kunstfleisch, sondern handeln Sie jetzt! Es gibt genügend Alternativen. Kunstfleisch ist lediglich eine weitere Möglichkeit noch mehr Menschen davon abzuhalten Tiere zu essen.

 

Kunstfleisch im Überblick

Gründe:

  • Befreiung der Tiere
  • Gesundheit
  • Klima- und Umweltschutz
  • Wasserreserven
  • Regenwalderhaltung
  • Lebensraumsicherung
  • Welthunger
  • ... und alle weiteren Gründe die gegen den Konsum tierischer Produkte sprechen

Wer forscht in diesem Bereich?

  • Vladimir Mironov und Thomas Boland, Medical University of South Carolina/USA
  • Mediziner Wiete Westerhof und Kollegen, Uni Amsterdam/Niederlanden
  • New Harvest, amerikanisch-niederländisches non-profit Unternehmen
  • Morris Benjaminson, Touro College New York/ USA (NASA-Projekt)
  • Zellforscher Henk Haagsman, Universität Utrecht/Niederlanden
  • Jason Matheny, Biologe an der University of Maryland/USA
  • Künstlergruppe „Tissue Culture & Art“ TC&A, Perth/Australien
  • Modern Meadow, USA

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