Ernährung und ihre Folgen
Animal Rights Watch auf Twitter Animal Rights Watch auf Facebook Zum YouTube-Kanal

Aktuell

Sag Nein zu Milch

Ernährung und ihre Folgen

Getreidefeld Das Brot für die Welt auf unserem Teller

Siegen, 16.10.2006: Am 16. Oktober ist Welternährungstag. Er wurde erstmals 1979 durchgeführt und findet seitdem jedes Jahr in verschiedenen Ländern statt. Der Welternährungstag - auch Welthungertag genannt - soll die Menschen daran erinnern, dass noch immer eine große Anzahl Menschen Hunger leiden müssen. Lesen Sie im folgenden über die globalen Zusammenhänge von Hunger, Durst und Schweineschnitzel. Die EU-Kommission will im laufenden Jahr 197 Millionen Euro für den Kampf gegen Unterernährung ausgeben. EU-Entwicklungskommissar Michel sagte in Brüssel, das UNO-Programm Nahrungsmittelhilfe für Afrika erhalte davon 105 Millionen Euro. Knapp 70 Millionen Euro seien für Nichtregierungsorganisationen vorgesehen. Michel erklärte, die EU-Mittel sollten dazu beitragen, nicht nur kurzfristige Notsituationen zu lindern, sondern langfristig die Ernährungslage zu verbessern. Ob das aber gelingen wird, ohne grundsätzlich die Ernährungsmentalität besonders in den Industrienationen zu überdenken, scheint fraglich:


Kuh auf der Weide Tiere, die geschlachtet werden, müssen zuvor essen, trinken, wachsen. Bis zum fertigen Produkt „Fleisch“ werden verschiedene Ressourcen wie Getreide, Wasser und Land verbraucht. Die Herstellung von Fleisch bedeutet einen besonders ineffektiven Einsatz dieser Ressourcen – ein geradezu verschwenderischer Umgang mit tödlichen Folgen für weite Teile der Weltbevölkerung und unabsehbaren Schäden für das gesamte Ökosystem Erde.


Lebensmittelverschwendung

Je nach Tierart werden bis zu 10 kg (1) Getreide zur Herstellung eines einzigen Kilogramms Fleisch benötigt. Andere Quellen gehen sogar von bis zu 16 Kg aus (2). Das Essen von Fleisch bedeutet daher eine globale Nahrungsverschwendung in höchstem Ausmaß.

Die Zahlen zur Ineffektivität der Nahrungsmittelverwendung variieren je nach Betrachter und Rechenschema. Genauere Rechnungen berücksichtigen beispielsweise Verluste durch Krankheit bei den Tieren (also Tod vor dem Schlachthof) oder periphere Verbraucher wie den Transport des Futters, die bei einfachen Betrachtungsweisen vernachlässigt werden. Ebenfalls Einfluss auf die Zahlen hat die Art des jeweils verwendeten Futters. Grundsätzlich unterschieden werden muss zudem zwischen den einzelnen Tierarten. Eine seriöse und eher zurückhaltende Rechnung liefert die CAST (3) in nachfolgender Graphik [entnommen (4)]:

graphik futter fleisch verhaeltnis

Die OECD gab am 4. Juli 2006 gemeinsam mit der Welternährungsorganisation FAO den „Agricultural Outlook 2006-2015“ heraus. Demnach werden die Menschen immer mehr zu Fleischessern: „Das hat für die weltweite Landwirtschaft Konsequenzen. Für die Tierzucht werden immer größere Mengen an Getreide, Ölsaaten und Eiweißpflanzen benötigt. Dabei handelt es sich nicht um eine bloße Verdrängung von pflanzlichen durch tierische Lebensmittel. Vielmehr wächst der Futterbedarf exorbitant: Für die Produktion einer Kalorie Rindfleisch sind rund zehn Kalorien Getreide nötig“ (5).

Derzeit leiden 842 Millionen Menschen an Unterernährung oder Mangel an gesunden Lebensmitteln. Jede Minute sterben weltweit elf Kinder an Hunger (6). Auf unserem Planeten leben 6,5 Milliarden Menschen, jeden Tag wächst diese Zahl um weitere 200.000.

"Die Weltlandwirtschaft könnte ohne Probleme 12 Milliarden Menschen ernähren.
Das heißt, ein Kind, das heute am Hunger stirbt, wird ermordet.“

Jean Ziegler , UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung.


Landverschwendung

Eine weitere Ressource, die zur Herstellung von Fleisch „verbraucht“ wird, ist Land. Insbesondere der enorme Bedarf an Futteranbauflächen führt zu exorbitantem Landbedarf. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) und die FAO (Food and Agriculture Organisation of the United Nations) berechneten, dass mit einem Hektar Landbedarf für Kartoffeln pro Jahr 22 Menschen ernährt werden könnten. Bei Reis wären dies 19 Menschen, aber nur zwei Menschen bei Lammfleisch und nur ein einziger Mensch bei Rindfleisch (7).

Wie sehr tierische Produkte kostbares Acker- und Anbauland verschwenden zeigt nachfolgende Graphik [entnommen (4)]:

„Durch eine Reduktion der Fleischproduktion um 10% könnte soviel Getreide
eingespart werden, wie zur Versorgung von 60 Millionen Menschen notwendig ist.“

Grafik

Jean Mayer , Harvard-Ernährungswissenschaftler


Wasserverschwendung

Mehr als zwei Milliarden Menschen sind nach Angaben der UNESCO mit Engpässen in der Wasserversorgung konfrontiert. Mehr als eine Milliarde haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Der größte Wasserverbraucher (und Verschwender) ist die Landwirtschaft – insbesondere die Landwirtschaft zur Erzeugung tierischer Produkte. Zur Erzeugung von 1 Kg Fleisch werden 3.500 bis 100.000 Liter Wasser verbraucht . Dies ist zum einen bedingt durch die Futtermengen, die einen hohen Anteil des Grundwassers/Regenwassers verschlingen. Dazu kommen Wasserverbrauch in den Haltungsbetrieben und den Schlachthäusern, die mitunter zur Schlachtung nur eines Huhns 14 Liter Wasser verbrauchen (4) .

Auf der jährlich stattfindenden ‚World Water Week’ in Stockholm im August 2004 kamen die teilnehmenden Wissenschaftler zu dem Schluss, dass unsere Wasserreserven bei den derzeitigen Ernährungsgewohnheiten in der industrialisierten Welt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ausreichen. Festgestellt wurde, dass Tiere wesentlich mehr Wasser als Getreide verbrauchen, daher spare eine vegetarische Ernährung das kostbare Gut. Mit derselben Menge Wasser können nach Meinung der Fachleute dadurch mehr Menschen ernährt werden. Die Wissenschaftler bezeichnen die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten daher als nicht nachhaltig, unsere Ernährungsstrategie solle daher geändert werden (8). Der Spiegel betitelt seinen Bericht über die ‚World Water Week’ 2006 treffend mit „Wassernot durch Steaks“ und zitiert den Wasserexperten Frank Rijsberman: „Die effektivste Methode, Wasser zu sparen, ist der Verzicht auf Fleisch“ (9).

"Es scheint jetzt offensichtlich, dass eine vegane Ernährung
die einzig ethische Antwort auf das weltweit wohl dringlichste Problem
sozialer Gerechtigkeit [der Welthunger] ist.“ (10)

The Guardian, 2002

 

Grafik

Die Berechnungen, wie viel Wasser pro Kg Fleisch verbraucht werden, schwanken. Der „New Scientist“ sprach 2002 von 50.000 Litern (11), die für ein Kg Rindfleisch verbraucht werden, David Pimental, ein Wasserspezialist der Universität Cornell, geht von 100.000 Liter Wasserverbrauch aus, wie in der Tabelle oben angegeben. Marc Reisner schreibt in seinem Buch „ Cadillac Dessert: The American West and Its Disappearing Water “, das für Rindfleisch 20- bis 80-mal mehr Wasser benötigt wird als für Getreide (12). Die „Zeit“ berichtet im August 2006, dass ein Kilo Steak im Laufe seiner Produktion rund 14.000 Liter Wasser verschlingt und zusätzlich für jedes Kilo Fleisch die Kuh 10 Kilo Soja benötigt, und für jedes Kilo Soja wiederum mehr als 1.000 Liter Wasser benötigt werden (13).


Regenwaldzerstörung

Deutschland importiert 6,8 Millionen Tonnen Soja jährlich – davon 3,3 Millionen Tonnen aus Brasilien (14). In Brasilien sind bereits 1,2 Millionen Hektar ehemaliger Regenwald-Flächen mit Soja-Feldern überzogen. Riesige Mengen Futtergetreide werden in die Industriestaaten importiert und auf den Flächen ehemaliger Regenwälder angebaut. Um diese Flächen zu erhalten werden die Regenwälder oftmals brandgerodet. Allein in Mittelamerika wurden in den letzten 40 Jahren 40% des Regenwaldes vernichtet, um dort unter anderem Futtermittel anbauen zu können, welches hauptsächlich in den Industrienationen zur Fleischherstellung verfüttert wird. Die Folgen sind die Zerstörung der „grünen Lunge“ unseres Planeten und damit verbundene Klimakatastrophen, der Tod vieler Tiere und die Ausrottung ganzer Tierarten, bis zur Vertreibung einheimischer Stämme aus ihrer Heimat und Verbrechen wie Sklaverei und Landaneignung der großen Sojaindustriellen vor Ort.


?? Trinkwasserverseuchung

Eine mittlere Schweinemästerei erzeugt soviel Exkremente wie eine 10.000 Einwohner-Stadt. Tierische Exkremente werden im Gegensatz zu menschlichen Fäkalien nicht in Kläranlagen gereinigt, sondern auf Feldern ausgebracht. Die Gülle sickert in die Böden und vergiftet unser Grundwasser u.a. mit Phosphaten und Nitraten derart, dass zeitweise Mineralwassersorten die Richtwerte für Trinkwasser nicht mehr erfüllen konnten. Rund vier Millionen Kinder weltweit sterben nach Angaben von Unicef jährlich durch Krankheiten, die auf unsauberes Wasser und mangelnde Hygiene zurückzuführen sind. Holland zahlte hunderte Millionen Euro Steuergelder an Schweinemäster, damit diese ihre Tierhaltung aufgaben, weil die Böden in Holland die Gifte in der Gülle nicht mehr aufnehmen konnten.

 

„Wollten die Menschen in Indien soviel Geflügel essen wie die Europäer,
müsste das Land das gesamte Getreide aufkaufen, das auf dem Weltmarkt
gehandelt wird – als Futtermittel“ (15)

Welthungerhilfe


Mehr zu diesem Thema:

 

Quellenangaben:

(1) Mark Gold and Jonathon Porritt, "The Global Benefits of Eating Less Meat" 2004, p.22
(2) "US Department of Agriculture Economic Research Service" veröffentlicht in Mark Gold and Jonathon Porritt, "The Global Benefits of Eating Less Meat," 2004, p. 23
(3) CAST (Council for Agricultural Science and Technology), 1999 – “Contribution of Animal Agriculture to Meeting Global Human Food Deman”
(4) Compassion in World Farming, 2004, Marc Gold „The Global Benefits of eating less meat“
(5) „Die Presse“, 05.07.06; 32 - Martin Kugler
(6) Welthungerhilfe und andere
(7) Weltbankreport 23241, November 2001: Livestock Revolution. Implications for Rural Poverty, the Environment, and Global Food Security
(8) „Der Standart“ - 14. August 2004
(9) „Der Spiegel“ - Nr. 34/21.08.2006 p.135
(10) George Monbiot, "Why Vegans Were Right All Along," Guardian Unlimited, 24 Dec. 2002, http://www.guardian.co.uk/comment/story/0,3604,864995,00.html
(11) New Scientist, 18. Mai 2002
(12) Marc Reisner, Cadillac Dessert: The American West and its Disappearing Water, Penguin Books, 1986
(13) ZEIT online, 24.08.2006, http://www.zeit.de/online/2006/35/bildergalerie-wasser?6
(14) Greenpeace “Aus Urwald wird Futter”
(15) Welthungerhilfe http://www.welthungerhilfe.de/


(Jürgen Foß, 16. Oktober 2006)