Das Leben der Masthühner
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Das Leben der Masthühner: maximal 6 Wochen bis zum Tod

bild 01 Das Leben des Masthuhns beginnt als Waise im Brutschrank. Das Ei, aus dem es zwischen Tausenden anderer in einer Brüterei schlüpfte, stammt aus einer „Elterntierhaltung“. Tausende oder Zehntausende Hennen der so genannten „Mastrassen“ leben dort zusammen mit Hähnen und produzieren ausschließlich Eier, aus denen Küken für die Hühnermast schlüpfen. Nicht im elterlichen Nest, sondern nach 21-tägiger Brutdauer im Brutschrank einer Brüterei. Unvorstellbare 613Millionen459Tausend Masthühnerküken schlüpften im Jahr 2010 in deutschen Brütereien.

Hähnchen und Hühnchen in 10Tausender-Einheiten

Nach dem Schlupf werden die Küken, bei denen es sich nicht nur um „Hähnchen“, sondern zu gleichen Teilen um weibliche und männliche Tiere handelt, sortiert, geimpft, verpackt, verladen, transportiert und in Mastanlagen „eingestallt“. Heutige „Standartmastanlagen“ werden belegt mit etwa 40.000 Tieren, selbst Anlagen mit 100.000 Masthühnern oder mehr sind keine Seltenheit mehr. 72% aller Masthühner kommen aus Anlagen mit mehr als 50.000 Tieren, 99% der deutschen Masthühner werden in Anlagen mit mindestens 10.000 Tieren gehalten.

Vollautomatische Mast auf den eigenen Exkrementen

bild 02 Über 67 Millionen Masthühner leben grade in diesem Augenblick unter uns – trotzdem sehen wir sie nicht. Sie leben in strukturlosen Megahallen, in denen es nichts gibt als Futter- und Tränkapprate. Einmalig vorm Einstallen wird eine dünne Schicht Einstreu eingebracht. Im Laufe der Mast bleibt von dieser Einstreu nichts mehr übrig: stattdessen leben die Tiere auf einer immer dicker und feuchter werdenden Schicht ihrer Ausscheidungen. Mehr als 3 Kilo Kot produziert jedes der Küken in seinem kurzen Leben. Tageslicht sehen die allerwenigsten von ihnen während ihrer Mast: sie leben in fensterlosen Hallen unter Kunstlicht, ihr Piepen wird überdröhnt von den Motoren der Lüftungsanlagen.

42 Kilo Huhn pro Quadratmeter

bild 03 Wo am Anfang die Eintagsküken noch Platz in den Hallen hatten, herrscht bald dichtes Gedränge. Sie wachsen enorm schnell in die Hallen hinein, bis sich Huhn an Huhn drängt. Die vom Gesetzgeber erlaubten Besatzdichten betragen bis zu 42 Kilogramm Hühner pro Quadratmeter Stallfläche (1). Ergibt zum Beispiel 28 anderthalb Kilo schwere „Kurzmasthühner“, die sich auf einem Quadratmeter Stallfläche drängen müssen.

Kurzmastgrillhähnchen und Langmasthühnerbrüste

bild 04 Das Leben der Küken währt nur kurz: durchschnittlich 36 Tage. Die Mastdauer ist abhängig von der späteren Verarbeitung der Tiere. Diejenigen, die für eine Vermarktung „am Stück“ vorgesehen sind, haben nach 29 Tagen in der „Kurzmast“ ihr Schlachtgewicht von 1,5 Kilogramm erreicht. Die meisten Masthühner jedoch sind für eine „Verarbeitung von Teilstücken“ vorgesehen: die „Mittellangmast“ und „Langmast“ dauert 34 bis 42 Tage. Diese Tiere erreichen ein Körpergewicht von 2 bzw. 2,5 Kilogramm. Ihr bei den Konsumenten beliebtester Körperteil: die Hühnerbrust.

Qualzucht mit überdimensionalem Brustmuskel und dicken Schenkeln

bild 05 Genau diese „Hühnerbrust“ sowie das nächst beliebte „Teilstück“, die Schenkel, verursachen den Masthühnern während ihres kurzen Lebens massive Probleme. Die Tiere wurden auf ein rasantes Wachstum und die Ausprägung einer überdimensionalen Brust gezüchtet. Die Folgen der schnellen Gewichtszunahme sind Herz-Kreislauferkrankungen und Erkrankungen des ganzen Bewegungsapparates. Der Körper des „Turbumasthuhns“ bricht nicht selten unter dem eigenen Gewicht zusammen.

Untragbare Körper und Dauerstress

bild 06 Mangelnde Knochenfestigkeit, ein viel zu hohes Körpergewicht bei zu schnellem Wachstum und eine dadurch bedingte erheblich eingeschränkte Lauffähigkeit mit Beinfehlstellungen führen oft zu schweren Bewegungseinschränkungen. Die Tiere liegen immer öfter auf der Brust, wo Hautreizungen, Entzündungen und Brustblasen entstehen können. Auch an den Gelenken zeigen sich häufig Entzündungen. Viele der Tiere können sich nur unter starken Schmerzen fortbewegen. Die hohen Besatzdichten, Dauerstress und steigende Ammoniak- und Keimbelastung in den Hallen verschlimmern die gesundheitlichen Probleme noch.

Wer nicht mehr kann, stirbt

bild 07 Viele Tiere würden die Intensivmast ohne massiven Arzneimittel- und Antibiotikaeinsatz gar nicht überleben und vorzeitig an Krankheiten und Seuchen sterben. Der flächendeckende Antibiotikaeinsatz bleibt nicht ohne Folgen und führt zur Bildung multiresistenter Erreger. Auf einen Tierarzt warten erkrankte Tiere vergebens. Sein Einsatz zur Behandlung eines Einzeltieres ist nicht vorgesehen und wäre unwirtschaftlich. Kranke Tiere werden „gemerzt“, also von den Mästern getötet, oder bleiben sich selbst überlassen. So finden sich auch komplett bewegungsunfähige Tiere mit gebrochenen und ausgekugelten Beinen in den Mastanlagen: sie sterben zwischen ihren Artgenossen. Ihre Leichen liegen oft tagelang oder bis sie zerfallen sind zwischen den lebenden Tieren – die verwesten Reste werden nach der Ausstallung mit ausgemistet.

Unvorstellbares Massensterben

bild 08 Die ungefähre Mortalitätsrate, also die Anzahl der Tiere, die schon während der Mast sterben, liegt bei etwa 5%. Umgerechnet auf die ca. 600 Millionen Masthühner, die jährlich in Deutschland geschlachtet werden (591.275.064 Tiere in 2010), ergibt dies ein unvorstellbares Massensterben von ca. 30 Millionen Masthühnern jährlich, die schon während der Mast an ihren Krankheiten sterben. Macht verbildlicht 1000 Mastanlagen, welche gefüllt sind mit den Leichen von jeweils 30.000 toten Hühnern, die unter Schmerzen an ihren zucht- und haltungsbedingten Krankheiten gestorben sind.

Rein-Raus-Verfahren

bild 09 Die „ausgemästeten“ Tiere werden von Fangtrupps oder „Erntemaschinen“ eingefangen, in Kisten verpackt und verladen. Dass dabei Flügel und Beine ausgekugelt werden und brechen, ist keine Seltenheit. Ihr Weg zum Schlachthof erfolgt unter Stress und weiterer Verletzungsgefahr. Geschlachtet wird am Fließband: kopfüber werden die Hühner an den Füßen aufgehängt durch ein Strombad gezogen, bevor ihr Kopf abgetrennt wird, ihre Körper entbluten und vollautomatisch ausgenommen und zerlegt werden. Während sie sich als „Grillhähnchen“ am Spieß drehen oder als „Hühnerbrustfilet“ in einer Supermarktkühltheke liegen, wird ihr Stall ausgemistet, desinfiziert und mit neuen Eintagsküken belegt. Nach längstens 6 Wochen endet auch deren Leben.

Geflügelgiganten auf Expansionskurs

bild 10 Der Geflügelmarkt wird beherrscht von einigen wenigen Grossunternehmen: eigene Elterntierherden, eigene Brütereien, eigene Vertragsmäster, eigene Schlachthöfe, eigene Logistik. Über 2 Milliarden Euro jährlich erwirtschaftet allein „Deutschlands Geflügelmarke Nummer 1“, die „höchste Qualität und feinsten Genuss“ verspricht. Und der Expansionskurs geht weiter: 11,4 Kilogramm Masthühnerfleisch verbrauchte der durchschnittliche Bundesbürger 2010. Weniger als der EU-Durchschnittsbürger mit 17 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Deutsche Hühner vernichten afrikanische Bauern

bild 11 Als Folge des angenommenen Wachstumspotentials für Hühnerfleisch entstehen immer mehr Mastanlagen und Schlachthöfe. Obwohl bereits jetzt eine Überproduktion stattfindet und sich außer in Asien und der Dritten Welt niemand findet, der die Hühnerteile isst, die nicht als die „beliebten Teilstücke“ auf deutschen Tellern landen. Durch Subventionspolitik verdienen die Geflügelgiganten auch daran gut. Dass dadurch Geflügelproduzenten und Kleinbauern in diesen Ländern in den wirtschaftlichen Ruin befördert werden, weil ein deutsches Masthuhn in Afrika billiger zu haben ist als ein afrikanisches, stört hierzulande kaum jemanden.

„Suppenhühner“ werden zu Biosprit

bild 12 Die Verwertung der jährlich fast 40 Millionen deutschen „ausgedienten Legehennen“ zusätzlich zu dem am Markt befindlichen Masthühnerfleisch ist kaum mehr möglich: als „Suppenhühner“ finden die ausgemergelten Tierkörper nur schlechten Absatz. In der Schweiz ist man aus diesem Grund bereits dazu übergegangen, diese Hühner zu Biokraftstoff zu verarbeiten. Auch für die jährlich 40-50 Millionen geschlüpften männlichen Geschwister der Legehennen besteht keine Verwendung: sie werden am ersten Lebenstag geschreddert, zermust oder vergast, weil ihre Mast nicht rentabel wäre.

Bio als Lösung?

bild 13 Ein verschwindend geringer Teil von 0,6% der deutschen Masthühner lebt in ökologischer Haltung (Jahr 2009). Glückliche Hähnchen auf grüner Wiese? Bei Bio mehr Schein als Sein: auch im Biosektor werden schnellwachsende Masthybriden eingesetzt, welche zuchtbedingte Probleme haben wie ihre Artgenossen in der konventionellen Haltung. 4800 Tiere pro Stall, 21 Kilo Masthuhn pro Quadratmeter – das ist das Leben der „Biohähnchen“ nach EU-Norm jenseits der idyllischen Verbrauchervorstellung. In ihrem 81 Tage währenden Leben haben sie „rechtlichen Anspruch“ auf die Möglichkeit des Freilaufes – allerdings nur 1/3 dieser 81 Tage. Werden robustere Tiere als die ausgesprochenen „Turbomasthähnchen“ eingesetzt, ergibt sich in der Biohaltung noch ein ganz anderes Problem. Das „Biohähnchen“ hat einen fast doppelten Futterverbrauch, die Ressourcenverschwendung ist alles andere als „öko“: 3 Kilo Futter müssen für die „Erzeugung“ von einem Kilo Hähnchenfleisch verfüttert werden.

bild 14 Falsches Huhn aus echten Pflanzen

Die Alternative für das menschliche Gewohnheitstier mit Verlangen nach Brathähnchen kommt bei seiner Entstehung mit deutlich weniger Pflanzenmaterial aus. Sie hat weder jemals einen Stall noch einen Tiertransporter und auch keinen Schlachthof von innen gesehen. Falsches Huhn aus echten Pflanzen – erhältlich im gut sortierten veganen Shop. (Bezugsquellen unter www.v-heft.de)

 

 

(1) Unter Einhaltung einer „tolerierbaren Mortalitätsrate“ von 3,4% in der Langmast