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Die Fische, der Fischfang und die Aquakulturen

Warum Fischstäbchen Flipper töten und Garnelen dem Klima schaden

fisch1 Die Folgen des rasant gestiegenen Verbrauches von Fischen werden immer offensichtlicher: Leergefischte Meere, Artenvernichtung, Umweltzerstörung und die Verarbeitung von unvorstellbaren Mengen von Fischen zu Nutztier- und Zuchtfischfutter lassen nichts übrig von der idyllischen Vorstellung sanft im Meer wogender Fischerboote und einer vertretbaren Nutzung von Fischen.

Hochseefischerei und Überfischung bis zum Exitus

Was Generationen von Fischern nicht schafften, erledigt die moderne Hochseefischerei. Heutige Hochseefangflotten dringen mit ihren Netzen bis in eine Tiefe von 2.000 Metern vor und rotten durch Überfischung ganze Arten aus. Die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass von den Fischbeständen bereits 85% bis an ihre Grenzen genutzt, überfischt oder schon erschöpft sind. Die großen Arten wie Thunfisch, Schwertfische und Kabeljau sind in den letzten 50 Jahren um 90% dezimiert worden.

Industrielle Trawler und Konsumenten auf Vernichtungszug

Weltweit existieren ca. 4 Millionen Fischereischiffe, davon sind etwa 1% industrielle Trawler. Diese fangen jedoch 50% der Gesamtmenge von rund 145 Millionen Tonnen Tieren pro Jahr, um den rasant gestiegenen weltweiten Fischverbrauch zu decken. 17,2 Kilogramm Fische aß jeder Weltbürger im Jahr 2009 – Tendenz steigend. Nicht nur die Fischbestände selbst nehmen nicht wieder gut zu machende Schäden: die kilometerlangen Schleppnetze der Fangflotten hinterlassen den Meeresboden als Unterwasserwüste.

Schleppnetze töten Schildkröten, Delfine und Jungfische und anderen „Beifang“

Ein dramatischer Nebeneffekt des industriellen Fischfangs ist der so genannte Beifang: Wale, Delfine, Haie, Schildkröten, Seevögel und andere Tiere verfangen sich in den riesigen Netzen. Sie ertrinken oder werden schwer verletzt, indem sie über den Seeboden geschliffen und erdrückt werden.

Jungfische werden Fischmehl

Jungfische, die aufgrund ihres Alters noch nicht gefischt werden dürfen, gehen als „wertloser Beifang“ ins Netz und werden tot oder schwer verletzt wieder über Bord geworfen. Eine Regeneration dieser Fischarten ist somit kaum möglich. Etwa 80% Beifang erzeugt die Jagd nach am Boden lebenden Tieren wie Schollen, Seezungen oder Krabben. Ungefähr 20 Millionen Tonnen „Beifang“-Fische werden zum Teil lebend verkocht und zu Fischmehl verarbeitet, welches als „tierisches Fett“ in der Lebensmittelindustrie verwendet oder an Hühner, Schweine und Fische in Fischfarmen verfüttert wird.

Aquakulturen als Wildfischvernichter

Etwa die Hälfte der Süß- und Salzwasserfische kommen mittlerweile aus Aquakulturen. Galten diese Fischfarmen zuerst als „Lösung gegen die Überfischung der Meere“, zeigt sich nun, dass sie die Überfischung vielmehr noch fördern. Viele der gehaltenen Fische ernähren sich von anderen Fischen, was die Überfischung der Meere weiter vorantreibt. So müssen z.B. für 1 kg Zuchtlachs 5 kg wildgefangener Fische verfüttert werden, für 1 kg Thunfisch sind es sogar 20 kg Futterfisch. Laut Leibniz-Institut für Meereswissenschaften werden bereits 30 bis 40% der weltweiten Fischfänge als Zuchtfischfutter verbraucht.

Exkremente und Antibiotika vernichten Leben

Massenfischhaltung verursacht Unmengen an Exkrementen, die im Fall der Aquakulturen „in freier Wildbahn“ ungeklärt in die Gewässer gelangen. Die dadurch verursachte Überdüngung vernichtet alles natürliche Leben im Umkreis. Dazu kommen große Mengen an Antibiotika: Durch die extreme Fischdichte auf engstem Raum funktionieren Aquakulturen ohne den massiven Einsatz von Antibiotika kaum.

Und wieder: Farmfisch frisst Wildfisch

Fische, die ihrer Gefangenschaft in Aquakulturen entkommen, können große Schäden am Ökosystem eines Gewässers anrichten: als Faunenverfälscher anderen Tieren das Essen und den Lebensraum streitig machen und sie dadurch verdrängen - oder gleich ganze Arten einfach wegfressen.

Aquakulturen als Umweltzerstörer und Klimakiller

garnele In Südostasien und Lateinamerika wurden bereits mehrere Millionen Hektar Mangrovenwälder, die zu den wertvollsten Ökosystemen zählen, für die Fisch- und Garnelenzucht vernichtet. Den Preis für diese Ausbeutung zahlen neben der Umwelt und den Zuchttieren auch die ehemals ansässigen Wildtiere und die einheimische Bevölkerung: ihre Fischgründe werden durch Aquakulturen vernichtet. Bereits 50% der Mangrovenwälder, welche die Küstengebiete vor Erosion und gefährlichen Flutwellen schützten, sind durch die Chemikalien der Garnelenzucht unwiederbringlich zerstört. Mit noch weiter reichenden Folgen: Mangrovenwälder zählen zu den kohlenstoffreichsten Wäldern und können riesige Mengen Treibhausgase speichern. Die zerstörten Mangrovenwälder setzen überproportional viele Treibhausgase frei.

Aus Wildfisch wird Farmfisch

Neben der dramatischen Uneffizienz durch den hohen Wildfischverbrauch als Futter teilen sich Aquakulturen im Meer und anderen natürlichen Gewässern und „Indoor-Fischfarmen“ ein weiteres Problem: der Besatz erfolgt teilweise mit wild gefangenen Jungfischen. Manche Arten lassen sich in Gefangenschaft kaum züchten – und bei Arten, die nachgezüchtet werden können, ist es oft rentabler, auf wilde Jungfische zurückzugreifen. Sie lassen sich billiger fangen als in aufwändigen Verfahren nachzüchten.

Tierquälerische Massenfischhaltung

Die Massenhaltung der Fische – egal ob in Käfigen im offenen Meer oder in den Becken einer Halle – lässt sich nie als „argerecht“ bezeichnen: maximale Fischdichte bei minimalem Platzangebot sind Voraussetzung für wirtschaftliche Fischmast. Dass Fische anders sind als wir und andere Tiere bedeutet nicht, dass sie nicht unter Stress und Enge leiden. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass sie Kiemen statt Lungen haben nicht heißt, dass sie nicht atmen können.

Fische leiden stumm, aber grausam

Gefangene Fische ersticken qualvoll, haben Schmerzen durch den Druckabfall, durch den nicht selten auch ihre Schwimmblase reißt, sie werden zertreten, erschlagen und den meisten wird auf den großen Fangschiffen noch lebend der Bauch aufgeschnitten. Nicht selten werden die Fische an Bord lebend tiefgekühlt, was ihre Leiden noch verlängert. Entgegen der früher gängigen Meinung vom „gefühllosen Fisch“ sind auch Fische genauso schmerzempfindlich wie Menschen und andere Tiere, erleben Stress und Todesangst.

Darwin's nightmare – Viktoriabarsch als ökologischer und gesellschaftlicher Albtraum
Das Experiment, durch Aussetzung eines produktiven Speisefisches im afrikanischen Viktoriasee die Fischerei anzukurbeln, wurde zum Albtraum. 35 Anfang der 60er Jahre ausgesetzte Nilbarsche, heute „Viktoriabarsche“ genannt, waren der Anfang einer kompletten Katastrophe. Der äußerst profitable Exportschlager und Raubfisch entwickelte und vermehrte sich prächtig – und fraß innerhalb kürzester Zeit die endemische Buntbarschpopulation auf. Und nicht nur die: in 30 Jahren hatte der Nilbarsch 400 einst im Viktoriasee lebende Fischarten ausgerottet. Noch überschwemmt der Nilbarsch aus den Fischfabriken am Viktoriasee die Märkte der reichen Industrienationen. Möglicherweise ist es auch bald mit dem See und dem Nilbarsch am Ende: dadurch, dass es keine algenfressenden Fische mehr gibt und noch dazu eine aus Südamerika eingeschleppte Wasserhyazinthe den See überwuchert, sinken Sauerstoffkonzentration und Grundlage allen Lebens. Ein Segen für die einheimischen Fischer war der Viktoriabarsch nie: vom unheimlichen Geschäft mit dem Fisch profitieren nur einige wenige – während den einheimischen Fischern ihre ursprüngliche Lebensgrundlage genommen wurde. Fischen können sie schon lange nicht mehr. Stattdessen arbeiten sie als Billiglöhner in den Fischfabriken. Für den Kauf von Nilbarsch allerdings reicht ihr Lohn nicht. Die Frage, ob die Flugzeuge, welche den Fisch abholen, im Gegenzug Waffen in die Viktoriasee-Anrainerstaaten bringen, wurde von der tansanischen Regierung mit der Verfolgung von Journalisten als Staatsfeinde beantwortet. Im Rahmen der Dokumentation „Darwin's nightmare“ hatten sie über Waffenhandel im Zusammenhang mit dem Viktoriabarsch berichtet.