Exotische Neubürger in heimischer Umgebung
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Unfreiwillige exotische Neubürger in heimischer Umgebung

sumpfschildkroete Lünen / Siegen, April 2005: Sie sind nicht nur in Gefahr, sondern auch eine Gefahr: exotische Tiere als unfreiwillige Neubürger in unseren Gefilden. Zu Tausenden aus Amerika, Afrika, Australien und Asien als Heimtiere nach Deutschland eingeführt, landen exotische Heimtiere wie Sittiche und Reptilien oft in unserer freien Wildbahn, wenn ihre Besitzer ihrer überdrüssig geworden sind.

Tierhalter, die ihre Haustiere aussetzen, machen sich nicht nur strafbar und setzen damit das Leben des ausgesetzten Exoten aufs Spiel, der meist unseren klimatischen Bedingungen nicht lange standhalten kann und durch zu kalte Temperaturen oder fehlendes Futter zu Tode kommt, sie gefährden auch die heimische Fauna und im schlimmsten Fall Menschen.

aquarium_in_schwannsbell Während von gewissenlosen Tierhaltern ausgesetzte gefährliche Exoten wie Giftschlangen und Krokodile zum Glück hierzulande derzeit nicht zur Tagesordnung gehören, wimmelt es mancherorts von anderen Reptilien: Städtische Teiche und Seen beherbergen zum Teil eine Vielzahl von Exemplaren einst billig im Zoohandel erworbener Sumpfschildkröten von verschiedenen Kontinenten. Jüngster Fall in Lünen, Kreis Unna: gesichtet wurde eine 30 cm große weibliche amerikanische Rotwangenschmuckschildkröte, ausgesetzt in einem Teich bei Schloss Schwansbell. Nur einige Meter entfernt von der Schildkröte, die am Teich auf einem Baumstamm in der Sonne lag, , fanden die von der Stadt Lünen beauftragten Experten vom Verein Animal Rights Watch ein kaputtes Aquarium in einem Wassergraben – offensichtlich die ehemalige Behausung dieser oder einer anderen Schildkröte.

sumpfschildkroete Tanja Günther, Schildkröten-Fachfrau von Animal Rights Watch beschäftigt dieses Problem seit vielen Jahren: „Die putzig-urtümliche Erscheinung der jungen Schildkröten und ihr geringer Erwerbspreis verlocken so manchen, sich eine dieser Schildkröten anzuschaffen, ohne sich vorher über die Bedürfnisse dieser wahrhaft nicht pflegeleichten Tiere zu informieren. Diese Reptilien wachsen rasch und erreichen teils enorme Körpergrößen, was eine Haltung in einem kleinen Aquarium im Wohnzimmer unmöglich macht.“ Ausgesetzt im nächsten Gewässer überleben sie oft nicht einmal den ersten Winter.

Zudem gefährden sie die einheimische Tierwelt, da sie sich unter anderem von Jungfischen und dem Nachwuchs von artengeschützten Fröschen, Kröten und Molchen ernähren und damit auch den einheimischen Reptilien wie z.B. der Ringelnatter die Nahrungsgrundlage entziehen. Noch schlimmer wird es, wenn es sich bei den ausgesetzten Schildkröten nicht um für Menschen harmlose Schmuckschildkröten, sondern um gefährliche Tiere wie Schnapp- und Geierschildkröten handelt, welche durchaus in der Lage sind, mit einem Happen einem Menschen ein paar Finger oder Zehen abzubeißen und die auch unter unseren klimatischen Bedingungen relativ gute Überlebenschancen haben.

schildroete_in_schwannsbell Wie viele ausgesetzte Schildkröten sich in der Umgebung von Schwansbell und in anderen Tümpeln im Kreis Unna befinden, ist ungewiss; sie gezielt einzufangen ein Ding der Unmöglichkeit, da gesunde Tiere bei Annäherung von Menschen sofort ins Wasser flüchten und lediglich kranke und geschwächte Tiere am Ufer sitzen bleiben. Diese geschwächten Tiere sollten auf jeden Fall eingesammelt und an Tierschützer übergeben werden, damit sie eine Überlebenschance haben. Auf Dauer gibt es nur eine Lösung: den Handel mit diesen Tieren einzustellen und Tierhaltern immer wieder klar zu machen, dass sie mit dem Erwerb eines Tieres eine lebenslange Verpflichtung für das Wohl des Tieres eingehen. Aussetzen heißt nicht „Freiheit schenken“, sondern den Tod eines Tieres billigend in Kauf nehmen und sich strafbar machen.

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