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Tiere im Tierpark

Unschuldig hinter Gittern

Aus welchem Jahrhundert auch immer die Definition für "Tierpark" stammen mag, sie trifft auch 2004 noch das, was in den Tierparks den Tieren angetan wird, genau: "Anlage, in der lebende heimische oder ausländische Wildtiere in Käfigen oder Gehegen dauernd zur Schau gestellt werden..." (Volksbrockhaus). Der Tierpark als "attraktives Ausflugsziel" für Familien mit Kindern, mit Garantie für einen schönen fröhlichen Tag mit vielen Tieren, reichlich bezuschusst mit Geldern vom Land, Städten und Gemeinden, eine "Bereicherung des kulturellen Lebens" - und eine Hölle für die Tiere. Eingepfercht, zur Schau gestellt und zu diesem Zweck jeglicher Rückzugsmöglichkeit beraubt, zur Zucht publikumswirksamer Jungtiere missbraucht vegetieren diese Tiere beschäftigungslos auf engsten Raum und hinter Gittern dahin. Bezuschusste Tierqual als nettes Wochenendvergnügen. Kaum ein Besucher hinterfragt das, was er im Tierpark zu Gesicht bekommt. Ganz im Gegenteil: es wird gelacht und gegafft und am Ende ist man sich einig, einen schönen Ausflug gemacht zu haben, und die Besucherkinder wurden von ihren Eltern - auch wenn unbeabsichtigt - ein Stück weitergebracht auf dem Weg zu einem respektlosen Umgang mit Tieren.

 

Wir besuchten im April zu Recherchezwecken einen Tierpark, in den seit unseren frühesten Kindertagen im Zuge erzwungener Schulausflüge von uns niemand mehr einen Fuß gesetzt hatte. Dieser Tierpark wird regelmäßig mit fünf- bis sechsstelligen Subventionen vom Land, Städten und Gemeinden bedacht. Demnach müsste dort eigentlich alles Top in Ordnung sein. Gleich am Eingang ein Affenkäfig von Anno dazumal: Gibbons auf nacktem Beton. Die Inneneinrichtung besteht aus zwei alten Autoreifen, einer Plastiktonne und einigen auf dem Boden liegenden alten Brettern. Ein Stückchen Apfel ist das einzige Grün, welches die Affen haben. Einer der Gibbons ist ständig vor den ihm überlegenen auf der Flucht. Aber wohin?

Die Gibbons wurden vor gar nicht langer Zeit zur "Attraktivitätssteigerung" für viel Geld vom Tierpark in diese katastrophale Haltung herein gekauft. Die Verantwortlichen für diese Schande machen zum Zeitpunkt unseres Besuches gerade vergnügt und zahlreich Frühschoppen in der vereinseigenen Tierparkkneipe. Warum gehen sie stattdessen nicht in dieser Zeit in den Wald und holen den Tieren wenigstens ein paar frische Äste? Das Beschreibungsschild am Affenkäfig "...leben in ihrer Heimat in den obersten Baumregionen" - einfach nur beschämend.

Nutzt den Tieren der Tierschutz im Grundgesetz? Hier die Haltungsrichtlinien (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) für Gibbons, die nichts als Hohn sind: Außengehege 3,50 m hoch, 8m lang, Gehegefläche 25 qm für zwei bis vier Tiere, für jedes weitere zusätzlich 8 qm. Innengehege - falls Zugang zum Außengehege über längere Zeit (z.B. im Winter) nicht möglich ist - entsprechend. Gehegeeinrichtung: Kletter- und Schwingvorrichtungen, die das Schwinghangeln ermöglichen. Sitzgelegenheiten in verschiedenen Höhen, Sichtblenden, Nischen oder andere Rückzugs- und Ausweichmöglichkeit, Absperrmöglichkeiten. Es könnte sich bei "unserem" Tierpark gerade so darum kriegen, ob diese Minimalanforderungen vom zuständigen Veterinäramt als erfüllt angesehen werden, denn auch einen alten Autoreifen kann man mit viel gutem Willen als "Schwingvorrichtung" bezeichnen.

Die nächste traurige Realität: ein betoniertes eingezäuntes Viereck, direkt am Zaun liegt regungslos ein apathisches Wildschwein. Ein zweites Wildschwein liegt unbeweglich in einem Dreckloch, welches offenbar auch gleichzeitig die Toilette der Schweine ist, vielleicht war das mal die Suhle. Einrichtung? Keine. Nur Dreck, überall Schweinekot und Steine. Die einzige "Rückzugsmöglichkeit" erinnert baulich und größenmäßig an einen Mülleimerabstellplatz. Nestbaumaterial wie Äste oder Stroh suchen wir vergebens, es gibt noch nicht einmal einen einzigen verirrten Strohhalm.

Verboten? Wenn man das Tierschutzgesetzt ernst nehmen würde, ja. Aber ein Blick in die Haltungsrichtlinien lässt für diese Wildschweine kaum Hoffnung aufkommen: Für eine Wildschweinrotte von fünf Tieren muss das Außengehege mindestens 100 qm umfassen. Innenräume sind nicht notwendig. Gehegeeinrichtung: Suhl-, Wühl- und Bademöglichkeiten, Scheuerbäume. Außengehege mit Naturboden. Einstreu im Innenstall mit Strohlager. Da Innenräume jedoch laut Richtlinien nicht notwendig sind, heißt das wahrscheinlich, dass auch kein Innenstall vorhanden sein muss, also auch kein Strohlager. Und auch verrotteter Kot entspricht wahrscheinlich der Anforderung nach "Naturboden", baden sollen die Schweine hier offenbar in ihrem Wassernapf, suhlen und wühlen müssen sie in ihren eigenen Exkrementen.

Vorbei an Emus, Bennetkängurus, einigen Lamas und struppigen Eseln, vielen Kamerunschafen mit Lämmern, die von Kindern gefüttert werden, vorbei an auf Pflastersteinen stehenden Ponys, die dringend mal von einem Hufschmied besucht werden müssten, zu den neuen Gehegen von Luchs und Puma. Vorher lebten Luchs und Puma in winzigen Käfigen, das ständige hin- und her des Pumas an dem Gitter entlang war unerträglich.

Heute leben sie in "Gehegen", die nichts besseres sind als größere Hundezwinger. Wenigstens können sie nun in ihren Zwingern in der Sonne liegen: das war ihnen vor dem Umbau nicht möglich. Sollen wir froh sein oder uns fragen, wenn schon Neubau, warum nicht besser? Die Tierparkbetreiber haben sich bestimmt gefragt, warum besser, wenn die Haltungsrichtlinien hier sogar größenmäßig um einiges übertroffen werden? Raumbedarf / Paar: Luchs 20 qm, Käfighöhe 2,50 m. Puma: Außengehege 30 qm, Innenkäfig 15 qm.

Bei den Schneeeulen und Uhus darf bezweifelt werden, ob die Unterbringung den sowieso miserablen Haltungsrichtlinien genügt. Die baufälligen verdreckten Volieren wären von ihrer Größe her vielleicht erträglich für ein paar Wellensittiche. Mindestmaße für Eulen pro Tier: Außenvoliere Fläche 18qm, Breite 3 m, Höhe 2,50 m (Schneeeulen 2 m). Für jedes weitere Tier 3 qm mehr. Macht unserer Rechnung nach für sechs Schneeeulen eine Fläche von 3 m Breite und 11 m Länge, sofern es sich bei den Eulen um "erwachsene Tiere" handelt. "Jungtiere" bleiben nämlich von der 3qm-mehr-Regel-pro-weiteres-Tier ausgenommen, und vielleicht ist ja auch eine zehnjährige Eule noch ein "Jungtier".

Vorbei an eingepferchten Wildvögeln, Fasanen, Tauben und zwei Vögeln Namens "Lachender Hans", aber auch diesen muss das Lachen vor langer Zeit vergangen sein, sie sitzen stumm und starr in ihrem Käfig, vorbei an einem hölzernen "Setzkasten" mit zwölf Einzelboxen, in dem Kaninchenmütter ihre Jungen werfen und großziehen und dafür noch nicht einmal eine Höhle haben, denn dann würde das Publikum ja die Kleinen ja nicht sehen, vorbei an Rindern auf Pflastersteinen, noch mal struppigen Eseln, Papageien im Dunklen, zum aktuellen Publikumsmagneten. Ein Mini-Hängebauchschwein mit Jungen. Zu haben für 30 € pro Stück. Von Besuchern, die dort schon kleine Schweine gekauft haben, erfahren wir, dass sie auch gut schmecken; vorher können die Kinder mit dem Essen / den Schweinen spielen!? Im Pferch daneben eingesperrt noch ein Schwein mit Neugeborenen. Auch sie werden in einem gepflasterten verdreckten engen Pferch aufwachsen, als Kinderspielzeug verkauft werden und später mit großer Wahrscheinlichkeit einen dörflichen Grillabend bereichern.

Ein Vater der Schweinchen ist nicht anwesend, so dass deren Entstehung nicht zu ergründen ist, aber "fehlende Väter" gab es auch bei den Kaninchen. Wir gehen davon aus, dass deren Unterbringung auch für die Tierparkbetreiber nicht mehr vorzeigbar ist. Mit der massenhaften Produktion von Jungtieren und dem späteren Verkauf an Privat schlägt der Tierpark direkt zwei Fliegen mit einer Klappe: die Besucher kommen, um "putzige Babys" zu bewundern, wenn sie nicht mehr so putzig sind, werden sie verkauft und bringen noch einen schönen Nebenverdienst, außerdem muss man schließlich wieder Platz schaffen für die nächsten Nachkommen. In wie weit Tiere neben den im Tierpark produzierten Schweinen, Ziegen, Kamerunschafen, Kaninchen, Meerschweinchen an Privat verkauft werden, weiß man nicht so genau, aber denkbar ist hier vieles, Ponys, Esel und viele andere Tiere sind aber mit aller Wahrscheinlichkeit auch nicht vom Verkauf ausgeschlossen.

Vorbei an Unmengen von Vögeln in verdreckten Unterkünften, frierenden Flamingos, Frühschoppen haltenden fröhlichen Männern, mit einem letzen Blick auf die erbarmungswürdigen Gibbons, deren einzige Beschäftigungsmöglichkeit immer noch nur ein kleines Stückchen Apfel ist, verlassen wir den Tierpark, vorbei an Eltern mit Kindern, die kommen, um sich einen schönen Tag im Tierpark zu machen.

Tierschutzgesetz §1: Zweck des Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Die Tiere im Tierpark leiden und auch die Tierparkbetreiber werden uns keinen vernünftigen Grund dafür nennen können! Es sei denn, "Gaffen" wurde zur vernünftigen Tat ernannt. Oder gilt etwa als "vernünftig", Tiere leiden zu lassen, um Subventionen einzustreichen und einen Ort zu haben, an dem man Sonntags Frühschoppen machen kann?

Besuchen Sie bitte keine Tierparks oder ähnliche Einrichtungen, kaufen Sie keine Tiere dort, auch nicht aus Mitleid; verhindern Sie, dass Ihre Kinder z.B. mit der Schule Ausflüge in Tierparks machen; informieren Sie Lehrer, Nachbarn und Bekannte; spenden Sie nicht an solche Einrichtungen! Beschweren Sie sich bei der zuständigen Stadt oder Gemeinde und Veterinärbehörde! Unterstützen Sie unsere Forderungen zur Einhaltung des Tierschutzgesetzes und zu dringend fälligen Änderungen der gültigen Mindestanforderungen des Bundesministeriums, erteilen Sie allen Beteiligten ein klares NEIN zu dieser Art von subventionierter Tierquälerei!

Einige Tage nach unserem Tierparkbesuch mussten wir einer Sonderbeilage der Lokalpresse, umrahmt von schönen bunten, einen glücklichen Eindruck vortäuschenden Tierbildern, diese überaus gelungene Tierpark-Propaganda entnehmen: "Frühjahrskonzert der besonderen Art": "... da wird in allen Tonlagen gegrunzt, geschnattert, geblökt und gewiehert. Die Natur wacht auf, und das gilt auch für die Bewohner des Tierparks. Sie spüren den Lauf der Jahreszeiten am eigenen Hormonspiegel allzu deutlich, und dementsprechend steht auch die Familienplanung ganz oben auf dem Tagesprogramm. So manches Jungtier stapft auf wackligen Füßen unbeholfen umher; die kleinen Hängebauchschweine kämpfen um die Zitzen; und in den Vogelgehegen wird um die Wette gesungen und geflötet. Das interessiert den Schwan herzlich wenig - er ist ohnehin mit dem Brüten beschäftigt. Und ob bald wieder der niedliche Nachwuchs der Bennett-Kängurus einen scheuen Blick aus dem Beutel riskiert? Diese Frage kann sich jeder selbst beantworten: der Tierpark hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet..."

Im Mai lasen wir in der Lokalpresse mehr dergleichen, nun haben sich leider auch noch die Uhus vermehrt, und wir mussten fassungslos zur Kenntnis nehmen, dass der Tierpark stolz verkündet, welche Neuanschaffungen getätigt wurden: Hörnchen, Alpakas, Damhirsche und zu allem Übel dazu noch drei Wildschweinfrischlinge! Auch wir werden nun verstärkt "Tierpark-Propaganda" machen, darauf können sich die Betreiber verlassen!