Schlachtfabrik-Wiederaufbau trotz Kritik

Einer der größten Schlachthöfe Deutschlands, eine Wiesenhof-Schlachtfabrik in Lohne, war Ostern 2016 bei einem Großbrand in Flammen aufgegangen. Der Wiederaufbau wurde vom Bauausschuss am 19. Oktober beschlossen, während vor dem Rathaus dagegen demonstriert wurde.

22. Oktober 2016, Lohne

Nach den Plänen von Wiesenhof sollen nach dem Wiederaufbau erneut 432.000 Individuen pro Tag in Lohne getötet werden. Animal Rights Watch rief im Vorfeld zu einer Demonstration auf. Aktivist*innen aus der Region und einige Angereiste protestierten gemeinsam vor dem Rathaus gegen den Wiederaufbau. Die Mitglieder des Bauausschusses wurden aufgefordert alle Fakten zu prüfen und gewissenhaft zu entscheiden, ob der Wiederaufbau genehmigt werden muss. Nicht nur den Umstand, dass hier tagtäglich hunderttausende Lebewesen getötet werden sollen, ist nicht zu akzeptieren – die Schlachtfabrik stellt gleichzeitig eine ökologische und soziale Katastrophe dar.

Einbezug der Öffentlichkeit?

Ungefähr 60 Anwohner*innen verfolgten die Ausschusssitzung. Publikumsfragen durften auch nur Bewohner*innen aus Lohne stellen. Die Proteste „gegen Massentierhaltung“ vor dem Gebäude hätte man wahrgenommen, täten aber nichts zur Sache, so ein Ausschussmitglied. So sollten die Meinungen anwesender Verbände nicht gehört werden und auch die Bürger*innen der Stadt sollten nur Sachfragen an die „Experten“ stellen und nicht eine politische Meinung äußern. Die Sorgen der Bürger*innen betrafen oftmals nur den Verkehr, den Geruch und den Sichtschutz. Die Problematik ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse wurde ebenfalls angesprochen. Ein lokaler Vertreter des NABU wies auf weitere Probleme wie Lichtverschmutzung hin. Die Tiere wurden nicht thematisiert. Schädliche Umweltfolgen wurden nur von einem Bewohner angesprochen, der sich um das Grundwasser sorgte.

Während der Sitzung wurde von einem Ausschussmitglied gefragt, warum die Sitzung zu diesem ungünstigen Zeitpunkt (Überschneidung mit einer Kreisratssitzung) als Sondersitzung anberaumt wurde, statt im Rat oder regulären Bauausschuss darüber zu beraten. Es wurde bemängelt, dass den Ausschussmitgliedern keine Informationen im Vorhinein zur Verfügung gestellt wurden, die eine umfassende Auseinandersetzung ermöglicht hätten. Die Unterstellung, dass etwas vertuscht werden solle, stand im Raum. Dass die Wiesenhofpläne von der CDU durch gewunken werden soll, habe es ja bereits zuvor gegeben. Auf diese Wortmeldung wurde erwidert, dass das Gewerbeaufsichtsamt auf eine Entscheidung dränge. Mit der Sondersitzung würde aber gerade z.B. dem öffentlichen Interesse Rechnung getragen.

Huhn in der Mast

Wiesenhof bekommt seinen Willen

Es wurde ausführlich und wiederholt über die „Schlachtkapazität“ von 432.000 Tieren geredet. Wiesenhof hat sich in der Vergangenheit über den Städtebauvertrag hinweggesetzt, in dem eine niedrigere „Schlachtkapazität“ zugelassen wurde. Im Nachhinein wurde dann das Töten von 432.000 Hühnern pro Tag genehmigt. Wiederholt fragten Politiker*innen und Bürger*innen, ob der Neubau es möglich machen würde, diese Zahl nochmals zu überschreiten. Der anwesende Wiesenhof-Vertreter antwortete darauf nie eindeutig. Sehr vage meinte er, eine höhere Kapazität sei nicht vorgesehen. Die Kapazität würde auch langsam gesteigert, da der Markt erst wieder erschlossen werden muss. Welche technischen Fortschritte in der Zukunft gemacht würden, könne er nicht voraussehen.

Am Ende der Sitzung stimmte die CDU für das Vorhaben. Mitglieder der SPD lehnten das Bauvorhaben ab und verwiesen auf die gesundheits-gefährdenden Wohn- und Arbeitsverhältnisse. Alle Beiträge aus dem Publikum waren ausnahmslos kritisch dem Wiederaufbau gegenüber. Vor diesem Hintergrund kann die Eingangserklärung, der Sondertermin wurde extra anberaumt, damit sich die Öffentlichkeit einbringen könne, getrost als Farce bezeichnet werden.

PHW – mit der Marke Wiesenhof – ist der größte Hühnerfleischproduzent Deutschlands. Der multinationale Konzern liefert Küken und Futter an Vertragsmäster/innen, die die Hühner an die konzerneigenen Schlachthöfe abgeben.

Die „Masthühner“ leben vor ihrer Tötung zu Zehntausenden in einer strukturlosen Masthalle. Sie erreichen dort innerhalb von fünf bis sechs Wochen ihr Schlachtgewicht. Pro Quadratmeter drängen sich über 20 Tiere. Die Hühner können nicht ungestört ruhen, ihren arttypischen Verhaltensweisen wie der Nahrungssuche oder dem Staubbaden nicht nachgehen, geschweige denn angemessen miteinander agieren oder soziale Beziehungen pflegen. Die Gewalt, die Tieren im Rahmen der Nutzung als „Masthähnchen“ bis zu ihrem Tod angetan wird, ist immens und nicht zu rechtfertigen.

Auch in Königswusterhausen, OT Niederlehme (bei Berlin) plant die Märkische Geflügelhof-Spezialitäten (als Teil des Wiesenhof-Konzerns) die Erweiterung eines Schlachthofs. Die „Schlachtleistung“ soll von 190 Tonnen Lebendgewicht pro Tag auf 352 Tonnen pro Tag erhöht werden.

Stand: 10/2018 | Text: © Animal Rights Watch e.V. | Bilder: © Animal Rights Watch e.V. | M.studio fotolia.com

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