
1.900 Mal getreten, geschleudert, gequält
Wiederholte Tierquälerei in brandenburger Entenmast
Neue Aufnahmen dokumentieren: Die brutalen Praktiken in einer Entenmast in Brandenburg gehen unvermindert weiter. Zwei Jahre nach unserer ersten Aufdeckung in diesem Betrieb leiden die Tiere erneut unter systematischer Gewalt.
Februar 2026, Brandenburg
RBB berichtet mit Videomaterial von ARIWA.
Bereits 2023 deckten wir in dieser Entenmast erhebliche Tierquälerei auf. Die Aufnahmen von damals zeigten: Tausende Enten leben in dunklen Hallen auf blanken Gitterböden aus Metall, ohne Einstreu, ohne Badewasser, ohne Rückzugsmöglichkeiten. Schwer verletzte, kranke und gehunfähige Tiere lagen zwischen den anderen Enten. Mitarbeitende schleuderten Tiere an Flügeln und Hälsen durch die Luft, trieben sie brutal in Transportkisten und töteten kranke Enten illegal durch Umdrehen des Halses.
Trotz dieser dokumentierten Verstöße blieb der Betrieb geöffnet. Es gab keine nennenswerten Konsequenzen. Der Betreiber musste lediglich 2.000 € Bußgeld zahlen. Zwei Jahre später zeigen neue Aufnahmen: Die Zustände haben sich nicht geändert. Animal Rights Watch erstattete erneut Strafanzeige.
Neue Aufnahmen aus Dezember 2025
Aktuelle Aufnahmen, die Animal Rights Watch vorliegen, belegen, dass die zuvor kritisierten und angezeigten Zustände weiterhin bestehen. Die Aufnahmen zeigen erneut systematische Gewalt gegen die Enten.
Mitarbeitende treten Enten mit den Füßen, werfen sie hunderte Male durch die Luft und packen sie grob an einzelnen Flügeln, um sie schließlich in Transportkisten zu stopfen. Allein im ausgewerteten Videomaterial wurden über 1.400 Tritte, mehr als 300 Würfe sowie rund 200 Fälle dokumentiert, in denen Enten an einzelnen Flügeln gepackt wurden – mit dem Risiko schwerer Verletzungen wie Flügelbrüchen. In mehreren Szenen wird zudem eine schwere Buchtwand mit voller Wucht wiederholt gegen Gruppen von Enten geschleudert, um sie schneller in Richtung Ausstalltor zu treiben. Dabei wird mindestens eine Ente schwer verletzt: Ihr Kopf wird beim Schließen der Buchtwand eingeklemmt, anschließend wird sie am Hals herausgezogen, zu Boden gedrückt und in eine separate Bucht geworfen, wo sie sich selbst überlassen wird.
Animal Rights Watch liegt eine tierärztliche Beurteilung des Materials von Expertise for Animals vor, welche die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz bestätigen.
Diese Bilder dokumentieren keine Einzelfälle, sondern klassische Systemprobleme in der Tierhaltung. Aus Zeitdruck und Überforderung werden Tiere getreten, geworfen oder sogar geschlagen, um sie schnellstmöglich zum Laufen zu bewegen.
Geschlachtet werden die Enten bei Dithmarscher Geflügel in Brandenburg. Produkte wie die “Brandenburger Barbarieente” dieses Schlachtunternehmens sind unter anderem bei Kaufland zu finden.
Unveränderte Haltungsbedingungen
Auch die Haltungsbedingungen sind weiterhin tierquälerisch. Die Enten leben ausschließlich auf harten Gitterböden, ohne Bademöglichkeit, ohne Einstreu oder andere weiche Unterlagen. Viele Enten weisen deformierte Beine oder Füße auf und müssen unter den Bedingungen erhebliche Schmerzen erleiden.
Als Wasservögel haben die Tiere keine Möglichkeit zu baden oder ihr Gefieder zu pflegen. Auch ein natürlicher Tag-Nacht-Rhythmus existiert nicht: Die Tiere leben nahezu dauerhaft in Dunkelheit, lediglich erhellt durch schwaches rotes Kunstlicht. Diese gezielte Dunkelhaltung dient dazu, die Folgen der Überbelegung – wie Kannibalismus – notdürftig zu minimieren.
Behördenversagen und ein nahezu rechtsfreier Raum
Dass sich diese Zustände zwei Jahre nach dem ersten öffentlich werden der Zustände in diesem Betrieb nahezu unverändert wiederfinden, zeigt vor allem eines: das eklatante Versagen der zuständigen Behörden. Bereits 2023 wurden die Missstände dokumentiert und durch Animal Rights Watch angezeigt. Dennoch durfte der Betrieb weiterlaufen – mit vorhersehbaren Folgen für die Tiere. Die Tierindustrie bleibt für die betroffenen Tiere ein nahezu rechtsfreier Raum, in dem Gewalt und Leid systematisch folgenlos bleiben.
Mehr zu diesem Thema
- TV-Beitrag bei rbb24 Brandenburg aktuell
- 2023: Grausame Zustände in deutscher Weihnachts-Entenfarm aufgedeckt
- Beurteilung von Expertise for Animals: Grober Umgang mit Enten im Rahmen des Einfangens und Verladens (PDF)
- Hintergrundinformationen von Expertise for Animals: Bauchwassersucht( Aszites) bei Mastenten (PDF)
Text: Animal Rights Watch e.V. | Bilder: Animal Rights Watch e.V.
















