Degu
Degus

Degus sind absolut keine Schmuse- und Kuscheltiere, und „stillhalten“ ist überhaupt nicht ihre Stärke. Für Kinder, die ihr Tier mit sich herumschleppen möchten, sind sie überhaupt nicht geeignet.

Tipps zur Tierhaltung: Degus

Degus stammen ursprünglich aus Chile, also aus Südamerika. Die kleinen Nager, die wie eine Mischung aus Chinchilla, Ratte und Meerschweinchen aussehen,

sind noch nicht seit langer Zeit als Heimtiere bekannt. Sie sind mit den südamerikanischen Meerschweinchen und Chinchillas verwandt, nicht aber mit Ratten.

Bedürfnisse und Haltung

Degus sind tagaktive Nagetiere und leben in ihrer chilenischen Heimat in großen Sippen zusammen und nutzen Gebüsche, Steinspalten und selbst gegrabene Höhlen als Verstecke. Ihre Nahrung suchen sie sich im offenen Gelände.
Degus können bis zu sieben Jahren alt werden; ihre durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa vier Jahren.
Degus lassen sich gut mit Heu (Grundnahrung!) und einer Mischung aus handelsüblichem Degufutter ernähren. Daneben essen sie auch gerne Obst und Gemüse (z.B. Äpfel, Salatgurke), aber Vorsicht: Obst und auch manche Leckerchen stehen in Verdacht, Diabetes bei Degus zu begünstigen, da sie zu viel Zucker enthalten. Deshalb wird empfohlen, den Tieren lieber mehr Gemüse und stark zellulosehaltiges Futter (viel Heu) zu füttern. Auf Nüsse sollte bei der Ernährung verzichtet werden: es schmeckt den Tieren zwar, macht aber enorm dick. Immer auf dem Speiseplan sollten frische Zweige von Obst- und Nussbaum stehen, denn diese dienen zusätzlich zur Beschäftigung und Abnutzung der Zähne. Frisches Trinkwasser bietet man am besten in einer Trinkflasche an und muss immer zur Verfügung stehen. Kalk-Nagersteine werden gerne von den Tieren angenommen.
Degus sind putzig, friedlich, sozial, unterhaltsam, von geringer Körpergröße und dazu noch tagaktiv. Eigentlich doch das ideale Heimtier schlechthin – sollte man meinen. Ist auch so, wenn man einiges berücksichtigt und über anderes hinwegsieht. Als aller erstes muss man wissen, dass das schlimmste für einen Degu ist, alleine zu leben. Degus brauchen unbedingt Gesellschaft und sollten bestenfalls in Gruppen gehalten werden; natürlich nur in gleichgeschlechtlichen Gruppen (bzw. in gemischt geschlechtlichen Gruppen müssten die männlichen Tiere kastriert sein), denn zu viele Degus sind gar nicht mehr lustig…

Von der Verträglichkeit macht es keinen Unterschied, ob man eine Männer- oder Frauengruppe hält. Bestenfalls sollten die Tiere jedoch aus einer Familie stammen, dann gibt es die wenigsten Probleme.

Als zweites brauchen sie Tiere einen unbedingt ausbruchsicheren Lebensraum, welcher groß genug ist, damit die Tiere darin herum rennen und klettern und springen können; außerdem muss dieser Platz bieten für Versteckmöglichkeiten und „Luxuseinrichtungen“ wie Wurzeln, Steine, frische Äste und Zweige, eine Sandbadewanne und natürlich eine Futternapf. Am besten geeignet sind große, robuste Draht-Gitter-Volieren ohne Plastikteile (die hätten die Tiere nämlich umgehend zu Spänen verarbeitet und hüpften Ihnen dann im ganzen Haus herum), in die man mit Holzbrettern verschiedene Ebenen einbaut.

Eine andere Lösung ist ein großes Terrarium, welches auch in der Höhe genug Platz bieten muss; das Terrarium sollte natürlich ebenfalls keine zernagbaren Teile (z.B. keine Holzwände) aufweisen, muss eine Abdeckung haben und gut belüftet sein. Bei beiden Lösungen gilt natürlich „je größer, desto besser“, denn schließlich sollen die Tiere jahrelang darin leben. Als absolutes Minimum an Lebensraum sollte für zwei Degus ein Raum von einem Kubikmeter zur Verfügung stehen, bei einer Kleingruppe mindestens zwei Kubikmeter. Falls Sie nicht viel Wert auf die Unversehrtheit Ihrer Wohnung und deren Einrichtung legen, können Sie Ihren Tieren natürlich Freilauf gewähren. Doch schimpfen Sie hinterher nicht, wenn die ganze Bande hinter dem Einbauschrank im Wohnzimmer hockt und sich mit nichts bewegen lässt, dort wieder hervor zu kommen. Wenn dann noch am nächsten Tag Ihre schöne neue hölzerne Haustüre ein frisch gefrästes Loch hat und sie Ihre Degus beobachten können, wie sie in Windeseile pfeifend in Ihrem Steingarten verschwinden – dann haben sie etwas falsch gemacht.

Degus sind empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Zugluft (kann schnell zu Lungenentzündung führen); bei richtiger und nicht zu gehaltvoller Fütterung treten Verdauungsstörungen selten auf. Große Vorsicht ist in Punkto „Unfälle“ geboten. Da Degus die „besten Nager unter den Nagern“ sind, knabbern sie einfach alles an, was natürlich bei z.B. Plastikgegenständen lebensgefährlich sein kann, wenn Teile verschluckt werden. Ganz häufig ist der Schwanz der Degus in Gefahr: die Schwanzhaut reißt leicht (nie einen Degu am Schwanz festhalten oder ziehen!), und dies bedeutet in der Regel, dass die Tiere sich denselben infolge dessen abbeißen. Für ihre Fellpflege brauchen Degus ein tägliches Sandbad mit Vogelsand oder besser Chinchilla-Badesand. Als Sand-Badewanne eigenen sich robuste Keramik- oder Tonschalen oder welche aus Metall.
Degus sind absolut keine Schmuse- und Kuscheltiere, und „stillhalten“ ist überhaupt nicht ihre Stärke. Sie werden zwar zum Teil sehr zutraulich und „furchtlos“ und kommen gelegentlich auch einmal auf die Hand, aber mehr nicht. Für Kinder, die ihr Tier mit sich herumschleppen möchten, sind sie überhaupt nicht geeignet. Degus sind eher Hausgenossen für Menschen, die Spaß haben, die Tiere zu beobachten und sich an ihrer Pfiffigkeit zu erfreuen. Degus verständigen sich übrigens ähnlich wie Meerschweinchen mit Pfeiflauten; meist dienen diese dazu, die Sippe zu warnen, weil irgendwo Gefahr droht. Alles in allem sind Degus sehr sympathische, aber aufgrund ihrer Nagefreude (die man wirklich nicht unterschätzen darf!) leider auch sehr anstrengende Hausgenossen.
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Stand: 09/2019 | Text: © Animal Rights Watch e.V. | Bilder: © Animal Rights Watch e.V. und Pixabay

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