Keine Klimagerechtigkeit ohne Tierrechte! Kommentar zum „Globalen Klimastreik“ am 20.09.2019

ARIWA unterstützte in mehr als zehn Städten den „Globalen Klimastreik“. Rückblickend wünschen wir uns eine engere Zusammenarbeit der Tierrechts- und der Klimaschutzbewegung und stellen dazu fünf Thesen auf.

25. September 2019

Mit Bannern, teils mit Infoständen oder Redebeiträgen beteiligten sich ARIWA Ortsgruppen in Aalen, Bielefeld, Göttingen, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Kassel, Lippstadt, Lüneburg, Paderborn, Reutlingen, Schwäbisch Gmünd, Siegen und Ulm am „Globalen Klimastreik“, bei dem allein in Deutschland 1,4 Millionen Menschen auf die Straße gingen, um Klimagerechtigkeit zu fordern. Nur: Echte Klimagerechtigkeit heißt, Tiere als Leidtragende der zunehmenden Umweltzerstörung mitzudenken und die Rolle der Tiernutzung bei dieser Zerstörung zu beachten. Beides kam nach unseren Erfahrungen zu kurz. Teilweise wurde ARIWA-Aktiven sogar untersagt, an einem offenen Mikrofon über die Zusammenhänge von Tiernutzung und Umweltkrise zu sprechen. Das muss sich ändern!

These 1: Klimaschutz braucht die vegane Wende

Etwa ein Viertel aller schädlichen Treibhausgase kommen aus der Nutztierhaltung. Die Klimakrise ist weit fortgeschritten. Daher gibt es weder eine Veranlassung, ein solch gewichtiges Thema aufzuschieben, noch sich mit Lösungen zufriedenzugeben, die wenig wirkungsvoll sind. Die Bundesregierung möchte uns mit klimaoptimiert gezüchteten Kühen abspeisen. Die FAO geht davon aus, dass mit bestehenden Technologien und Methoden eine Reduktion der Treibhausgasemissionen aus der Tierhaltung um 30% möglich wäre. Demgegenüber steht allerdings die erwartete weltweit steigende Nachfrage nach Tierprodukten um 70%(!) bis 2050. Auch Bio-Tierprodukte sind nicht immer und nicht sehr viel klimaverträglicher als konventionelle. Der konsequente Schritt heißt: Ausstieg aus der Tiernutzung.

These 2: Es geht um mehr als Klimaschutz

Die Klimakrise ist in aller Munde, dabei wird die „ökologische Krise“ immer wieder vernachlässigt. Das Stockholm Resilience Center ermittelte das Ausmaß verschiedener Belastungen des Lebensraums Erde und stufte das Artensterben als weiter fortgeschritten ein als die Klimakrise. Auch das Artensterben wird maßgeblich durch die Fischerei und die Vernichtung von Lebensräumen für den gewaltigen Flächenbedarf der tiernutzenden Landwirtschaft vorangetrieben. Es geht also um weit mehr als nur darum, Treibhausgase in den Griff zu bekommen.

These 3: Tierrechte sind Umweltschutz

Hätten wir erst Rechte wie das Grundrecht auf Leben oder ein politisches Recht auf angestammten Lebensraum für Tiere etabliert, wäre die Zerstörung unseres Planeten im jetzigen Ausmaß überhaupt nicht denkbar. Gleichzeitig kann die Tierrechtsidee nicht ohne eine geschützte Umwelt für Tiere funktionieren. Auch wenn es klingen mag, als würden wir unsere Überzeugungen auf die Klimabewegung projizieren, können wir nicht umhin festzustellen, dass Tierrechte und Umweltschutz einander bestärken. Es ist fraglich, ob das eine ohne das andere überhaupt jemals wirkungsvoll sein kann.

These 4: In der Krise liegt eine Chance

Alle ernstzunehmenden Stimmen der Klimaschutzbewegung sagen heute, was schon lange eine zentrale Überzeugung der Tierrechtsbewegung ist: Wir müssen unseren Lebensstil hinterfragen und bereit sein, uns zu ändern. Die negative Veränderung kommt automatisch – je untätiger wir bleiben, desto heftiger. Wir haben jetzt die Chance, positive Veränderungen zu bewirken. Wenn wir Menschen im globalen Norden lernen, vereint zu handeln, Mechanismen der Gier und Bequemlichkeit zu überwinden und uns als gleichwertigen Teil eines größeren Ganzen zu begreifen, können wir auch ein neues Mensch-Tier-Verhältnis gestalten.

These 5: Tierrechte und Klimaschutz müssen EINE Bewegung werden

Solange die Tierrechtsbewegung weitgehend isoliert agiert, drohen ihre Anliegen ungehört zu bleiben. Gelingt es uns hingegen, mit der Klimaschutzbewegung gemeinsame Forderungen aufzustellen, wird unübersehbar, dass die Krise einen ganzheitlichen Wandel erfordert, der Tierrechte einschließt. Auch die Klimabewegung gewinnt, wenn die Tierrechtsbewegung weitreichende, konsequente Forderungen mit einer klaren Vision für echte Veränderung einbringt, wo bisher oft sehr vage Änderungsvorstellungen von einer „tier- und umweltgerechteren Landwirtschaft“ die Debatte um eine Agrarwende dominieren.

Was können Sie tun?

  • Nehmen Sie an Klimastreiks und ähnlichen Veranstaltungen teil und machen Sie die vegane Idee dort sichtbar.
  • Laden Sie Aktive der Klimaschutzbewegung zu eigenen Infoveranstaltungen zum Thema ein.
  • Starten Sie Diskussionsrunden – zum Beispiel über die oben aufgestellten Thesen.
  • Bringen Sie sich ein in den Orgateams von Fridays for Future, Parents for Future etc.
  • Schließen Sie sich mit Tierrechtsgruppen Klimabündnissen an und gestalten Sie Forderungen im Sinne des Tierrechtsgedankens mit.
  • Veranstalten Sie eigene Demos und Protestaktionen für Tierrechte und Umweltschutz, wenn möglich in Kooperation mit der Klimabewegung.
  • Machen Sie Pressearbeit zu geeigneten Veranstaltungen oder schreiben Sie Leserbriefe.
Mehr zum Thema

Stand: 09/2019 | Text: © Animal Rights Watch e.V. | Bilder: © Animal Rights Watch e.V.

aktiv fuer tierrechte