lecker vegan essen
Wie vegan?

Vegan leben – wie es gelingt und ein Gewinn für alle wird (mit Bildern der Vegan Street Days).

10 Tipps für eine vegane Lebensweise

Sie können sich mit den Motivationen für den Umstieg auf eine vegane Lebensweise identifizieren, aber fragen sich noch, ob auch Sie vegan leben können? Ganz sicher. Und mit diesen Ratschlägen wird es hoffentlich leichter und macht mehr Spaß, als Sie vielleicht erwarten.

Alles zur veganen Ernährung: Das V-Heft
Gründe für die vegane Lebensweise

#1 Die Perspektive ändern
Solange wir glauben, wir „könnten“ nicht vegan leben, sind wir wahrscheinlich in einer recht selbstbezogenen Perspektive gefangen. Wir denken daran, wie gerne wir Fleisch oder Käse essen, dass wir ja damit aufgewachsen sind, dass unsere Freunde erwarten, uns zum Fleischgrillen einladen zu können,… Kurzum: Wir denken zu viel an uns. Versetzen wir uns erst einmal bei jedem Bissen in die Lage des Tieres, das für diese Scheibe Käse sein Kind verloren hat, fällt es uns bedeutend leichter, uns für eine vegane Lebensweise zu entscheiden. Das Spannendste: Ist das vegane Leben einmal in unserem Selbstbild verankert, wollen wir gar nicht mehr zurück.

#2 Kontakte knüpfen
Alles macht mehr Spaß, wenn man es teilt, und vegan leben wird viel einfacher, wenn man mit der eigenen Überzeugung nicht allein ist. Die meisten Menschen, die „rückfällig“ werden, geben Druck aus dem sozialen Umfeld als Grund an. Nicht jeder hat das Glück, dass Freunde oder Familie mitziehen. Erweitern Sie Ihr Umfeld durch andere Menschen, die vegan leben. Gruppen in sozialen Netzwerken, Foren, Stammtische, Feste und das Engagement in Tierrechtsgruppen bieten diese Gelegenheit.

Gleichgesinnte in Ihrer Region

#3 Entdecken statt verzichten
Die Angst, „nichts mehr essen zu können“, wenn man sich für eine vegane Lebensweise entscheidet, ist unbegründet. Es geht vielmehr darum, zu lernen, wie Bekanntes ersetzt werden kann: Hartweizennudeln statt Eiernudeln, Falafel statt Döner, Hafer- oder Reisdrink statt Kuhmilch, Binden beim Backen mit Apfelmus (3EL) oder Kartoffelstärke statt Ei, Lupinenfilets und Fischfilets, Sojaeis statt Milcheis, pflanzlicher Brotaufstrich statt Käse und Wurst… Auch ganz neue Nahrungsmittel können ausprobiert werden: Amaranth, Seitan, Buchweizen, Hirse, und Co. entdecken viele Menschen erst als Veganer*innen. Im Internet finden sich schließlich Anbieter für vegane Schuhe, veganen Schmuck, vegane Drucksachen und fast alles andere.

#4 Erfahrungen nutzen
Mehr als eine Million Veganer lebt in Deutschland. In den vergangenen Jahren haben sie neue Rezeptideen und neue Materialien entwickelt oder Produktanfragen bezüglich versteckter Zutaten an Hersteller gestellt. Dieses Wissen steht zur Verfügung: Über Apps können Produkte überprüft werden oder Erfahrungsberichte zu Restaurants eingesehen werden. Rezeptdatenbanken enthalten Tausende Anregungen für die Küche. Kosmetikblogs zeigen, welche Firmen tierversuchsfrei arbeiten oder wie sich etwas selber machen lässt. In Vegan-Foren sind Antworten gesammelt, welche Säfte oder Weine ohne Gelatine und Fischblasen geklärt wurden. Das Internet und die vegane Community haben das vegane Leben  viel einfacher gemacht.

#5 Produkte kennenlernen
Im Supermarkt legt man schnell ein Produkt in den Einkaufswagen ohne so genau zu wissen, was es eigentlich enthält. Wer sich mit Veganismus auseinandersetzt, lernt diese Produkte oft besser kennen. Der kritische Blick auf die Zutatenliste, anfangs vielleicht als nervig empfunden, bringt letztlich viele neue Erkenntnisse. In der Auseinandersetzung mit Produkten lernt man zudem etwas mehr über die Konzerne hinter diesen Produkten: Welche Großkonzerne, die Tierversuche durchführen oder auch Menschenrechte mit Füßen treten, einen Großteil aller Lebensmittelmarken stellen – oder welche Hersteller veganer Produkte aus ethischen Motiven handeln und welche Fleischkonzerne sind, die nur auf zusätzlichen Profit hoffen.

#6 Veränderungen anstoßen
Ob ein einzelner Mensch, der vegan lebt, einen Unterschied macht? Jeder Einzelne ist einer von Millionen. Aber schon der Einzelne macht einen Unterschied – besonders dann, wenn wir im Restaurant oder im Geschäft nach veganen Angeboten fragen. Wenn dadurch zusätzliche Produkte ins Sortiment genommen werden, eröffnet das anderen die Chance zu sehen, dass vegane Optionen da sind und diese einmal auszuprobieren. Aber auch Unternehmen, Politik und Medien können in veganen Ansätzen bestärkt oder darauf gestoßen bzw. für das Festhalten an Tierprodukten kritisiert werden. Nicht jeder Leserbrief, nicht jede Protestmail und nicht jedes gutgemeinte Schreiben verändern die Welt, aber alle tragen zur gesellschaftlichen Debatte bei.

#7 An sich glauben
Veganismus wird von kritischen Stimmen gern als Religion missverstanden, aber wenn es dabei um Glauben geht, dann um den Glauben an sich selbst: Finden Sie den Mut, Ihre eigenen moralischen Werte über gesellschaftliche Normen zu stellen und glauben Sie daran, dass Sie einen Unterschied machen. Erst lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du. Auf politischer Ebene werden in den letzten Jahren verstärkt Verbote durchgesetzt, dass vegane Produkte nicht wie das „Original“ heißen dürfen, und Menschen, die Recherchen in der Tierindustrie durchführen, sollen zunehmend kriminalisiert werden. Stufe zwei ist also längst erreicht. Die vegane Bewegung macht einen Unterschied und wächst stetig. Gemeinsam machen wir echte Veränderung möglich.

#8 Vegan als offenen Prozess verstehen
Wer sich einmal mit dem Leid der Tiere befasst, stößt schnell auf weitere Themen: Regenwaldzerstörung für Palmöl, Großkonzerne, die den Armen das Wasser rauben, erbärmliche Arbeitsbedingungen für Billigkleidung, Ozeanverschmutzung durch Plastikmüll … Produkte tierlichen Ursprungs abzulehnen ist ein starker und wichtiger Schritt, wenn wir eine friedvollere Gesellschaft erreichen wollen, aber keiner, mit dem wir uns auf ein Podest stellen sollten. Begreifen wir vegan als andauernden Prozess und reflektieren weiterhin das eigene Verhalten, um Leid zu reduzieren! Statt uns zum Beispiel von Konzernen neue exotische Superfoods mit schlechtem ökologischen Fußabdruck verkaufen zu lassen, lohnt sich ein Blick auf regionale, verpackungsfreie, Bio- und Second-Hand-Optionen. Vegan ist nicht das Ziel. Es ist der Anfang.

Hartmut Kiewert

#9 Gesellschaftlichen Wandel fördern
In vielen Details ist es noch schwer, ganz und gar zu vermeiden, dass Tiernutzung in einem Produktionsprozess involviert war. Aber wer soll das ändern, wenn nicht wir? Wir müssen darauf hinwirken, dass vegan nicht nur als eine Ernährungsfrage verstanden wird, sondern in allen Bereichen des Lebens und der Produktion vegane Optionen als Standard etabliert werden. Es darf nicht sein, dass langfristig noch Bücher über vegane Rezepte mit Leim aus Knochen hergestellt werden und Gemüse wie selbstverständlich mit Tierdung angebaut wird. Dass Letzteres anders geht, beweist der biovegane Landbau – heute noch eine Randerscheinung, die aber ebenfalls bereits unterstützt werden kann. Warten wir nicht darauf, dass sich die Gesellschaft ändert – ändern wir die Gesellschaft!

Vortrag zu Tierrechten

#10 Überzeugungen vertreten
Eine vegane Lebensweise ist die praktische Umsetzung der moralischen Überzeugung, dass wir als Menschen die Verantwortung haben, Tieren Rechte zuzugestehen und unsere Umwelt zu schützen. Diese Überzeugungen finden im veganen Leben Ausdruck, werden aber nicht durch das vegane Leben allein Wirklichkeit. Wenn wir wirklich Veränderung in der Welt sehen wollen, müssen wir dafür eintreten. Den Tieren, die keine Chance haben, ihre eigenen Rechte einzufordern, werden wir nicht gerecht, indem wir „still und heimlich“ vegan leben, sondern noch am ehesten, indem wir in ihrem Sinne demonstrieren. Werden Sie aktiv für Tierrechte.

Aktiv werden

Stand: 07/2019 | Text: © Animal Rights Watch e.V. | Bilder: © Animal Rights Watch e.V.

aktiv fuer tierrechte