Schweine über Monate zentimetertief im eigenen Kot – Veterinäramt schreitet nicht ein

Verstörende Bilder von Ende November 2020 zeigen, wie hunderte Schweine zentimetertief in ihrem eigenen Kot stehen und liegen. Das Brisante: Die Zustände sind dem Veterinäramt seit November bekannt und bestehen noch immer, da die ursächlichen technischen Probleme bis heute nicht behoben sind. Der Betrieb konnte all die Zeit ungehindert weitergeführt werden, ohne dass die betroffenen Tiere wenigstens anderweitig untergebracht worden wären. Erneut zeigt sich, dass Veterinärkontrollen nicht einmal die Einhaltung minimaler Hygienestandards gewährleisten können. Als Folge leiden die Tiere noch mehr als üblich.

8. Januar 2021, Brandenburg

rbb Brandenburg Aktuell berichtet heute mit Videomaterial von ARIWA.

Übliche Wunden und Erkrankungen

Wie üblich leiden die Schweine auch im hier gefilmten Betrieb haltungsbedingt an Nekrosen durch abgebissene Schwänze, offenen Wunden, Nabelbrüchen und Augenentzündungen. In einem Gang der Anlage fehlt die Abdeckung des Güllebeckens. Dass Schweine hineinfallen und qualvoll ertrinken können, wird offenbar in Kauf genommen. In den Kadavertonnen befinden sich zudem Tiere mit blutigen Kopfverletzungen von Bolzenschussgeräten. Dies deutet darauf hin, dass hier regelmäßig kranke Schweine unsachgemäß getötet werden – was ARIWA auch in anderen Betrieben bereits vielfach dokumentiert hat.

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Für den Komplettausstieg aus der Tierhaltung

Tierquälerische Zustände sind Standard in der Agrarindustrie. Oft werden Tierhaltungsverordnungen missachtet, Veterinärkontrollen versagen. Der aktuelle Fall zeigt erneut, dass Routinekontrollen nicht einmal die Einhaltung der ohnehin schon absurd niedrigen gesetzlichen Mindeststandards gewährleisten können. Aber selbst funktionierende Kontrollen könnten das Leid der Tiere nur etwas mildern, keineswegs abschaffen. Denn auch bei Einhaltung aller Rechtsvorschriften bedeutet die Tierproduktion zwangsläufig Ausbeutung, Unfreiheit, Leid und Tod für die Tiere.

Wir fordern daher einen Komplettausstieg aus der Tierproduktion und stattdessen die Förderung pflanzlicher Lebensmittel sowie eines biologischen Pflanzenbaus, der komplett ohne Tiernutzung auskommt. Nur so können wir wirklich verhindern, dass Abermillionen Tiere für uns Menschen sinnlos leiden.

Update 13. Januar 2021

Die Schweinemast mit ca. 3.000 Schweine wird geschlossen. Dem Betreiber wird die Tierhalteerlaubnis entzogen. Wir gehen davon aus, dass alle Schweine anderswo gemästet und dann geschlachtet oder sofort getötet werden. Auch wenn diese 3000 Schweine leider nicht gerettet werden können, ist es doch ein Erfolg, dass das die letzten 3000 Schweine in dieser Anlage waren!

Hätte das Veterinäramt nicht so lange weggeschaut, wäre die Anlage wahrscheinlich längst geschlossen. Die Überforderung bzw. Nachsicht der Behörden trägt entscheidend mit dazu bei, dass sich die Situation in diesem und ähnlichen Fällen derart katastrophal zuspitzen kann. Darunter leiden dann natürlich vor allem die Tiere. Würden die Bedürfnisse der Tiere ernst genommen, gäbe es gar keine Schweinemast mehr!

Update 7. August 2021

Ende August 2021 sollen die letzten 180 Schweine abtransportiert und geschlachtet werden. Unsere Bilder konnten diesen Schweinen nicht mehr helfen. Doch wenigstens werden hier nie wieder Schweine leiden müssen. „Es ist auch unwahrscheinlich, dass aufgrund der Nähe zum Ort an dieser Stelle eine neue Anlage in der Zukunft errichtet werden kann“, bestätigt das Landesumweltamt.

Stand: 01/2021 | Text: © Animal Rights Watch e.V. | Bilder: © Animal Rights Watch e.V.

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