Hahn
„Masthühner“

In maximal sechs Wochen bis zur „Schlachtreife“: Das Leben eines Huhns für die Fleischproduktion ist kurz und leidvoll.

42 Tage bis zum Tod

Das Leben eines „Masthuhns“ beginnt als Waise. Das Ei, aus dem es zwischen tausenden anderer schlüpft, stammt aus einer sogenannten „Elterntierhaltung“, wo tausende oder zehntausende Hennen spezieller „Mastrassen“ mit Hähnen in eine Halle gesperrt sind und ausschließlich Eier für die Hühnermast legen. Nach 21 Tagen im Brutschrank schlüpfen die Küken in einer Brüterei, ohne jemals ihre Eltern gesehen zu haben. Allein 2019 wurden so in Deutschland unvorstellbare 668.703.462 Masthuhnküken „produziert“.

Das Leben der Masthühner

Nach dem Schlupf werden die Küken, bei denen es sich nicht nur um „Hähnchen“, sondern zu gleichen Teilen um weibliche und männliche Tiere handelt, sortiert, geimpft, verpackt, verladen, transportiert und in Mastanlagen „eingestallt“. Heutige Standard-Mastanlagen werden belegt mit etwa 40.000 Tieren, selbst Anlagen mit 100.000 Hühnern oder mehr sind keine Seltenheit. 79 % aller deutschen „Masthühner“ kommen aus Anlagen mit mehr als 50.000 Tieren, 99 % aus Anlagen mit mindestens 10.000 Tieren.

Mehr als 94 Millionen „Masthühner“ leben in diesem Augenblick gerade unter uns – und trotzdem sehen wir sie nicht. Sie sind weggeschlossen in strukturlosen Megahallen, in denen es nichts gibt als Futter- und Tränkapparate. Einmalig vor dem Einstallen wird hier eine dünne Schicht Einstreu eingebracht. Im Laufe der Mast bleibt von dieser Einstreu nichts übrig: Stattdessen leben die Tiere auf einer immer dicker und feuchter werdenden Schicht ihrer eigenen Ausscheidungen. Mehr als drei Kilogramm Kot produziert jedes der Küken in seinem kurzen Leben. Tageslicht sehen während der Mast die allerwenigsten von ihnen. Sie leben in fensterlosen Hallen unter Kunstlicht, ihr Piepen wird überdröhnt von den Motoren der Lüftungsanlagen.

Wo anfangs die Eintagsküken noch Platz in den Hallen hatten, herrscht bald dichtes Gedränge. Die hochgezüchteten Tiere wachsen enorm schnell in die Hallen hinein, bis sich Huhn an Huhn drängt. Die vom Gesetzgeber erlaubten Besatzdichten betragen bis zu 42 Kilogramm Hühner pro Quadratmeter Stallfläche. Das sind zum Beispiel 28 anderthalb Kilo schwere „Kurzmasthühner“, die sich auf einem Quadratmeter drängen müssen.

Das Leben der Küken währt nur kurz: durchschnittlich 36 Tage. Die Mastdauer ist abhängig von der späteren Verarbeitung der Tiere. Diejenigen, die für eine Vermarktung „am Stück“ vorgesehen sind, haben nach 29 Tagen in der „Kurzmast“ ihr Schlachtgewicht von 1,5 Kilogramm erreicht. Die meisten „Masthühner“ jedoch sind für eine „Verarbeitung von Teilstücken“ vorgesehen. Die dafür angesetzte „Mittellangmast“ und „Langmast“ dauert 34 bis 42 Tage, die Tiere erreichen ein Körpergewicht von 2 bzw. 2,5 Kilogramm. Ihr bei den Konsumenten beliebtester Körperteil: die Hühnerbrust.

Genau diese „Hühnerbrust“ sowie das nächstbeliebte „Teilstück“, die Schenkel, verursachen den Masthühnern während ihres kurzen Lebens massive Probleme. Die Tiere sind auf ein rasantes Wachstum und die Ausprägung einer überdimensionalen Brust hin gezüchtet. Häufige Folgen der schnellen Gewichtszunahme sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen des ganzen Bewegungsapparates. Der Körper eines solchen „Turbomasthuhns“ bricht nicht selten unter dem eigenen Gewicht zusammen. Kann das Tier die Tränk- und Futterapparate dann nicht mehr erreichen, ist das oft sein Todesurteil.

Mangelnde Knochenfestigkeit, ein viel zu hohes Körpergewicht bei zu schnellem Wachstum und eine dadurch bedingte erheblich eingeschränkte Lauffähigkeit mit Beinfehlstellungen führen oft zu schweren Bewegungseinschränkungen. Die Tiere liegen immer öfter auf der Brust, wo Hautreizungen, Entzündungen und Brustblasen entstehen können. Auch an den Gelenken zeigen sich häufig Entzündungen. Viele der Tiere können sich nur unter starken Schmerzen fortbewegen. Die hohen Besatzdichten, Dauerstress und steigende Ammoniak- und Keimbelastung in den Hallen verschlimmern die gesundheitlichen Probleme noch.

Viele Tiere würden die Intensivmast ohne massiven Arzneimittel- und Antibiotikaeinsatz gar nicht überleben und vorzeitig an Krankheiten und Seuchen sterben. Der flächendeckende Antibiotikaeinsatz bleibt nicht ohne Folgen und führt zur Bildung multiresistenter Erreger. Auf eine Tierärzt*in warten erkrankte Tiere vergebens. Die Behandlung eines Einzeltieres wäre unwirtschaftlich und ist deshalb nicht vorgesehen. Kranke Tiere werden „gemerzt“, also von den Mäster*innen getötet, oder bleiben sich selbst überlassen. So finden sich auch komplett bewegungsunfähige Tiere mit gebrochenen und ausgekugelten Beinen in den Mastanlagen. Sie sterben zwischen ihren Artgenossen. Ihre Leichen liegen oft tagelang – oder bis sie zerfallen sind – zwischen den lebenden Tieren. Die verwesten Reste werden nach der Ausstallung mit ausgemistet.

Die Mortalitätsrate in der Hühnermast, also der Anteil der Tiere, die schon während der kurzen Mastdauer sterben, liegt bei etwa 5 %. Hochgerechnet auf die fast 670 Millionen „Masthühner“, die jährlich in Deutschland eingestallt werden, ergibt dies ein wahres Massensterben von fast 35 Millionen Hühnern jährlich. Verbildlicht entspricht das 1000 Mastanlagen, jede gefüllt mit den Leichen von 35.000 Hühnern, die unter Schmerzen an zucht- und haltungsbedingten Krankheiten gestorben oder, zur Bewegungsunfähigkeit verdammt, qualvoll verhungert und verdurstet sind. Doch selbst diese Zahlen verblassen neben den rund 620 Millionen „Masthühnern“, die jedes Jahr in deutsche Schlachthöfe gekarrt und dort noch in den ersten Wochen ihres Lebens getötet werden.

Falsches Huhn aus echten Pflanzen

Dass kein Mensch Hühner essen muss, hat sich inzwischen herumgesprochen. Und längst gibt es leckere pflanzliche Alternativen zu Brathähnchen und Chicken Nuggets, mit denen auch das hartnäckigste Gewohnheitstier in uns sein gelegentliches Verlangen stillen kann. Dieses „falsche Huhn“ hat weder einen Stall noch einen Tiertransporter oder Schlachthof von innen gesehen – und daher, anders als die echten „Masthühner“, keinen Leidensweg bis zum Teller hinter sich. Ganz nebenbei ist der Umstieg auf solche tierleidfreien Alternativen praktizierter Umwelt- und Klimaschutz, da ihre Herstellung mit deutlich weniger Emissionen, Land- und Wasserverbrauch verbunden ist als die Aufzucht und Tötung von hunderten Millionen Tieren.

Stand: 08/2019 | Text: © Animal Rights Watch e.V. | Bilder: © Animal Rights Watch e.V.

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