Hahn
„Masthühner“

In 30 Tagen bis zur „Schlachtreife“: Das Leben eines Huhns für die Fleischproduktion ist kurz und leidvoll.

Das Leben der „Masthühner“: maximal 6 Wochen bis zum Tod

Das Leben des „Masthuhns“ beginnt als Waise im Brutschrank. Das Ei, aus dem es zwischen Tausenden anderer in einer Brüterei schlüpfte, stammt aus einer „Elterntierhaltung“. Tausende oder Zehntausende Hennen der so genannten „Mastrassen“ leben dort zusammen mit Hähnen und produzieren ausschließlich Eier, aus denen Küken für die Hühnermast schlüpfen. Nicht im elterlichen Nest, sondern nach 21-tägiger Brutdauer im Brutschrank einer Brüterei. Unvorstellbare 677Millionen183Tausend Masthühnerküken schlüpften im Jahr 2017 in deutschen Brütereien.

Das Leben der Masthühner

Nach dem Schlupf werden die Küken, bei denen es sich nicht nur um „Hähnchen“, sondern zu gleichen Teilen um weibliche und männliche Tiere handelt, sortiert, geimpft, verpackt, verladen, transportiert und in Mastanlagen „eingestallt“. Heutige „Standartmastanlagen“ werden belegt mit etwa 40.000 Tieren, selbst Anlagen mit 100.000 „Masthühnern“ oder mehr sind keine Seltenheit mehr. 79 % aller Masthühner kommen aus Anlagen mit mehr als 50.000 Tieren, 99 % der deutschen Masthühner werden in Anlagen mit mindestens 10.000 Tieren gehalten.

Über 94 Millionen Masthühner leben grade in diesem Augenblick unter uns – trotzdem sehen wir sie nicht. Sie leben in strukturlosen Megahallen, in denen es nichts gibt als Futter- und Tränkapprate. Einmalig vorm Einstallen wird eine dünne Schicht Einstreu eingebracht. Im Laufe der Mast bleibt von dieser Einstreu nichts mehr übrig: stattdessen leben die Tiere auf einer immer dicker und feuchter werdenden Schicht ihrer Ausscheidungen. Mehr als 3 Kilo Kot produziert jedes der Küken in seinem kurzen Leben. Tageslicht sehen die allerwenigsten von ihnen während ihrer Mast: sie leben in fensterlosen Hallen unter Kunstlicht, ihr Piepen wird überdröhnt von den Motoren der Lüftungsanlagen.

Wo am Anfang die Eintagsküken noch Platz in den Hallen hatten, herrscht bald dichtes Gedränge. Sie wachsen enorm schnell in die Hallen hinein, bis sich Huhn an Huhn drängt. Die vom Gesetzgeber erlaubten Besatzdichten betragen bis zu 42 Kilogramm Hühner pro Quadratmeter Stallfläche. Das sind zum Beispiel 28 anderthalb Kilo schwere „Kurzmasthühner“, die sich auf einem Quadratmeter Stallfläche drängen müssen.

Das Leben der Küken währt nur kurz: durchschnittlich 36 Tage. Die Mastdauer ist abhängig von der späteren Verarbeitung der Tiere. Diejenigen, die für eine Vermarktung „am Stück“ vorgesehen sind, haben nach 29 Tagen in der „Kurzmast“ ihr Schlachtgewicht von 1,5 Kilogramm erreicht. Die meisten Masthühner jedoch sind für eine „Verarbeitung von Teilstücken“ vorgesehen: die „Mittellangmast“ und „Langmast“ dauert 34 bis 42 Tage. Diese Tiere erreichen ein Körpergewicht von 2 bzw. 2,5 Kilogramm. Ihr bei den Konsumenten beliebtester Körperteil: die Hühnerbrust.

Genau diese „Hühnerbrust“ sowie das nächst beliebte „Teilstück“, die Schenkel, verursachen den Masthühnern während ihres kurzen Lebens massive Probleme. Die Tiere wurden auf ein rasantes Wachstum und die Ausprägung einer überdimensionalen Brust gezüchtet. Die Folgen der schnellen Gewichtszunahme sind Herz-Kreislauferkrankungen und Erkrankungen des ganzen Bewegungsapparates. Der Körper des „Turbumasthuhns“ bricht nicht selten unter dem eigenen Gewicht zusammen.

Mangelnde Knochenfestigkeit, ein viel zu hohes Körpergewicht bei zu schnellem Wachstum und eine dadurch bedingte erheblich eingeschränkte Lauffähigkeit mit Beinfehlstellungen führen oft zu schweren Bewegungseinschränkungen. Die Tiere liegen immer öfter auf der Brust, wo Hautreizungen, Entzündungen und Brustblasen entstehen können. Auch an den Gelenken zeigen sich häufig Entzündungen. Viele der Tiere können sich nur unter starken Schmerzen fortbewegen. Die hohen Besatzdichten, Dauerstress und steigende Ammoniak- und Keimbelastung in den Hallen verschlimmern die gesundheitlichen Probleme noch.

Viele Tiere würden die Intensivmast ohne massiven Arzneimittel- und Antibiotikaeinsatz gar nicht überleben und vorzeitig an Krankheiten und Seuchen sterben. Der flächendeckende Antibiotikaeinsatz bleibt nicht ohne Folgen und führt zur Bildung multiresistenter Erreger. Auf eine Tierärzt*in warten erkrankte Tiere vergebens. Die Behandlung eines Einzeltieres ist nicht vorgesehen und wäre unwirtschaftlich. Kranke Tiere werden „gemerzt“, also von den Mäster*innen getötet, oder bleiben sich selbst überlassen. So finden sich auch komplett bewegungsunfähige Tiere mit gebrochenen und ausgekugelten Beinen in den Mastanlagen: sie sterben zwischen ihren Artgenossen. Ihre Leichen liegen oft tagelang oder bis sie zerfallen sind zwischen den lebenden Tieren – die verwesten Reste werden nach der Ausstallung mit ausgemistet.

Die ungefähre Mortalitätsrate, also die Anzahl der Tiere, die schon während der Mast sterben, liegt bei etwa 5 %. Umgerechnet auf die ca. 900 Millionen Masthühner, die jährlich in Deutschland geschlachtet werden (970 Mio. Tiere in 2017), ergibt dies ein unvorstellbares Massensterben von ca. 45 Millionen Masthühnern jährlich, die schon während der Mast an ihren Krankheiten sterben. Macht verbildlicht 1000 Mastanlagen, welche gefüllt sind mit den Leichen von jeweils 45.000 toten Hühnern, die unter Schmerzen an ihren zucht- und haltungsbedingten Krankheiten gestorben sind.

Durch das ständige Ausrutschen auf den glitschigen Betonspalten haben viele Tiere Fuß- und Beinverletzungen. Sie können nur unter Schmerzen laufen, humpeln, lahmen, haben manchmal Ballgroße eitrige Abszesse. Selbst kleine Verletzungen werden aufgrund von Besiedelung mit verschiedensten Erregern und dem permanenten Kontakt offener Wunden mit Kot und Gülle zum oftmals tödlichen Problem. Viele Mastschweine leiden dazu unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenerkrankungen. Durch das schlechte Stallklima und das Leben über der eigenen Gülle: der ausdünstende Ammoniak schädigt ihr Lungengewebe, Krankheitserreger haben ein leichtes Spiel.
Die hygienischen Bedingungen in der Schweinehaltung sind „unter aller Sau“: trockene, saubere Liegeplätze gibt es nicht, auch zugekotete Futterrinnen sind keine Seltenheit. Viele Schweine überleben die Dauer der Mast nicht die Mortalitätsrate in einem „normalen Schweinestall“ liegt bei 5 %. Nicht selten liegen tote Schweine über längere Zeiten zwischen den lebenden Artgenossen: ihre toten Körper dienen als „Beschäftigungsmaterial“, werden bekaut und mit den Rüsseln durch die Buchten geschoben.
In einem Alter von 7-8 Monaten haben die jungen Schweine, die die Mast überlebt haben, ihr „Schlachtgewicht“ von etwa 110 Kilo erreicht – nicht einmal die Hälfte des Gewichtes eines erwachsenen Schweins. Für Schweine, die bei der Schlachtung nicht dieses Norm-Gewicht haben, gibt es Preisabzüge für die Mäster. Die Schweine werden aus ihren Mastbuchten getrieben, auf LKWs verladen und zum Schlachthof transportiert. Ein letzter Weg in erdrückendem Gedränge, Stress, Hitze, Kälte, die Tiere beißen und treten sich, haben in der Enge kaum eine Möglichkeit, an Trinkwasser zu kommen. Sofern es überhaupt welches gibt. Das sind sie allerdings schon aus ihren Mastbuchten gewohnt, wo sie Trinkwasser – wenn überhaupt – nur über Nippeltränken bekamen.

Abgeladen in den Wartebereichen der Schlachthöfe haben die Tiere ihren eigenen Tod vor Augen, riechen das Blut und hören die letzten panischen Schreie ihrer Artgenossen. Bevor sie selbst zur Schlachtung getrieben und mit Strom oder Gas betäubt werden, ihre Halsschlagader aufgeschnitten wird, sie ausbluten und im Brühbad landen. Durch die Akkordarbeit in den Schlachthöfen, oftmals von Billiglöhnern unter enormem Zeitdruck ausgeführt, ist es an der Tagesordnung, dass Schweine vor ihrer Schlachtung nur unzureichend betäubt werden und ihren Tod und ihre beginnende Zerlegung bei vollem Bewusstsein erleben. Dem Schnitzel in der Kühltheke sehen wir nicht an, wie das Leben des Schweins zu Ende ging.

Falsches Huhn aus echten Pflanzen

Die Alternative für das menschliche Gewohnheitstier mit Verlangen nach Brathähnchen kommt bei seiner Entstehung mit deutlich weniger Pflanzenmaterial aus. Sie hat weder jemals einen Stall noch einen Tiertransporter und auch keinen Schlachthof von innen gesehen. Falsches Huhn aus echten Pflanzen – erhältlich im gut sortierten veganen Shop. (Bezugsquellen unter www.v-heft.de)

Stand: 08/2019 | Text: © Animal Rights Watch e.V. | Bilder: © Animal Rights Watch e.V.

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