Schulmilch Tetrapacks
Schulmilch

Der Umgang der Agrarlobby mit Kritik an der gegenwärtigen Landwirtschaft dient dazu, ernsthafte Diskussionen zu vermeiden und insbesondere den Forderungen nach grundsätzlichen Veränderungen des Status Quo keinen Raum zu geben.

Schulmilchprogramm der EU

Die EU fördert die Werbung für und den Absatz von Milch an Schulen mit dreistelligen Millionenbeträgen. Dazu gehört eine direkte Bezuschussung von Milchgetränken für Schüler*innen und Kindergartenkinder – inklusive Erdbeer- oder Vanillemilch. Außerdem sollen die EU-Mitgliedsstaaten 10-20 % des Geldes für Bildungsmaßnahmen „zur gesunden Ernährung“ verwenden.

Was in diesem Rahmen ablaufen kann, sieht man zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, wo die Milchwirtschaft besonders aktiv an Schulen ist.

Beispiel NRW

„Hier gibt es schon seit langem ein Schulmilchförderungsprogramm, das durch verschiedene Kooperationspartner unterstützt und durch die LV Milch NRW koordiniert und umgesetzt wird. Zu den Partnern gehören neben dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur-und Verbraucherschutz des Landes NRW, das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die Schulmilch herstellenden Molkereien, die LandFrauen, die Landfrauen-Servicebüros sowie weitere Aktionspartner.“

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, das die Programme koordiniert und unterstützt, lässt verlauten:

„Ziel ist es, möglichst viele Kinder mit dem Programm zu erreichen, so dass jedes Kind durch die Unterstützung der EU-Förderung täglich einen viertel Liter Schulmilch trinken kann.“

Konkrete Projekte

Von der Seite genius-milch-nrw.de

  • die Unterrichtseinheiten zum Thema Milch werden von Fachkräften des NRW-Schulmilchteams angeboten
  • Das Projekt Migration richtet sich gezielt an Familien mit Migrationshintergrund
  • Der Milchcup ist ein jährlicher Schulwettbewerb im Tischtennisrundlauf
  • die Vision-Factory ist eine multimediale Lernwerkstatt
  • Die Schulmilch-Eventmodule sind Bewegungsmodule zur Bereicherung von Schulfesten
  • den Workshop Milchparkour, basierend auf der Trendsportart Le Parkour

Zu den Unterrichtseinheiten heißt es außerdem konkreter:

„Die Kinder lernen wie wichtig das Frühstück als „Energiemotor“ für den Tag ist, welche Lebensmittel zu einem gesunden Frühstück gehören, und dass Milch und Milchprodukte unverzichtbare Bestandteile eines solchen Frühstücks sind.“

Quelle

Alle Projekte werden in direkter Kooperation von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW und dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen realisiert. Die entsprechenden Informationen finden sich sowohl auf Milchwirtschafts- als auch auf Ministeriumsseiten.

Schulmilch Tetrapacks

Einschätzung

Mit der Bezuschussung von Milchgetränken und der Organisation des Angebots an Schulen und Kindergärten wird direkt die Milchwirtschaft gefördert, die ja selbst an den Programmen mitwirkt. Die mit den verschiedenen Programmen erzielte Werbung für Milchprodukte erreicht mit den Kindern und Jugendlichen zahlreiche gegenwärtige und zukünftige Konsument*innen. Von staatlicher Seite wird diese Lobbyarbeit und Werbung an Schulen (und auch bereits Kindergärten) nicht nur zugelassen, sondern sogar massiv unterstützt und finanziell gefördert.

Gesundheit

Wie ist die gesundheitliche Wirkung von Schulmilch zu beurteilen? Für einen Artikel hat die Zeitung Die Welt verschiedene Expert*innen gefragt. Obwohl diese keine generelle Kritik am Milchkonsum üben – die ja auch immer öfter hörbar wird (siehe z. B. im Spiegel) – sehen sie das Schulmilch-Programm sehr kritisch. Ein Kritikpunkt ist, dass über das Programm auch gezuckerte Getränke wie Erdbeermilch gefördert werden. Dadurch würden überschüssige Kalorien aufgenommen und die Getränke wirkten wie eine Droge, sagt eine Kinderärztin der Uniklinik.

Ob Milch generell eher gesund oder ungesund ist, ist heutzutage mindestens umstritten.

Klar ist jedoch erstens, dass sie nur mit Gewalt gegen Kühe und Kälber erzeugt werden kann.

Klar ist zweitens auch, dass ein gesundes Leben ohne Milch möglich ist – auch für Kinder und Jugendliche (siehe z.B. American Dietetic Association, Ernährungswissenschaftler Dr. Markus Keller).

Fazit

Beim Schulmilchprogramm handelt es sich um eine einseitige Förderung der Milchwirtschaft, die für die betroffenen Schüler*innen eher schädlich als nützlich ist, und die zudem eine brutale Praxis gegenüber Tieren unterstützt.

Besonders makaber ist natürlich, dass das Programm in NRW vom selben Ministerium koordiniert wird, das auch für Klimaschutz zuständig ist – Tierhaltung und insbesondere Rinderhaltung sind im Hinblick auf Klimaschutz ziemlich katastrophal.

Aktionsmöglichkeiten

Stand: 08/2019 | Text: © Animal Rights Watch e.V. | Bilder: © Pixabay

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