Jahresbericht 2020: Das Wichtigste auf einen Blick

Wie kein anderes Jahr zuvor hat 2020 die Zusammenhänge zwischen Tierkonsum und Krankheiten sichtbar und für viele Menschen spürbar werden lassen. COVID-19, die Afrikanische Schweinepest und die Vogelgrippe haben den Druck auf die Tierindustrie enorm erhöht. Mit Ihrer Hilfe kämpfen wir dafür, dass dieser Druck nicht zu noch mehr Tierleid führt, sondern zu nachhaltiger Veränderung.

22. Dezember 2020

Medien-Veröffentlichungen

Im Jahr 2020 stand das System Schweinezucht im Fokus unserer Recherche-Veröffentlichungen. Unsere Bilder bei Spiegel Online, MDR Exakt, Spiegel TV sowie in vielen überregionalen und lokalen Medien erreichten Millionen Menschen. Den Anfang machten im Februar zwei Berichte über das brutale Erschlagen von Ferkeln in Brandenburg und den jahrzehntelangen Rechtsbruch bei der Haltung von Säuen in Kastenständen. Diese illegale Praxis thematisierte im Mai auch der RBB am Beispiel einer weiteren Brandenburger Schweinezuchtanlage.

Hohe Wellen schlugen unsere Bilder aus der Schweinezucht- und -mastanlage eines bekannten Bauernlobbyisten, die der Spiegel im August veröffentlichte. Im September berichtete die VOX-Sendung hundkatzemaus über das Leid der Tiere in einer sächsischen Schweinezucht. Besonders brisant dabei: Schon 2018 hatten wir in dieser Anlage die gleichen, furchtbaren Zustände dokumentiert. Im November schließlich zeigte auch das Online-Magazin ZDF frontal_ anhand unserer Aufnahmen, dass schwache, aber überlebensfähige Ferkel im Jahr 2020 noch immer systematisch erschlagen werden, nur weil ihre Aufzucht sich für die Betriebe nicht rentiert.

Wie sehr dieses System Tiere zur bloßen Ware degradiert, machten in der zweiten Jahreshälfte die durch COVID-19 bedingten zeitweiligen Schließungen von Schlachthöfen deutlich. Schnell war die Rede von einem „Stau“ der Tiere in den Mastanlagen, der abgebaut werden müsse. Unser Protest gegen die drohende Tötung „überzähliger“ Schweine und Puten alarmierte die Öffentlichkeit. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass ab November zehntausende, meist gesunde Vögel wegen der zurückkehrenden Vogelgrippe getötet wurden – ebenfalls aus rein wirtschaftlichen Gründen.

Dass kranke Puten auch schon im „Normalbetrieb“ grausam totgeprügelt werden, deckte Spiegel TV Ende November mit Aufnahmen aus der Mastanlage eines führenden deutschen „Geflügel“-Lobbyisten auf. Das alltägliche Leid der Kühe zeigte im Mai das NDR Nordmagazin mit Bildern aus einem Milchbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern, das der „Legehennen“ ein Rundgang durch eine Bio-Eierfabrik, den ZDF frontal 21 im März ausstrahlte. Und bereits im Januar konnten wir eine Mediendebatte darüber anstoßen, weshalb die tierquälerische Anbindehaltung von Rindern kein Kulturerbe sein darf.

Erstmals veröffentlichten wir neues Videomaterial außerdem „live“ im Rahmen einer Demonstration für die Schließung aller Schlachthäuser: Die Szenen aus einem bio-zertifizierten ­ Regionalschlachthof in Niedersachsen zeigen den verzweifelten Todeskampf von „Bio-Tieren“.

Bundesweite Aktionen

Der vierte Welttag für das Ende der Fischerei fiel Ende März genau in die erste Pandemiewelle. Mehr als hundert geplante Aktionen wurden weltweit abgesagt. Stattdessen veröffentlichten Aktive aus aller Welt Bild- und Videobotschaften online. Mehrere ARIWA Ortsgruppen beteiligten sich mit aussagekräftigen und künstlerischen Beiträgen. Zusätzlich stellten wir 11 Gründe gegen Fischerei und Fischzucht zusammen und beantworteten gesammelte Fragen.

Die Demonstrationsreihe 2020 für die Schließung aller Schlachthäuser kann trotz Einschränkungen auf zehn gelungene Veranstaltungen zurückblicken. Mit den gebotenen Schutzmaßnahmen gingen wir gemeinsam für einen dauerhaften Ausstieg aus dem System Tierproduktion auf die Straße. In Bielefeld, Kassel und München war es bereits die fünfte Demonstration dieser Art. Im Zuge der Debatte um Schlachthäuser als COVID-19-Hotspots führten wir zusätzlich einen Aktionstag vor Landesparlamenten mit zehn weiteren Kundgebungen durch. Weshalb leidende Tiere, zerstörte Lebensräume und bedrohte Menschen zusammenhängen, erklärten wir zudem mit mehr als 60 Aktiven in einer gemeinsamen Videobotschaft.

Im April übergaben wir unsere Petition „Das große Sterben sichtbar machen!“ dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Ende August unterstützte ARIWA die bundesweit erste große Demonstration zum Welttag für das Ende des Speziesismus in Frankfurt und organisierte eigene Protestveranstaltungen in Düsseldorf und Göttingen.

Veranstaltungen

Am stärksten von COVID-19 betroffen war die Möglichkeit, Menschen durch Veranstaltungen an die vegane Lebensweise heranzuführen. Von unseren jährlichen Straßenfesten und Märkten konnte 2020 nur der Vegane Markt in Ahrweiler Ende August stattfinden. Auch viele unserer bundesweiten Vegan-Brunchs und Stammtische mussten pausieren. Andere mieteten große Hallen an oder stiegen, ebenso wie die Vortrags­reihe Hamburg Animal Rights Talks, auf Online-Medien um und konnten so ihre Informations- und Vernetzungsangebote aufrechterhalten. Die Videomitschnitte ausgewählter Online-Vorträge werden sukzessive auf unserem YouTube-Kanal bereitgestellt.

Unsere Arbeit vor Ort

Auch in Zeiten von Lockdown und Hygieneregeln ist kreativer Straßenaktivismus möglich, das konnten unsere bundesweiten Ortsgruppen eindrücklich unter Beweis stellen. Von Vegan Demos über Tablet-Aktionen bis hin zur Aufklärung über die Herkunft von COVID-19 und anderen Zoonosen wurden bewährte Aktionsformen genutzt und neue gefunden, um die Menschen trotz Abstand persönlich zu erreichen.

Neu im Verein begrüßen durften wir 2020 die Ortsgruppen Düsseldorf-Neuss, Gronau, Ludwigslust-Parchim und Rostock. Ab sofort stellen sich außerdem Aktive im Portrait auf unserer Website und in den sozialen Medien vor.

Neues Informationsmaterial

Aus gegebenem Anlass bieten wir in unserem Online-Shop bei roots of compassion ein Infoblatt zum Thema Zoonosen sowie einen nachhaltig-fair-veganen Mund-Nasen-Schutz an. Zudem haben wir auch für das Jahr 2021 wieder einen Wandkalender gemeinsam mit dem Lebenshof Land der Tiere und dem Verein Mensch Tier Bildung e. V. gestaltet.

Bettina Rehberg

Im Andenken an Bettina Rehberg

Wir gedenken unserer langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden Bettina Rehberg, die am 22. Mai 2020 überraschend verstorben ist. Auf ihren Wunsch – und teilweise aus ihrem Nachlass – haben wir den TierrechtsTopf 2020 eingerichtet, der unabhängige Tierrechtsprojekte fördert.

ARIWA in Zahlen

  • 81 ordentliche Mitglieder
  • 810 Fördermitglieder
  • 101 Pat*innen
  • ca. 300 Aktive
  • 34 Ortsgruppen
  • 6 Vorstandsmitglieder (ehrenamtlich)
  • 8 Angestellte (in Teilzeit)
  • 3 Infomobile mit Filmvorführtechnik
  • 106 758 Euro Mitgliedsbeiträge
  • 149 972 Euro Spenden
  • 13 417 Euro Patenschaften

Stand: 31.12.2020 | Angaben z. T. vorläufig

Transparenz ist uns wichtig. Mehr zur Herkunft und Verwendung unserer finanziellen Mittel erfahren Sie hier.

Stand: 12/2020 | Text: Animal Rights Watch e.V. | Bilder: Animal Rights Watch e.V.

aktiv fuer tierrechte